Sozialverband VdK - Kreisverband Neumarkt
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Schluß mit der Altersdiskriminierung
JU- Vorsitzender erklärt alten Menschen den "Krieg"

Die Forderungen des Vorsitzenden der Jungen Union, Philipp Mißfelder, alte Menschen bräuchten keine künstlichen Hüftgelenke und keinen Zahnersatz mehr, werden vom VdK-Kreisverband Neumarkt auf das schärfste zurückgewiesen.
"Die Äußerungen von Herrn Mißfelder sind herabwürdigend, verletzend und diskriminierend", sagte der VdK-Kreisvorsitzende Hans-Jürgen Schlicher. "Hier wird die Aufbau- und Lebensleistung einer bzw. mehrerer Generationen mit Füßen getreten. In unverantwortlicher Weise wird ein Generationenkonflikt heraufbeschworen, ja regelrecht herbeigeredet. Das ist Stimmungsmache übelster Art."
Rentner und ältere Menschen dürfen nicht zu Sündenböcken der Nation gemacht werden. Jeder Mensch hat ein Recht darauf, in Würde alt zu werden.
Mit seinen 23 Jahren kann Herr Mißfelder überhaupt nicht in der Lage sein, die Lebensleistung der Rentner und älteren Menschen richtig einzuschätzen.
Er scheint offensichtlich nicht zu wissen, daß seit 1977 die Rentenformel und die Art der Rentenanpassung mehrfach zu Lasten der Rentner geändert wurde. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge erhält der heutige Eckrentner auf aktuelle Preise umgerechnet kaum mehr Rente als Anfang der 80er-Jahre.
Der VdK widerspricht vehement den Vorwürfen, daß nur zu Lasten der jungen Generation gespart wird und die Rentner kein Sparopfer brächten.
Allein durch die Umstellung der Rentenanpassungsformel von netto auf brutto haben die Rentner 2001 zwei Millionen Euro verloren. Auch 2003 wurden die Rentner einseitig belastet durch den Abschlag von 0,5 Prozentpunkten bei der Rentenanpassung.
Herr Mißfelder stimmt ein in den Chor der sogenannten Experten, die immer wieder mit falschen Angaben Vorurteile gegen Rentner und ältere Menschen verbreiten.
So ist die Aussage "Die Alten leben auf Kosten der jungen Generation" schlicht und ergreifend falsch.
Richtig ist, daß Senioren und Rentner während ihres Arbeitslebens Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung gezahlt haben, die zu diesem Zeitpunkt den damaligen Rentner zugute kamen. Generationenvertrag bedeutet nämlich, daß die Beiträge der jetzt Beschäftigten zur Finanzierung der heutigen Renten verwendet werden. Offensichtlich hat Herr Mißfelder das System des Generationenvertrages bisher nicht verstanden oder er will es gar nicht verstehen.
Richtig ist ferner, daß Senioren ehrenamtlich Arbeit leisten, die zu den Aufgaben des Staates gehören und die einem Wert von ca. 40 Milliarden Euro pro Jahr entspricht. Ältere Menschen versorgen Familienangehörige im Krankheits- und Pflegefall. Ein Drittel aller Pflegebedürftigen wird von den Ehepartnern gepflegt, Großeltern betreuen oft die Enkelkinder, wenn die Eltern arbeiten müssen.
25 Prozent der über 70-Jährigen unterstützen finanziell ihre Kinder, aber nur 3 Prozent erhalten umgekehrt finanzielle Unterstützung von den Kindern.
"Die ältere Generation stellt ein Humankapital dar, von dem unsere Gesellschaft lebt. Wir brauchen eine Korrektur des negativ besetzten Altersbildes auch in Wirtschaft und Industrie, das die Senioren auch in ihrer Funktion als wichtige Konsumenten und Leistungsträger erkennt", heißt es im Schlußbericht der Bundestags-Enquête-Kommission "Demographischer Wandel". Dem kann der VdK-Kreisverband Neumarkt nur zustimmen, meinten Kreisgeschäftsführerin Sigrid Steinbauer-Erler und Kreisvorsitzender Schlicher übereinstimmend.
Auch das Vorurteil "Das Alter der Bevölkerung treibt die Kosten im Gesundheitswesen in die Höhe" ist falsch.
Richtig ist: Die wachsende Zahl älterer Menschen muß nicht zwangsläufig zu mehr Kosten im Gesundheitssystem führen. So weiß man schon seit längerem, daß die Menschen im letzten Jahr vor ihrem Tod die meisten Krankheitskosten verursachen, der 23-jährige Krebspatient genauso wie der 90-jährige Herzkranke.
Die Studie des Max-Planck-Instituts für demographische Forschung in Rostock kommt zu dem verblüffenden Ergebnis, daß z. B. die Krankenhauskosten pro Patient mit 80 Jahren deutlich niedriger liegen als mit 60. Ab dem 60. Lebensjahr gehen die Ausgaben zur Behandlung lebensbedrohlicher Krankheiten, anders als allgemein angenommen, zurück. Bei gleicher Krankheit kostet die Behandlung eines 90-jährigen Patienten weniger als die Hälfte eines 65- bis 69-Jährigen.
Herrn Mißfelder empfehlen wir dringend, seine Äußerungen zu überdenken und sich bei den älteren Menschen dafür zu entschuldigen. Denn ihnen ist es zu verdanken, daß es unserer Jugend heute besser geht im Vergleich zu der Zeit, als die Älteren jung waren.
"Die Führung der CSU wäre gut beraten, den Vorsitzenden ihrer Jugendorganisation zurückzupfeifen. Herr Mißfelder muß sich bei den älteren Menschen für seine Äußerungen entschuldigen, wenn er einen "Generationenkrieg" verhindern will", sagte der VdK-Kreisvorsitzende Hans-Jürgen Schlicher.