Url dieser Seite: http://vdk.de/kv-cochem-zell/ID62267
Sie befinden sich hier:

Soziales

Hier finden Sie unter anderem aktuelle Urteile im sozialen Bereich

Soziales

Pressemeldung zum Thema "Qualitätssicherung Pflege" ( 4. April 2012)

Wirst Du gepflegt oder stirbst Du schon?

Noten für Pflegeheime sind ein Skandal – MDK-Berichte veröffentlichen:

"Das Benotungssystem für Pflegeeinrichtungen bekommt von uns die Note mangelhaft",
sagte Andreas Peifer, Vorsitzender des Sozialverbands VdK Rheinland-Pfalz in Mainz.

"Das System verschleiert die wahren Zustände in der ambulanten und der stationären Pflege.
Schlechte Einrichtungen können sich ihre Leistungen schön rechnen. Für gute Einrichtungen
gibt es keine Anreize, besser zu werden. Sollte dieses Benotungssystem erhalten bleiben,
versinkt die Pflege im unteren Mittelmaß – zum Nachteil der Betroffenen."

Das seit 1. Januar 2009 geltende Pflege-Weiterentwicklungsgesetz mit seiner
Transparenzvereinbarung für Pflegeheime müsse gekippt werden, so Peifer.
Stattdessen sollten die Prüfberichte des MDK veröffentlicht werden. So hätten Betroffene und
ihren Angehörigen die Möglichkeit, sich unabhängig und fachlich fundiert zu informieren:

"Waschmaschinen werden regelmäßig im Vergleich getestet. Da geht es `nur` um
schmutzige Wäsche. Bei Pflegeheimen soll ein fundierter Vergleich nicht möglich sein?

Die Veröffentlichung der MDK-Berichte sollte uns unsere Pflege in Zukunft wert sein."

Peifer appellierte an Sozialministerin Malu Dreyer, sich im Bundesrat für eine Verschärfung
der gesetzlichen Vorgaben einzusetzen. So müssten bei mangelhafter Pflege k.o.-Kriterien
für die Einrichtung gelten; schlecht pflegende Einrichtungen müssten geschlossen werden.
Die neue Vereinbarung dürfe zudem nicht von den Trägern der Einrichtungen verfasst
werden. Hier sei eine Einflussnahme vorprogrammiert:

"Wenn die Pflegeheime ihre eigenen Benotungssysteme entwickeln, dann ist das,
als ob der Fuchs den Hühnerstall bewacht."

"Vor allem müssen diejenigen, um die es geht, nämlich die Betroffenen, an der Beurteilung
beteiligt werden. Es geht hier um die Menschenwürde älterer Menschen und wie wir selbst
im Alter leben wollen. Oder sarkastisch formuliert: Wirst Du gepflegt oder stirbst Du schon?"
so der Landesverbandsvorsitzende.

Qualitätsprüfungen für Pflegeheime

Tischvorlage zur Pressekonferenz mit dem Vorsitzenden des Sozialverbands VdK
Rheinland-Pfalz, Andreas Peifer, der Leitenden Ärztin beim Medizinischen Dienst der
Krankenversicherung (MDK) Rheinland-Pfalz, Dr. Ursula Weibler-Villalobos, und dem
Vorstandsvorsitzenden der AOK Rheinland-Pfalz, Walter Bockemühl
Landesverbandsgeschäftsstelle

Seit dem 1. Januar 2009 gilt das neue Bewertungssystem für Pflegeeinrichtungen.
Es soll Pflegebedürftigen und Angehörigen zeigen, wie gut eine Pflegeeinrichtung ist.
Stichworte sind "Transparenz" und "Qualität". Doch das Bewertungssystem bietet
den Pflegeeinrichtungen die Möglichkeit, Missstände zu verschleiern.

1. Hintergrund:
Im Jahr 2008 wurde mit dem Pflege-Weiterentwicklungsgesetz das
Pflegeversicherungsgesetz verändert: Pflegebedürftige und deren Angehörige sollen
zukünftig über die Qualität jeder Pflegeeinrichtung informiert werden. Die Prüfungen
der Pflegeeinrichtung müssen in einer ersten Runde bis Ende 2010 abgeschlossen
sein. Danach erfolgen sie jährlich. Beurteilt wird nach dem Schulnotenprinzip, das
heißt von "sehr gut" bis "mangelhaft".
Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) überprüft
Pflegeeinrichtungen und erstellt eigene Qualitätsberichte. Diese werden aber nicht
veröffentlicht. Stattdessen muss sich der MDK bei der Bewertungssystematik an die
"Transparenzvereinbarung für Pflegeheime" halten, die seit Anfang des Jahres gilt.
Sie ist für alle Pflegekassen und deren Verbände sowie für die zugelassenen
Pflegeeinrichtungen verbindlich.

Folgende Akteure entwickelten die "Transparenzvereinbarung für Pflegeheime":

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe,
die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände,
die Vereinigung der Träger der Pflegeeinrichtungen und
der Spitzenverband Bund der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Die maßgeblichen Organisationen für die Wahrnehmung der Interessen der
Selbsthilfe der pflegebedürftigen und behinderten Menschen, unabhängige
Verbraucherorganisationen auf Bundesebene sowie der Verband der privaten
Krankenversicherung und die Verbände der Pflegeberufe auf Bundesebene hatten
lediglich das Recht zu einer Stellungnahme.

2. Bewertungskriterien:
Stationäre Pflegeeinrichtungen werden anhand von 82 Kriterien beurteilt, die
wiederum in fünf Themenbereiche geordnet sind (ambulante Pflegeeinrichtungen
werden grundsätzlich nach derselben Systematik beurteilt; allerdings gibt es hier nur
vier Themenbereiche und 49 Kriterien):

  • Pflege und medizinische Versorgung (35 Kriterien)
  • Umgang mit demenzkranken Bewohnern und anderen gerontopsychiatrisch veränderten Menschen (10 Kriterien)
  • soziale Betreuung und Alltagsgestaltung (10 Kriterien)
  • Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene (9 Kriterien)
  • Befragung der Bewohner (18 Kriterien)

Aus den Ergebnissen der ersten vier Themenbereiche wird eine Gesamtnote
errechnet; für die Bewohner-Befragung gibt es eine separate Note.

3. Kritik:
Die Gesamtnote für ein Pflegeheim hat kaum Aussagekraft, da alle 82 Kriterien
und Themenbereiche miteinander verrechnet werden – egal, wie wichtig sie sind.
Aus Mittelwerten werden Mittelwerte und wiederum Mittelwerte gebildet, bis einzelne
und strukturelle Mängel in der Gesamtnote untergehen.
Beispiel:
Von zehn Bewohnern haben zwei Bewohner Druckgeschwüre und die Einrichtung
hat nichts dagegen unternommen. Wenn eine solche Schädigung festgestellt wird,
aber die restlichen acht Bewohner ordentlich versorgt wurden, liegt das Ergebnis bei
80 Prozent oder der Note "gut" - und nur diese Note wird veröffentlicht.
Aber auch wenn die Mehrzahl der Bewohner geschädigt worden wäre, könnte die
Note "mangelhaft" mit einem "sehr gut" durch "regelmäßige Schulung der Mitarbeiter
in erster Hilfe" oder "mit einem Zaun gesicherte Gartenanlagen" ausgeglichen
werden. Im Ergebnis steht trotz schwerer Pflegefehler die Gesamtnote "gut".
Nach diesem Benotungssystem wird es in Deutschland auf dem Papier keine
"mangelhaften" Einrichtungen geben – auch wenn sie mangelhaft sind.
Pflege-Experten vermuten, dass dieser "Weichmacher" im Benotungssystem gezielt
eingebaut wurde. Denn die "Transparenzvereinbarung für Pflegeheime" – und damit
das Benotungssystem – haben wesentlich diejenigen entwickelt, die überprüft
werden sollen und die sich jahrelang dagegen gewehrt haben: Die Träger der
Pflegeheime selbst.
Forderungen:
1. Veröffentlichung der MDK-Prüfberichte: Der Medizinische Dienst der
Krankenversicherung Rheinland-Pfalz muss die Erlaubnis bekommen, seine
detaillierten Prüfberichte zu veröffentlichen. Bislang liegt die Entscheidung
über eine Veröffentlichung bei den Pflegeeinrichtungen selbst; diese werden
sich bei schlechten Bewertungen eher für die schöngerechnete Gesamtnote
entscheiden.
2. Abschaffung der "Transparenzvereinbarung für Pflegeheime": Dafür soll
sich die rheinland-pfälzische Sozialministerin Malu Dreyer im Bundesrat und
bei Gesundheitsministerin Ulla Schmidt einsetzen.
3. Neues Benotungssystem mit k.o.-Kriterien: Eine Pflegeeinrichtung darf
nicht die Möglichkeit haben, gravierende Pflegemängel durch Mittelwertbildung
und "weiche" Kriterien auszugleichen: Missstände bei der Ernährung, bei der
Flüssigkeitsversorgung, bei der Vermeidung und Behandlung von
Druckgeschwüren, beim Umgang mit Demenzkranken oder bei der Hygiene
müssen automatisch zu einer "mangelhaften" Bewertung führen.

.
Presse

.

© K.T.

Zum Herunterladen den folgenden LINK anklicken.

.................................................
...........................

.

© K.T.

Zum Herunterladen den folgenden LINK anklicken.

.................................................
...........................

.

© K.T.

Zum Herunterladen den folgenden LINK anklicken.

Bildrechte einblenden

Bildrechte auf der Seite "http://www.vdk.de/kv-cochem-zell/ID62267":

  1. Kostenbeteiligung | © K.T.
  2. Statistik | © K.T.
  3. Auskunftspflicht gegenüber KK | © K.T.

Liste der Bildrechte schließen