Presse

Gute Pflege kann nicht länger warten!

Bis 2030 rund 7.400 Pflegebedürftige allein im Kreis Höxter /
VdK NRW fordert nachhaltige Reformen und bessere Versorgung vor Ort

Von links: Peter Bierwirth (Vorsitzender des Kreisverbands Höxter), Karl-Heinz Fries (Vorsitzender des VdK NRW) und Robert Walter (Vorsitzender des Sozialpolitischen Ausschusses). | © Tobias Zaplata


Immer mehr Menschen haben Angst, im Alter pflegebedürftig zu werden. "Das Gefühl, sich nicht mehr auf die Pflegeversicherung verlassen zu können, entsteht leider nicht ohne Grund", sagte der Vorsitzende des Sozialverbands VdK Nordrhein-Westfalen, Karl-Heinz Fries, heute bei einem Pressegespräch in Höxter. "Statt den seit Jahren offensichtlichen Mangel weiter zu verwalten, benötigen wir schnelle Hilfen für Betroffene und ihre Angehörigen. Neben einer grundlegenden Reform der gesetzlichen Rahmenbedingungen auf Landes- und Bundesebene müssen auch die Versorgungsstrukturen vor Ort stärker an die wachsende Zahl pflegebedürftiger und demenzkranker Menschen angepasst werden. Ansonsten könnten 2030 nicht nur die Kommunen im Kreis Höxter vor einem Pflege-Problem stehen", machte Fries im Vorfeld des Kleinen Landesverbandstags des Sozialverbands VdK Nordrhein-Westfalen deutlich, zu dem am 24. Mai über 100 Delegierte aus den zugehörigen 43 Kreisverbänden in Höxter zusammenkommen werden.

Die zukünftigen Herausforderungen zeigt beispielsweise die Entwicklung in Höxter auf: So wird die Zahl der Pflegebedürftigen im Kreis mit Pflegestufe I bis III, die 2011 rund 5.400 Personen betrug, nach Expertenschätzungen bis zum Jahr 2030 um 37 Prozent auf über 7.400 anwachsen. Voraussichtlich 3.000 Menschen im Kreis Höxter werden die Diagnose Demenz haben. "Der Kreis und die Kommunen müssen sich dringend mit dem steigenden Anteil alter, pflegebedürftiger und demenzerkrankter Menschen auseinandersetzen. Die heutige Versorgungslandschaft ist darauf nur unzureichend ausgerichtet", erklärte Karl-Heinz Fries. "Pflege findet vor Ort statt - in den Städten und Gemeinden. Ein wichtiges Ziel der Lokalpolitik muss es sein, die kommunalen Strukturen im Hinblick auf altengerechtes Wohnen und Leben zu stärken."

Karl-Heinz Fries (Vorsitzender des VdK NRW) | © Tobias Zaplata


Eine zukunftsorientierte Pflege- und Seniorenpolitik beginnt für den Sozialverband VdK Nordrhein-Westfalen beispielsweise bei der kommunalen Planung. Städte, Gemeinden und Kreise müssten eine Bestandsaufnahme der Wohn- und Lebenssituation sowie des Bedarfs der Bürger an sozialen, Wohn-, Pflege-, Versorgungs- und Dienstleistungsangeboten vornehmen. Die Erkenntnisse sollten in ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept einfließen. Auch das Angebot an Wohn- und Pflegeberatung sollte ausgebaut werden, etwa durch wohnortnahe Wohnraumberatungsstellen und Pflegestützpunkte. Des Weiteren zeigen Untersuchungen, dass bundesweit 95 Prozent der älteren Menschen täglich mit erheblichen Hindernissen in ihrer Wohnung konfrontiert sind. Barrierefreies Bauen muss daher ebenso im Fokus der Kommunalpolitik stehen wie auch ein altersgerechtes Wohnumfeld, Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und ein gut ausgebauter, behindertengerechter öffentlicher Nahverkehr.

Besonders wichtig wird es nach Ansicht des Sozialverbands VdK Nordrhein-Westfalen werden, im Bereich der Pflege die Versorgung der Bürger sicherzustellen. Kurzzeit- und Tagespflegeangebote, ambulante Pflege, betreutes Wohnen und alternative Wohnformen müssen weiterentwickelt werden. Die Kommunen, Kirchengemeinden und Vereine sind darüber hinaus gefordert, Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliches Engagement zu unterstützen. Um die Vereinsamung älterer Menschen zu verhindern, sind soziale Netzwerke im Wohnumfeld wie Begegnungsstätten, Bildungs- und Freizeitangebote von großer Bedeutung.

Da ein Großteil der Pflege direkt in den Familien geleistet wird, sind außerdem mehr Unterstützungs-, Beratungs- und Entlastungsangebote für pflegende Angehörige notwendig. Ihre Bereitschaft, unter vielen Entbehrungen zum Teil schwerste Pflegearbeit zu leisten, muss unbedingt erhalten und gefördert werden. Dafür setzt sich der Sozialverband VdK bundesweit mit der Forderung nach einer umfassenden Pflegereform ein, über die die Internetseite www.grosse-pflegereform-jetzt.de informiert.

"Unser Ziel ist es, Pflegebedürftigkeit möglichst frühzeitig zu verhindern. Das gelingt beispielsweise, indem alte Menschen - anders als bisher - bereits bei zunehmender Hilfsbedürftigkeit unterstützt werden", so der Vorsitzende des Sozialverbands VdK Nordrhein-Westfalen. Auch könnten Betroffene durch Beratung, altersgerechte Wohnraumanpassung oder hauswirtschaftliche Hilfen oft noch lange selbstständig in ihren vier Wänden wohnen bleiben. Karl-Heinz Fries: "Das führt nicht zuletzt zu einer finanziellen Entlastung der Kommunen, die ansonsten im Rahmen der Sozialhilfe für die Heimunterbringung aufkommen müssten."

verantwortlich: Andrea Temminghoff


Quellenhinweis:
Die Zahlenangaben stammen vom Statistischen Bundesamt (Zahl der Pflegebedürftigen 2011), dem Pflegereport 2030 der Bertelsmann Stiftung (prozentuale Zunahme der Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030) sowie dem Statistischen Landesamt NRW (Zahl der Demenzerkrankten 2030).


Weitere Hintergrundinformationen:


Die Pressemitteilung als pdf-Datei:


Der Sozialverband VdK ist mit 1,7 Millionen Mitgliedern der größte Sozialverband Deutschlands. Im Sozialverband VdK NRW e. V. sind über 280.000 Mitglieder organisiert, die in 43 Kreisgeschäftsstellen und acht Rechtsabteilungen in sozialrechtlichen Fragen beraten und vertreten werden. Der Sozialverband VdK setzt sich ein für die Rechte von Rentnern, Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten, Sozialversicherten, Pflegebedürftigen, Kriegs-, Wehrdienst- und Zivildienstopfern, Hinterbliebenen, Empfängern von Arbeitslosengeld II sowie Opfern von Unfällen, Gewalt und Umweltschäden.

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