18. Juli 2019
VdK-Zeitung

VdK-Mitglieder erinnern sich an die Mondlandung am 20. Juli 1969

Manche Ereignisse bleiben zeitlebens unvergessen. Dazu zählt zweifelsohne auch die Mondlandung, die sich am 20. Juli zum 50. Mal jährt. Viele VdK-Mitglieder, die damals Kinder und Jugendliche waren, haben uns ihre Erinnerungen geschrieben. Hier eine Auswahl der unterschiedlichen Geschichten, die aus einer Zeit stammen, als noch nicht jede Familie einen Fernseher besaß.

Ein großer Schritt für die Menschheit! Das berühmte Foto wurde von Neil Armstrong gemacht, dessen Spiegelung man im Visier von Edwin "Buzz" Aldrin erkennen kann. | © WikiImages/pixabay.de

Am 20. Juli 1969, um 21.17 Uhr deutscher Zeit setzt die Landefähre „Eagle“ mit den Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond auf. Einige Stunden nach der Landung – am 21. Juli 1969 um 3.56 Uhr deutscher Zeit – betritt Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Gebannt beobachten alle, die ein TV-Gerät besitzen, wie eine Gestalt im weißen Raumanzug die Landefähre „Eagle“ verlässt. Astronaut Neil Armstrong hinterlässt den berühmtesten Fußabdruck der Geschichte. Während ihm weltweit eine halbe Milliarde Menschen am Fernseher zusehen, tut er die Schritte, die für ihn so klein und für die Menschheit so gigantisch sind.

„Raus aus dem Bett! Die landen auf dem Mond!“

„Ganz schnell raus aus dem Bett! Die landen auf dem Mond!“ Mit diesen Worten wurde Frank Steinhauser aus Saarlouis von seinem Großvater geweckt. „Fast alle Nachbarn aus unserer Straße saßen vor dem Fernseher meiner Großeltern. Es herrschte eine angespannte Ruhe“, erinnert sich das VdK-Mitglied, das damals sieben Jahre alt war. In dieser Nacht wurde sein Interesse an der Raumfahrt geweckt.

Auch Elisabeth Kirfel hat die Mondlandung gemeinsam mit ihrem Urgroßvater im Fernsehen verfolgt. Nachts fernsehen zu dürfen, war für die meisten Kinder damals schon ein ganz besonderes Ereignis. Auch Helmut Voß aus Nordrhein-Westfalen durfte in dieser Nacht aufbleiben. Die Hälfte aller Fernsehsender weltweit waren zugeschaltet. In Deutschland übertrugen ARD und ZDF, und das Radio sendete live.

Spannender als jeder Krimi

„Es war so spannend. Da kann bislang kein Krimi mithalten“, sagt Cornelia Graf aus Weiden in Bayern. Das Ereignis habe sie als Elfjährige damals so beeindruckt, dass sie ihr erstes Referat in der Schule dazu gehalten hat.

Die Eltern von Andrea Kremer hatten sich im Sommer 1969 einen Fernseher angeschafft. „Am Tag der Mondlandung bekam ich ein Meerschweinchen, das ich Mäxle nannte. Unglücklicherweise fiel Mäxle von meinem Arm die Treppe hinunter. Mäxle durfte dann die Mondlandung mit anschauen“, erinnert sich das VdK-Mitglied aus Ammerdorf in Bayern. „Wie Armstrong schwebte. Wie löchrig der Mond aussah“, schreibt Christa Klein aus Andernach in Rheinland-Pfalz, die als 14-Jährige fasziniert war von den Bildern vom Mond.

Briefe an Neil Armstrong

Klaus Häusler schrieb als 15-Jähriger an Neil Armstrong und bekam Antwort. | © privat

Eine besonders spannende Geschichte hat Klaus Häusler aus München zu berichten. Denn er hat Neil Armstrong geschrieben und bekam vor und nach der Mondlandung eine Antwort vom amerikanischen Astronauten. „Mein Englisch war sehr schlecht, deshalb habe ich damals Briefe geschrieben, um mich zu verbessern“, erinnert sich der heute 65-Jährige. Seine Bitte an Neil Armstrong: ein Abzeichen von der Nasa. „Herr Armstrong hat mir geschrieben, dass dieses Abzeichen nur NASA-Angestellte bekommen“, so Klaus Häusler. Ein Jahr später traf er den ersten Mann auf dem Mond sogar persönlich. „Bei einer Ferienaktion für Münchner Schulkinder gab es eine Veranstaltung in Oberpfaffenhofen, bei der Neil Armstrong Ehrengast war“, so der Münchner.

Viele Kinder und Jugendliche waren fasziniert von der Mondlandung und der Technik und wollten Astronaut werden. „Wochenlang haben wir die Schwerelosigkeit nachgespielt“, schreibt Erika Temesinko aus Holzkirchen in Bayern. Auf den Wiesen seien damals viele kleine Astronauten unterwegs gewesen.

Mondlandung als Wegweise für die Berufswahl

Für Peter Schumacher wurde mit der Mondlandung das Interesse für das Thema Raumfahrt geweckt. Er arbeitet heute im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und testet Raumfahrtantriebe. Auch für Peter Flögel aus Berg-Bachhausen war das Ereignis am 20. Juli 1969 wegweisend für seine Berufswahl. Schon als Kind begeisterten ihn die Abenteuer der Helden aus den Comic-Heften „Fulgor der Weltraumflieger“. Viele Jahre später machte Peter Flögel seinen Traum wahr. Das VdK-Mitglied war als Qualitätssicherungsingenieur in der Raumfahrt tätig und verantwortlich für Bauteile der ersten Stufe der Europarakete Ariane. Mitte der 1980er-Jahre besichtigte Peter Flögel die riesige Saturn V-Rakete, die das Apollo-Raumschiff zum Mond beförderte.

Am 20. Juli dieses Jahres wird bei Familie Hartinger in München vielleicht mal wieder im Gästebuch geblättert. Der erste Eintrag stammt nämlich vom 20. Juli 1969. „Meine Schwiegermutter hatte die Idee, Gästeunterschriften zu sticken. Dazu stickte sie mit einem silbernen Faden noch einen zunehmenden Halbmond“, schreibt Kurt Hartinger.

Ein besonderes Zeitdokument hat sich auch Peter Faust aus Traunstein in Bayern bewahrt. Mit seinem Tonbandgerät hat er die Mondlandung in voller Länge aufgenommen. „Die Kassetten hüte ich wie meinen Augapfel und habe sie seitdem immer mal wieder angehört“, sagt der 72-Jährige. Karl Ripfel kann von der Mondlandung sogar in Allgäuer Mundart berichten und hat dazu einen Text verfasst.

Ein Ereignis, das verbindet

Für manche Zeitzeugen ist die Mondlandung auch mit Erinnerungen an bestimmte Erlebnisse im Leben verbunden. Renate Hille aus Dreieich in Hessen hat im August 1969 zum ersten Mal ihre Brieffreundin Donna in den USA besucht. Beide kannten sich seit 1948 und haben sich regelmäßig geschrieben. „Zum Abschied bekam ich ein Armband mit vielen bunten Anhängern. Auf einem ist die Mondfähre abgebildet“, schreibt das VdK-Mitglied.

Luise Brandt war im Juli 1969 mit einer evangelischen Jugendgruppe in Griechenland unterwegs. „Die Mondlandung haben wir gemeinsam mit Griechen auf einem Dorfplatz verfolgt. Das Ereignis wurde damals schon auf einer großen Leinwand gezeigt.“ Public Viewing gab es also auch schon 1969. Im Italienurlaub verfolgte Anna Maria Schmitz die Mondlandung. Der Besitzer der Ferienanlage hatte Gäste in sein Wohnzimmer eingeladen. Ganz anders hat Dorothea Schäfer die Mondlandung erlebt. „Ich saß im Kirschbaum der Nachbarn und habe zusammen mit meiner Freundin Kirschen geklaut. Wir konnten sicher sein, dass uns niemand erwischt, weil alle Nachbarn vor dem Fernseher saßen“, schreibt die Frau aus Rheinland-Pfalz.

Einige VdK-Mitglieder waren damals bereits den Kinderschuhen entwachsen. Liane Graf hatte als Krankenschwesterschülerin Nachtdienst in einem Kölner Krankenhaus. Sie verfolgte die Mondlandung auf einem kleinen, tragbaren Fernseher im Zimmer eines Privatpatienten. Peter Ditter hatte am 1. Juli 1969 seine Grundausbildung bei der Bundeswehr begonnen und ab 22 Uhr Bettruhe. Er erfuhr erst am nächsten Morgen von der Mondlandung. Uwe Kammerzähl diente zu der Zeit bei der Nationalen Volksarmee auf einem Flugplatz in Cottbus. Heimlich wurde West-Fernsehen geschaut. Doch an diesem Abend nicht. „Ein Pilot lud uns ein, die Mondlandung gemeinsam anzuschauen“, schreibt der Mann.

Ehrfurcht vor dem Planeten

Anneliese Holderbach aus dem Odenwald arbeitete bei der Polizei. „Der Fernseher gab den Geist auf, und ich schaute in die Röhre“, schreibt sie. Wenn Monique Stryczynski an die Mondlandung denkt, werden nicht nur Kindheitserinnerungen wach, sondern auch ein Wunsch: „Wir müssen Ehrfurcht vor unserem Planeten haben“, sagt sie.


Die Mondlandung ist übrigens auch Thema im Spot zu unserer Kampagne "Weg mit den Barrieren!":

"Weg mit den Barrieren!" - Spot zur VdK-Kampagne (UT)

Der Spot zur Kampagne "Weg mit den Barrieren", mit der sich der Sozialverband VdK für ein barrierefreies Deutschland stark macht.

ikl

Schlagworte Mond | Mondlandung | Neil Armstrong | Erinnerungen

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