25. Mai 2018
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Kosten für den Nahverkehr: Essen oder Bus fahren?

Wollen Menschen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, müssen sie mobil sein. Doch wer arm ist, hat oft nicht das nötige Geld, um sich ein Ticket für den Bus oder den Zug zu kaufen. Das will der Sozialverband VdK ändern. Der Verband setzt sich in verschiedenen Bundesländern für ein Sozialticket und einen bezahlbaren Nahverkehr ein, damit arme Menschen günstig Bus und Bahn fahren können.

Öffentlicher Nahverkehr: Alle Menschen sollten ihn günstig nutzen können. | © imago/Cord

In Rheinland-Pfalz hat sich der VdK-Landesverband mit 13 weiteren Verbänden, Organisationen und Initiativen zusammengeschlossen und das Bündnis „Mobilität für alle!“ gegründet. Gemeinsam kämpfen sie dafür, dass sozial benachteiligte Menschen am Leben teilhaben können. „Das kann ein Besuch bei Freunden im Nachbardorf oder der Weg zur Post sein“, sagt VdK-Landesvorsitzender Willi Jäger. „Auch um ein Ehrenamt auszuüben, muss man meist mobil sein.“ Doch Menschen mit geringem Einkommen haben für solche Fahrten häufig kein Geld übrig, weil auch Einkäufe und Arzttermine erledigt werden müssen.

Menschen, die Grundsicherung erhalten stehen monatlich 27,85 Euro für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zur Verfügung. So hoch ist der sogenannte „Regelbedarf der Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts“ in der Regelbedarfsstufe 1; bei den übrigen Stufen ist der Betrag noch niedriger. „27,85 Euro – das sind gerade einmal fünf Hin- und Rückfahrten mit dem Zug von Worms nach Frankenthal“, rechnet Jäger vor. In Mainz kostet das Sozialticket mehr als 60 Euro. Nicht einmal ein halbes Monatsticket kann man sich dort vom Regelbedarfsanteil leisten.

VdK in NRW: Einsatz für das Sozialticket erfolgreich

Wer sich das Ticket dennoch kauft, muss das Geld anderswo einsparen. Die Folge: Menschen mit geringem Einkommen müssen wählen: essen oder Bus fahren. Das Bündnis „Mobilität für alle!“ fordert deshalb die Landesregierung auf, eine einheitliche und bezahlbare Mobilität im ÖPNV zu schaffen. „Damit könnte das Land einen ganz konkreten, wirksamen Beitrag zur Bekämpfung von Armut leisten“, so Jäger.

Auch in Sachsen ist das Problem bekannt. Der VdK-Landesverband fordert seit Langem, den ÖPNV kostengünstiger zu gestalten. „Mobilität ist ein Teil der Daseinsvorsorge. Aus diesem Grund müssen sich sowohl Bund und Land als auch die Kommunen an der Finanzierung eines Sozialtickets beteiligen“, so der VdK Sachsen.

In Nordrhein-Westfalen hat sich der VdK zusammen mit weiteren Verbänden vehement für den Erhalt des Sozialtickets für Bedürftige eingesetzt. Mit Erfolg: Die Landesregierung hat nun entschieden, das verbilligte Ticket auch weiterhin zu bezuschussen. Ursprünglich war geplant, die Förderung stufenweise zu kürzen und 2020 ganz zu streichen.

Im Saarland steht vor allem die Barrierefreiheit der Nahverkehrsangebote im Mittelpunkt. So ist der VdK-Landesverband auch am Projekt „mobisaar“ beteiligt, das sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen bis ins hohe Alter in ihrer selbstständigen Mobilität zu unterstützen.

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ali

Schlagworte Grundsicherung | Mobilität | Bahn | Bus | Nahverkehr

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