Sozialverband VdK Deutschland e.V.
Behinderung

Der Schwerbehindertenausweis

Teil 2 des Artikels: Muss man als schwerbehinderter Mensch den Ausweis haben? Welche Nachteilsausgleiche gibt es? Was ist der Unterschied zwischen dem grünen und dem grün-orangenen Ausweis?

© Brigitte Bohnhorst - Fotolia.com

Muss man einen Schwerbehindertenausweis haben, wenn man schwerbehindert ist?

Nein - man kann einen Schwerbehindertenausweis beantragen, man muss aber nicht. Für die Inanspruchnahme von Nachteilsausgleichen ist der Ausweis als Nachweis jedoch erforderlich. So benötigen zum Beispiel Menschen mit erheblicher Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit, die die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos nutzen möchten, einen Schwerbehindertenausweis.

VdK-Tipp: Der Nachweis des Schwerbehindertenstatus beim Arbeitgeber sollte immer nur mit dem Schwerbehindertenausweis erfolgen und nicht durch den Bescheid des Versorgungsamtes. Im Feststellungsbescheid sind nämlich die Erkrankungen und Behinderungen genau aufgelistet. Im Schwerbehindertenausweis sind lediglich der Grad der Behinderung sowie eventuell zuerkannte Merkzeichen eingetragen.

Welche Nachteilsausgleiche kann man mit dem Schwerbehindertenausweis in Anspruch nehmen?

Es gibt gesetzlich geregelte Nachteilsausgleiche für (schwer-)behinderte Menschen in zahlreichen Bereichen, zum Beispiel Steuererleichterungen, Mobilitätshilfen oder Leistungen und Nachteilsausgleiche im Berufs- und Arbeitsleben. Allerdings kann nicht jeder schwerbehinderte Mensch automatisch jeden einzelnen Nachteilausgleich in Anspruch nehmen. Viele Nachteilsausgleiche sind an die Höhe des GdB, die Art der Behinderung oder die Zuteilung bestimmter Merkzeichen gebunden.

Da die Nachteilsausgleiche sehr umfangreich sind, verzichten wir darauf, sie an dieser Stelle alle aufzulisten. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) bietet zum Thema eine ausgezeichnete Broschüre an, die auf der LVR-Website kostenlos heruntergeladen werden kann:


Speziell zum Thema "Der besondere Kündigungsschutz für schwerbehinderte Menschen" gibt es beim LVR ebenfalls eine kostenlose Broschüre zum Herunterladen:


Neben den gesetzlich festgelegten Nachteilsausgleichen gibt es auch Vergünstigungen auf freiwilliger Basis, für die der Ausweis als Nachweis vorgelegt werden muss. Zahlreiche Freizeiteinrichtungen und kulturelle Institutionen (zum Beispiel Museen, Schwimmbäder, Kinos) bieten solche Ermäßigungen für Menschen mit (Schwer-)Behinderung an, die erst bei Vorlage eines entsprechenden Ausweises gewährt werden. Auf freiwillige Ermäßigungen besteht kein rechtlicher Anspruch.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen dem grünen und dem grün-orangenen Ausweis?

Den Ausweis in grüner Farbe können schwerbehinderte Menschen erhalten, also alle, die einen Grad der Behinderung von mindestens 50 nachweisen können.

Den grün-orangenen Ausweis (manchmal auch "Freifahrtausweis" genannt) erhalten schwerbehinderte Menschen, bei denen eine erhebliche Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr vorliegt. Sie haben das Recht auf unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Personenverkehr. Dazu müssen aber bestimmte Merkzeichen vorliegen: G (gehbehindert), Bl (blind), aG (außergewöhnlich gehbehindert), H (hilflos), Gl (gehörlos), VB/EB (Versorgungsberechtigte unter bestimmten Umständen).

Umgekehrt bedeutet dies: Schwerbehinderte Menschen, die keine solche Beeinträchtigung und kein entsprechendes Merkzeichen haben, haben trotz ihrer Schwerbehinderung keinen Anspruch auf die kostenlose Nutzung der Verkehrsmittel.

"Unentgeltliche" Beförderung? - Nicht ganz!

Wenn eine erhebliche Beeinträchtigung im Straßenverkehr vorliegt, hat man als schwerbehinderte Person Anspruch auf unentgeltliche Beförderung im Personenverkehr. Ganz kostenlos ist die Beförderung im Grunde aber nicht für alle: Beim Versorgungsamt muss man zunächst eine Wertmarke für die "Freifahrt" kaufen, es gibt also eine Eigenbeteiligung. Die Wertmarke kostet in der Regel für ein halbes Jahr 40 Euro, für ein ganzes Jahr 80 Euro. Für jemanden, der nur selten im Jahr einmal Bus oder Bahn fährt, lohnt sich die Wertmarke also nicht unbedingt.

Einige Personengruppen bekommen die Wertmarke auf Antrag tatsächlich kostenlos, dies sind unter anderem Personen, die "H" (hilflos) oder "Bl" (blind) in ihrem Ausweis vermerkt haben. Auch Empfänger von Leistungen nach dem SGB II, zum Beispiel ALG-II-Empfänger, können die Wertmarke kostenlos erhalten. Fragen Sie bitte dazu bei Ihrem Versorgungsamt nach!

Lesen Sie weiter in Teil 3: Der Schwerbehindertenausweis - Merkzeichen

Schlagworte GdB | Grad der Behinderung | Schwerbehinderung | Schwerbehindertenausweis | Nachteilsausgleiche | Schwerbehindertenstatus | Teilhabe | Merkzeichen | Leistungen | Steuern | Nachweis | Arbeitgeber | Mobilität | Beruf | Arbeitsleben

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