Sozialverband VdK Deutschland e.V.
11. September 2014
Gesundheit

Aktiv leben trotz Rheuma

Fortschritte in der Therapie verbessern Lebensqualität

Jeder Vierte leidet in Deutschland an rheumatischen Erkrankungen. Entzündliches Gelenkrheuma, Arthrose oder Gicht sind nur drei von mehr als hundert Krankheitsbildern, die bis heute größtenteils unheilbar sind.

Aktiv gegen Rheuma mit Bewegung und Sport - auch im Alter | © Deutsche Rheuma Liga

Wie Rheumatologen chronische Schmerzen und Entzündungen sowie damit verbundene Frühverentungen und Arbeitsausfälle verhindern wollen, diskutieren Experten im Rahmen des 42. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) vom 17. bis 20. September in Düsseldorf.

Unterschiede in der Behandlung zwischen Männern und Frauen und der Schritt von Jugendlichen mit Rheuma zur Erwachsenenmedizin sind ebenfalls Themen der mit mehr als 1400 Mitgliedern bundesweit größten medizinischen Fachgesellschaft im Bereich Rheumatologie.

Raus aus der Opferrolle

Die Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga, Prof. Erika Gromnica-Ihle, berichtete auf der Vorab-Pressekonferenz in Berlin über erste Erfahrungen mit dem Selbstmanagement-Programm „Herausforderung Rheuma – nimm dein Leben in die Hand!“ In Kursen erhalten Betroffene Informationen über ihre Erkrankung und tauschen sich in der Gruppe aus. „Sie erfahren auch, wie man sich auf ein Gespräch beim Arzt vorbereitet und gezielt nachfragt, wenn man etwas nicht verstanden hat“, so die Präsidentin. Die Rückmeldungen auf den ersten Kurs mit elf Teilnehmern zwischen 50 und 73 Jahren seien sehr positiv. „Heraus aus der Opferrolle, hin zum Rheuma-Manager: Das will die Rheuma-Liga mit ihrem neuen Angebot erreichen, das in den nächsten Jahren bundesweit etabliert werden soll.“

Dazu gehöre auch die Patienteninformation. Es gebe Betroffene, die nach 20 Jahren Krankheit nicht wüssten, ob sie an einer Arthrose oder einer rheumatoiden Arthritis litten. Hier sei die Ärzteschaft in gleicher Weise gefordert wie die Patientenselbsthilfe, für bessere Kommunikation und Aufklärung zu sorgen.


VdK-TV: Rheuma - Das uralte Leiden

Vom 'fließenden Schmerz' sprach man schon im antiken Griechenland, das chronische Leiden Rheuma gibt es bis heute - und es lässt sich noch immer nicht heilen.

Rheuma und Arbeit

Am Arbeitsplatz verbergen die meisten Patienten mit entzündlichem Gelenkrheuma ihre chronische Krankheit. Um ihnen die Angst vor Diskriminierung zu nehmen, fordern Experten eine Abkehr vom klassischen Bild des Rheuma-Patienten. Trotz erheblicher Fortschritte, die auf früheren Diagnosen, besseren Therapien und gesünderer Lebensführung basieren, geben laut DGRh noch rund zwei Drittel der Rheumatiker eine verminderte Lebensqualität an.

„Menschen mit Rheuma sind mehr als doppelt so häufig mit ihrer Arbeitssituation unzufrieden wie Menschen ohne Rheuma“, sagte DGRh-Präsident Prof. Matthias Schneider auf der Pressekonferenz. „Und mehr als dreimal so viele fühlen sich für ihre Leistung nicht ausreichend anerkannt“, so der Rheumatologe. Das öffentliche Bild des Rheuma-Patienten sei immer noch geprägt von einer mehr oder weniger starken Behinderung. Das habe mit der Wirklichkeit nicht mehr viel gemein. Es führe aber dazu, dass die meisten Menschen mit Rheuma am Arbeitsplatz Angst vor Diskriminierung hätten. Das könne laut einer Studie nicht nur ein eingeschränktes Selbstwertgefühl zur Folge haben, sondern auch die eigentliche Krankheit verschlimmern.

Neues Image für Rheuma

Prof. Schneider forderte, der Krankheit ein neues und zeitgemäßes Image zu geben, ähnlich dem vom zu hohen Blutdruck. „Gut eingestellt, verlieren die Betroffenen kaum an Lebensqualität.“ Eine wichtige Rolle komme dabei der Bewegung zu. Viele Betroffene zögen sich aufgrund der Schmerzen und Leiden zurück und nähmen nicht mehr aktiv am Alltag teil, vermieden Sport und gingen früh in Rente. Diese Isolation gefährde Geist und Körper. Sport kann dem entgegenwirken. Laut einer Studie reduziere sich dadurch auch die Dauer und Anzahl der Klinikaufenthalte.

Auch nach rheumachirurgischen Operationen, zum Beispiel einem künstlichen Gelenkersatz, können und sollen Betroffene Sport treiben. Dieser verbessere sogar den Erfolg der Operation, da ein gezielter Muskelaufbau die schmerzenden Gelenke stütze und die Endoprothese entlaste, sagte Dr. Christine Seyfert, Tagungspräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh).

Rheuma bei Kindern

Etwa jedes 500. Kind erkrankt an Rheuma. Gelenkrheuma (juvenile idiopathische Arthritis) ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Die Ursachen der Gelenkentzündung sind unbekannt.

Kinderrheumatologin Dr. Kirsten Minden von der Universitäts-Kinderklinik der Charité Berlin empfiehlt Eltern, auf Bewegungsauffälligkeiten und Gelenkschwellungen zu achten. Halten diese über sechs bis acht Wochen an, sollte das Kind so früh wie möglich in einer Kinderrheumaambulanz vorgestellt werden. Es gibt derweil bundesweit 60 Ambulanzen (www.rheumakids.de). „Je früher die Patienten kommen, desto häufiger kommt die Erkrankung bereits im ersten Jahr der kinderrheumatologischen Versorgung zum Stillstand“, so Dr. Minden auf der Pressekonferenz.

Gicht

In Deutschland leiden laut Dr. Rieke H. E. Alten, Chefärztin der Abteilung Innere Medizin II/Rheumatologie an der Schlosspark Klinik Berlin, derzeit mehr als zwei Prozent der Bevölkerung an der Stoffwechselerkrankung, vor allem Männer. Gicht sei damit die häufigste rheumatologische Erkrankung und doppelt so häufig wie rheumatoide Arthritis mit rund 540.000 Betroffenen.

Gicht wird durch eine Störung des Harnstoffwechsels verursacht, die schmerzhafte Entzündungen und die Zerstörung von Gelenken zur Folge hat. Auslöser ist meist eine falsche Ernährung. Die Erkrankung trete immer häufiger zusammen mit Herz- oder Nierenerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 oder Übergewicht auf, so die Medizinerin. Die Diätempfehlungen hätten sich allerdings in den vergangenen Jahren geändert und auch aktuelle Therapieoptionen mit Bildgebungsverfahren und neuen Medikamenten sollten stärker in der Praxis bedacht werden, sagte die Rheumatologin auf der Pressekonferenz. Vorsorglich sollte auf den Harnsäurespiegel geachtet werden, Übergewicht vermieden und Bewegung nicht vernachlässigt werden.

Termin

Für Patienten, Angehörige und Interessierte bietet die Deutsche Rheumaliga einen Patiententag am Samstag, den 20. September im Congress Center Düsseldorf an.

Info

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e. V., Köpenicker Straße 48/49, 10117 Berlin, Telefon (0 30) 24 04 84-72, Fax (0 30) 24 04 84-79, barbara.gundelach@dgrh.de , www.dgrh.de

Deutsche Rheuma-Liga, Bundesverband e. V., Sekretariat, Maximilianstraße 14, 53111 Bonn, Telefon (02 28) 7 66 06-0, Fax (02 28) 7 66 06 20, www.rheuma-liga.de

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Schlagworte Rheuma | Schmerzen | Entzündung | Arthritis | Rheumatologie | Patienten | Patiententag | Selbstmanagement

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