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VdK NRW fordert:
Soziale Spaltung stoppen -
Zukunft sozial gestalten

Landesverbandsvorsitzender Karl-Heinz Fries (rechts) und Landesverbandsgeschäftsführer Thomas Zander stellten sich nach der Pressekonferenz in Köln zum Foto auf. | © Tobias Zaplata


Von Andrea Temminghoff

„Armut ist für immer mehr Menschen in Deutschland bittere Realität. In Nordrhein-Westfalen gilt mittlerweile jeder siebte Einwohner als armutsgefährdet. Beinahe zwei Millionen Menschen empfangen hierzulande Mindestsicherungsleistungen wie Hartz IV oder Sozialhilfe. Auch diejenigen, die ihr Leben lang hart gearbeitet oder Kinder und Verwandte versorgt haben, leiden unter der zunehmenden sozialen Spaltung: Weil ihre Rente nicht zum Leben reicht, müssen die Menschen im Alter häufiger den Gang zum Sozialamt antreten. Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich wollen und werden wir als Sozialverband VdK Nordrhein-Westfalen zu keiner Zeit als gesellschaftliche Normalität hinnehmen“, machte der Landesverbandsvorsitzende Karl-Heinz Fries heute bei einer Pressekonferenz in Köln deutlich.

Im Vorfeld des Kleinen Landesverbandstages des Sozialverbandes VdK Nordrhein-Westfalen, zu dem am 25. Mai 110 Delegierte aus den zugehörigen 43 Kreisverbänden zusammenkommen werden, führte Fries weiter aus: „Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erhielten Ende 2010 mehr als 200.000 Menschen in NRW Leistungen zur Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung. Schon 2020 könnte nach Studien des Paritätischen Gesamtverbandes deutschlandweit jeder Fünfte auf derartige Leistungen angewiesen sein. Hinzu kommt, dass beispielsweise männliche Neurentner in den alten Bundesländern 2011 durchschnittlich nur Beträge in Höhe 868 Euro erhielten – also 119 Euro weniger als der Durchschnitt der männlichen Bestandsrentner. Um dem nachhaltig entgegenzuwirken, fordern wir unter anderem einen flächendeckenden branchenübergreifenden Mindestlohn, die Abschaffung der Rentendämpfungsfaktoren sowie gleiche Bildungschancen für alle von Kindesbeinen an.“

Letzteres gelte in besonderer Weise für Menschen mit Behinderung, die in unserer Gesellschaft nach wie vor einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt seien: „Um das in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschriebene Menschenrecht auf selbstbestimmte Teilhabe an der Gemeinschaft zu verwirklichen, muss in NRW vor allem der bedingungslose Anspruch von Schülerinnen und Schüler mit Behinderung auf den Zugang zur allgemeinen Schule endlich gesetzlich garantiert werden. Derzeit besucht hierzulande nur jeder Vierte mit besonderem Förderbedarf eine reguläre Schule – andere Länder wie Schleswig-Holstein sind uns mit einer Inklusionsquote von über 50 Prozent weit voraus,“ erläuterte der Vorsitzende des Sozialverbandes VdK Nordrhein-Westfalen.

„Vergleichsweise niedrigere Schulabschlüsse und fehlende Berufsausbildungen in Relation zu nicht behinderten Menschen sind außerdem ein Grund dafür, dass in Deutschland nur etwa die Hälfte der Menschen mit Behinderung im erwerbsfähigen Alter einen Arbeitsplatz findet“, so Fries. „Um ihre vielfältigen Fähigkeiten und Talente aufzuzeigen und Vorurteile in den Köpfen abzubauen, verleihen wir in diesem Jahr bereits zum vierten Mal den ‚VdK Preis für Menschen mit Behinderung in Beschäftigung und Ausbildung – vilmA’ (vorbildlich, individuell, leistungsstark und motiviert in der Arbeitswelt), für den noch bis zum 15. Juni Bewerbungen eingereicht werden können.“

Wie bedeutsam das vielfältige Engagement des Sozialverbandes VdK Nordrhein-Westfalen insgesamt für die Schwächsten der Gesellschaft ist, machte der Vorsitzende anhand einiger aktueller Zahlen deutlich: „In NRW vertrauen mittlerweile mehr als 269.000 Mitglieder auf den VdK – Tendenz weiter steigend. Für Ihre Interessen machen wir uns auf politischer Ebene ebenso wie im Rahmen der sozialrechtlichen Beratung und Vertretung stark. Jedes 20. Verfahren vor den Sozialgerichten in NRW wurde 2012 von unseren VdK-Experten als Bevollmächtigten geführt. Mehr noch: Nahezu jedes siebte Verfahren aus dem Schwerbehindertenrecht und beinahe jedes achte Verfahren aus dem Bereich der Rentenversicherung kam von unseren Mitgliedern. Und von diesen insgesamt 4.862 VdK-Fällen wurde mehr als die Hälfte ganz oder wenigstens teilweise mit Erfolg abgeschlossen, so dass landesweit 8.691.701,79 Euro an einmaligen und 457.726,39 Euro an monatlichen Zahlungen für unsere Mitglieder erstritten werden konnten. Als starke Stütze im sozialen System wird sich der Sozialverband VdK Nordrhein-Westfalen auch weiterhin mit voller Kraft für die Rechte seiner Mitglieder sowie die soziale Sicherheit und Gerechtigkeit in unserem Bundesland einsetzen“, sagte Karl-Heinz Fries.

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