18. Dezember 2015
Gesundheit

Urteil: Plötzliches Umfallen aus dem Stand ist kein Wegeunfall

BSG: Für Wegeunfall muss sich „Wegegefahr“ verwirklichen

Ein plötzliches Umfallen aus dem Stand ohne feststellbaren Grund steht auf dem Arbeitsweg nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Ein Wegeunfall kann nur dann anerkannt werden, wenn dieser auf eine konkrete Wegegefahr zurückzuführen ist, urteilte am Donnerstag, 17. Dezember 2015, das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel (Aktenzeichen: B 2 U 8/14 R). Der 2. BSG-Senat wies damit die Klage eines Studenten der Universität Bielefeld ab.

© Imago/imagebroker

Der heute 28-jährige Kläger war am 15. Februar 2008 auf einem Bahnsteig einer zur Universität führenden Straßenbahnlinie ohne Grund plötzlich aus dem Stand umgefallen. Bei seinem Sturz erlitt er ein schweres Schädel-Hirntrauma, welches mehrere Operationen notwendig machte. Auch heute noch leidet der Kläger an Konzentrationsstörungen.

Die Ursachen des Umfallens konnten trotz umfangreicher Ermittlungen nicht aufgeklärt werden. Weder lag bei dem Studenten ein epileptischer Anfall vor, noch konnte ein Stolpern oder gar ein Anrempeln einer anderen Person festgestellt werden. Der Kläger selbst kann sich an nichts mehr erinnern.

Von der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen wollte er den Unfall aber als Wegeunfall anerkannt haben. Davon müsse ausgegangen werden, da die Unfallkasse nicht bewiesen habe, dass das Umfallen auf private – beispielsweise gesundheitliche – Gründe zurückzuführen war.

Doch der Unfallversicherungsträger lehnte die Anerkennung als Wegeunfall ab. Dies sei nur dann möglich, wenn sich ein „versichertes Risiko“ erfüllt habe. Welches versicherte Risiko sich hier bei dem Unfall verwirklicht habe, stehe gar nicht fest. Vielmehr sei der Student ohne jeglichen Anknüpfungspunkt zu einem Wegerisiko einfach aus dem Stand umgefallen.

Dem folgte das BSG. Bei einem Wegeunfall müsse sich eine „Wegegefahr“, wie beispielsweise ein Stolpern, realisiert haben. Beim einfachen Umfallen aus dem Stand ergebe sich aber kein Bezug zu einer solchen „Wegegefahr“, so der 2. BSG-Senat.

juragentur

Schlagworte Unfall | Wegeunfall | Unfallversicherung | Urteil | BSG | Bundessozialgericht

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