11. Oktober 2018
Themen

Mehr Reha, weniger Pflege: Ältere brauchen spezielle Förderung

Alter und Krankheit sind zwar nicht zwangsläufig miteinander verknüpft, aber bestimmte Krankheiten treten gehäuft auf, je älter man wird. Zudem steigt die Zahl der Patienten, die sich bei Stürzen und Unfällen verletzen. Wenn diese Menschen nach der Akutversorgung im Krankenhaus eine geriatrische Reha bekommen, wächst die Chance, nicht zu einem Pflegefall zu werden.

Ältere Menschen profitieren besonders von Reha-Maßnahmen. | © imago/Westend61

In Deutschland gibt es derzeit noch zwei Modelle. Während in etwa einem Drittel der Bundesländer Patienten nach der alterstraumatologischen Akutversorgung im Krankenhaus meist direkt nach Hause entlassen werden, ist in den übrigen Bundesländern noch eine Versorgungsstufe dazwischengeschaltet: die geriatrische Rehabilitation. „Wir haben herausgefunden, dass es in Bundesländern mit Reha-Klinik 20 Prozent weniger Pflegeheim-Einweisungen gibt als dort, wo direkt aus der Akutabteilung entlassen wird“, so Professor Clemens Becker vom Interdisziplinären Zentrum für Alterstraumatologie des Robert-Bosch-Krankenhauses in Stuttgart.

Gesetzlicher Anspruch auf geriatrische Reha

Braucht ein Patient eine Rehabilitation und erhält eine positive Prognose, besteht ein gesetzlicher Anspruch auf eine geriatrische oder indikationsspezifische medizinische Reha. Die Frührehabilitation im Krankenhaus ersetzt den Reha-Anspruch dabei nicht.

Der Grundsatz „Rehabilitation vor Pflege“ ist aus Sicht des Sozialverbands VdK zwar in zahlreichen Leistungsgesetzen geregelt, wird aber nur unzureichend umgesetzt. Viele Reha-Anträge werden von den Krankenkassen abgelehnt. „Ältere, die meist ein Leben lang ihrer Krankenkasse treu geblieben sind, fühlen sich diskriminiert“, so der Bundesgeschäftsführer des VdK Deutschland, Jens Kaffenberger.

Eine Ursache für die restriktive Bewilligungspraxis der Krankenkassen sind die Schnittstellenprobleme zwischen Kranken- und Pflegekassen. Während die Kosten für die Reha-Maßnahmen für Ältere die Krankenkassen tragen müssen, kommen die Einsparungen überwiegend den Pflegekassen zugute. „Wir fordern die Politik auf, diese Fehlanreize zu beseitigen“, so Kaffenberger.

Ein Lösungsansatz ist aus VdK-Sicht, die Pflegeversicherung zum Reha-Träger zu machen und die Pflegekasse bei der Rehabilitation vor und bei der Pflege hälftig an den Kosten zu beteiligen. Außerdem muss das Antrags- und Genehmigungsverfahren für die Patienten abgeschafft werden, bei denen der Reha-Bedarf aus medizinischer Sicht von vornherein gegeben ist.

Stationäre Einrichtungen mit Akutpflege für ältere Menschen

Große Bedeutung kommt laut Professor Becker einer angemessenen Ausstattung der Krankenhäuser zu. Alle stationären Einrichtungen sollten eine Akutpflege für ältere Menschen, eine Delir-Intensivstation, eine geriatrische Notfallabteilung und eine geronto-unfallchirurgische Einheit besitzen. Ebenso müssen bestimmte geriatrische Syndrome, wie zum Beispiel Gebrechlichkeit, Muskelabbau und Mangelernährung, frühzeitig erkannt und gezielt behandelt werden können.

Lesen und sehen Sie mehr:

Gesundheit
Eine Frau schwimmt in einem Schwimmbecken.
Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. Wie beantragt man eine Reha? | weiter
17.11.2017 | ikl
Gesundheit
Ein Reha-Zentrum. Im Hintergrund schiebt jemand einen Patienten, der im Rollstuhl sitzt.
Die Kasse bewilligt die Rehabilitations-Maßnahme, aber der Patient tritt sie nicht an oder bricht den Aufenthalt in der Reha-Klinik ab. Was sind die Folgen? | weiter
17.11.2017 | sko

VdK-TV: Entlassungsmanagement - wie es nach dem Krankenhaus weitergeht

Wird man aus dem Krankenhaus entlassen, stellt sich oft die Frage, wie es Zuhause mit der Versorgung weitergehen soll. Dafür gibt es in Deutschland das sogenannte "Krankenhaus-Entlassungsmanagement": Damit sollen bisherige Versorgungslücken beim Übergang vom Krankenhaus nach Hause oder in die Kurzzeitpflege geschlossen werden.

ikl

Schlagworte Reha | Geriatrie | Altenpflege | gesetzliche Krankenkassen | Krankenhaus | Senioren

Themen
VdK-Delegierte bei der Abstimmung - sie halten rote Stimmkarten hoch.
Was denkt der VdK über Rente, Pflege, Behinderung und anderen sozialpolitischen Themen? Hier finden Sie unsere Grundpositionen und unsere Stellungnahmen zu aktuellen Gesetzesvorhaben. | weiter
18.07.2018
Mitgliedschaft
Eine Gruppe von Menschen - Männer und Frauen, Jung und Alt, mit und ohne Behinderung - bildet Arm in Arm eine Kette.
Es gibt viele gute Gründe für eine Mitgliedschaft im VdK - dem mit fast 2 Millionen Mitgliedern größten Sozialverband Deutschlands. | weiter
Presse
Symbolfoto: Ein Briefumschlag mit einem großen @-Zeichen darin.
Abonnieren Sie unsere Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht. Journalisten könnnen sich hier für unseren Pressenewsletter eintragen. | weiter