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Wohnen als soziale Herausforderung

VdK NRW fordert bezahlbaren und barrierefreien Wohnraum für Ältere und Menschen mit Behinderung

Von Andrea Temminghoff

Unter dem Stichwort "Neue Wohnungsnot" wird öffentlich vor allem über Wiedervermietungskosten, Mietpreisbremse und Wohnungsneubau diskutiert. Doch was bedeutet diese Entwicklung vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und der zunehmenden Altersarmut? Wie werden Ältere und Menschen mit Behinderung zukünftig wohnen?

In NRW verfügen 2,58 Millionen Privathaushalte über ein Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.500 Euro monatlich. Darüber hinaus waren Ende 2011 mehr als die Hälfte der 1,7 Millionen Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung älter als 65 Jahre. Gleichzeitig wird nach einer Prognose des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter die Zahl der Pflegebedürftigen von derzeit rund 550.000 auf geschätzte 700.000 Personen im Jahr 2030 steigen. Für etwa ein Fünftel der Betroffenen wird eine stationäre Betreuung in Heimen alleine deshalb erforderlich, weil das eigene Wohnumfeld eine ambulante Pflege zu Hause unmöglich macht.

Ein weiterer Anstieg der stationären Pflegezahlen ist nach Auffassung des Sozialverbandes VdK Nordrhein-Westfalen daher nur zu vermeiden, wenn zügig weiterer bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum zur Verfügung gestellt wird. Derzeit sind hierzulande lediglich drei Prozent der etwa 8,6 Millionen Wohnungen zumindest mit einem barrierearmen Standard ausgestattet.

In diesem Zusammenhang weist der VdK NRW nochmals auf die schwierige Einkommenssituation der Rentnerhaushalte hin: "Während der letzten zehn Jahre sind die gesetzlichen Renten nach unabhängigen Berechnungen aufgrund von Nullrunden und Kürzungsfaktoren inflationsbereinigt um etwa zehn Prozent gesunken", so Landesgeschäftsführer Thomas Zander. "Voraussichtlich werden die Kosten für die Bereitstellung von barrierefreiem Wohnraum für eine größer werdende Zahl von Älteren und Menschen mit Behinderung schneller steigen als deren Kaufkraft."

Dies betrifft gleichermaßen Mieter, die in städtischen Ballungsräumen des Rheinlandes leben, wie auch ältere Eigenheimbesitzer in Gegenden mit deutlichem Bevölkerungsrückgang, die für ihre Immobilien keine Käufer finden. "Sie alle sind auf die Weiterentwicklung bestehender Fördermechanismen dringend angewiesen. Auch über Pflichtquoten für barrierefreie Wohnungen in geförderten Mietneubauten muss nachgedacht werden", macht Zander deutlich.

Selbstbestimmtes barrierefreies Wohnen in jedem Alter und in jeder Lebenslage ist für Ältere und Menschen mit Behinderung Grundvoraussetzung für eine möglichst lange Unabhängigkeit von stationären Pflegeangeboten. Dazu erläutert der Geschäftsführer des Sozialverbandes VdK Nordrhein-Westfalen: "Für diesen Personenkreis kumulieren die Risiken Alter, Einkommensarmut, Behinderung und Pflegebedürftigkeit. Hier zügig Abhilfe zu schaffen, ist nicht nur eine politische Aufgabe der Wohnraumförderung, sondern einer präventiven Sozialpolitik insgesamt. Je schneller diese Herausforderung erkannt und angenommen wird, desto mehr Menschen können länger selbstbestimmt wohnen und leben."

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