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Prof. Reiner Bartl, Leiter des Bayerischen Osteoporose-Zentrums am Klinikum Großhadern, eröffnet den "Weltosteoporosetag 2008".
Wie wichtig die Aufklärung zum Thema Osteoporose ist,
zeigt ein Interview mit Prof. Dr. Bartl.
Was ist Osteoporose? Prof. Bartl: Osteoporose
heißt vereinfacht "Knochenschwund". Das bedeutet: Das
Knochengerüst ist nicht mehr belastbar und bricht irgendwann
zusammen. Häufigste Folgen: Oberschenkelhalsfrakturen und
Wirbelbrüche. Ein gesunder Knochen besteht aus einer
Knochenrinde, die innen verbunden ist mit Knochenbälkchen.
Beides zusammen bestimmt die Festigkeit des Knochens. So muss zum
Beispiel die Hüfte Belastungen von mehr als 250 Kilogramm
verkraften und obendrein elastisch sein, um kurze harte
Schläge abzufedern. Bei Osteoporose sind die Knochenrinde und
die Knochenbälkchen so dünn geworden, dass sie schon bei
geringer Belastung brechen - es kommt zur Fraktur.
Wie bemerkt man Osteoporose? Prof. Bartl: Die Frühform von Osteoporose, den Schwund an Knochenmasse, bemerkt der Patient zunächst nicht. Denn die äußere Knochenform ist in der Frühphase der Osteoporose noch intakt, obwohl im Inneren des Knochens die Knochensubstanz längst abgebaut ist. Setzt sich der Abbau der Knochenmasse über Jahre hinweg fort, genügt ein kleiner Anlass, den Knochen brechen zu lassen, zum Beispiel ein heftiges Niesen oder das Anstoßen an ein Hindernis. Dann kann plötzlich ein Wirbel zusammenbrechen, es bricht der Oberschenkelhals, eine Rippe oder ein Unterarm. Entscheidend bei solchen Frakturen ist, dass geprüft wird, ob Osteoporose dahinter steckt. Denn - das ist die wichtige Botschaft: Osteoporose lässt sich heute rückgängig machen. Aber dazu müssen sich Arzt und Patient - insbesondere nach einer Fraktur - zusammensetzen und gemeinsam eine Behandlungsstrategie entwickeln.
Richtige Diagnose von Osteoporose Prof. Bartl: Wer erhöhte Risikofaktoren hat, sollte im Alter von 40 bis 45 Jahren eine Knochendichtemessung vornehmen lassen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt die so genannte DXA-Methode. Dabei werden zwei schwache Röntgenstrahlen durch die Knochen am Oberschenkel oder an der Lendenwirbelsäule geschickt. Die Knochendichte lässt sich am so genannten T-Wert ablesen. Ist dieser schlechter als minus 2,5, muss der Patient behandelt werden.
Wie sieht eine knochenbewusste Ernährung aus? Prof. Bartl: Für eine knochenbewusste Ernährung gelten dieselben Regeln wie für eine insgesamt gesunde Ernährung: Wenig Fleisch, wenig Fett, sehr viel Gemüse, sehr viel Obst - und für den Knochenaufbau viel Milchprodukte. Je nach Alter sollten wir zwischen 500 und 1.500 Milligramm Kalzium täglich zu uns nehmen. Da Kinder und Jugendliche noch im Knochenwachstum sind, brauchen sie mehr Kalzium als Erwachsene. Auch Frauen in der Schwangerschaft sollten mehr Kalzium zu sich nehmen - bis zu 2.000 Milligramm pro Tag. Man muss nicht täglich zwei Liter Milch trinken, um das zu erreichen, sondern kann auch einen Joghurt oder Käse essen. Auch Kalzium-Präparate aus der Apotheke sind sinnvoll. Wichtig ist auch die Einnahme von Vitamin D (pro Tag 1000 Einheiten), um das Kalzium in den Knochen einzubauen.