24. Februar 2016
VdK-Zeitung

So hilft der VdK: Sozialverband VdK verhilft blinder Frau zu Recht

Krankenkasse muss Blindenlangstock und entsprechende Schulung zahlen

Doris Bieber aus Bad Homburg in Hessen lebt mit einer seltenen Erkrankung. Wegen einer Lähmung der Augenlidmuskulatur (Blepharospasmus) ist sie funktionell blind, das heißt, sie kann zeitweise nicht sehen. Dies wollte ihre Krankenkasse jedoch nicht anerkennen und verweigerte der 73-Jährigen einen Blindenlangstock und die entsprechende Schulung für den Umgang mit dem Hilfsmittel. Erst als sie den VdK Hessen-Thüringen einschaltete und die Klage am Sozialgericht eröffnet wurde, lenkte die Krankenkasse ein.

Der Blindenlangstock (Symbolfoto) gibt Doris Bieber mehr Sicherheit und Mobilität im Alltag. | © Imago/Geisser

Beim Überqueren einer Kreuzung, beim Einkaufen oder im Restaurant – Doris Bieber kann es jederzeit und überall passieren, dass ihre Augenlidmuskulatur verkrampft und sie die Augen nicht mehr öffnen kann. Seit sechs Jahren lebt die Bad Homburgerin mit der Erkrankung, die als selten gilt und für die es keine Heilung gibt.

Ständige Unsicherheit

„Weil ich nicht weiß, wann es wieder passiert, fühle ich mich sehr unsicher und kann deshalb nie allein die Wohnung verlassen“, berichtet das VdK-Mitglied. Deshalb beantragte sie bei ihrer Krankenkasse einen Blindenlangstock und eine Schulung für den Umgang mit diesem Hilfsmittel.

Doch die Krankenkasse lehnte dies ab. Sie zweifelte an, dass Doris Bieber funktionell blind ist. Als blind gilt ein Mensch im Sinne des Gesetzgebers nicht nur dann, wenn ihm das Augenlicht vollständig fehlt, sondern auch – wie im Fall von Doris Bieber – wenn andere, besonders gravierende Störungen des Sehvermögens von einem solchen Schweregrad vorliegen, dass sie dieser Beeinträchtigung gleichzustellen sind.

„Die Argumentation der Krankenkasse empfinde ich einfach nur als menschenverachtend und zynisch. Ein Sachbearbeiter entscheidet über mich wie über einen Gegenstand“, ärgert sich die 73-Jährige. Für sie stand fest: „Das lasse ich mir nicht gefallen.“ Doris Bieber wandte sich an den VdK in Frankfurt, der gegen den Bescheid der Krankenkasse Widerspruch einlegte. Als auch dieser ohne Erfolg blieb, wurde das Klageverfahren vor dem Sozialgericht in Frankfurt eröffnet.

Gutachten stützt VdK

Das dann in Auftrag gegebene augenärztliche Gutachten stützte die Auffassung des VdK. Es wurde festgestellt, dass Doris Bieber besonders in hellen Räumen und beim Bewegen außer Haus unter Einwirkung von Sonne und Wind urplötzlich Lidkrämpfe erleidet, die oft mehrere Minuten anhalten. Weiter heißt es in dem Gutachten: „Während dieser Zeit ist die Patientin als funktionell blind zu werten.“ Der Gutachter sah deshalb den Blindenlangstock als zweckmäßig und notwendig an, weil er Doris Bieber zu einer neuen Selbstständigkeit verhelfen kann.

Mobilität verbessert

Diese Prognose ist für das VdK-Mitglied aus Bad Homburg auch eingetroffen. „Der Stock ist mir eine große Hilfe. Er gibt mir Sicherheit im doppelten Sinn“, sagt die 73-Jährige. Zum einen traue sie es sich jetzt zu, einen Weg auch ohne die Begleitung ihres Mannes zu erledigen. Zum anderen signalisiere der Stock anderen Menschen: „Hier kommt ein Mensch, der blind ist.“ Doris Bieber möchte auch anderen Mut machen, nicht aufzugeben. „Es hat zwar vier Jahre gedauert, bis ich zu meinem Recht gekommen bin, aber es hat sich gelohnt“, sagt die Hessin. Ohne den VdK, räumt sie ein, hätte sie es vermutlich nicht geschafft. Es sei wichtig, einen starken und kompetenten Partner an der Seite zu haben, der nicht aufgibt.

Mehr Fälle aus unserer Reihe "So hilft der VdK":

VdK-Zeitung
Symbolfoto: Eine Statue der Justitia
In unserer beliebten Serie "So hilft der VdK" berichten wir in der VdK-Zeitung regelmäßig über echte Fälle aus der Sozialrechtsberatung unserer VdK-Landesverbände. | weiter
19.09.2016

ikl

Schlagworte blind | sehbehindert | So hilft der VdK | Rechtsberatung | Blindenlangstock | Hilfsmittel | Krankenkasse | Blepharospasmus

Aktuelle Artikel im Oktober 2016:

VdK-Zeitung
Symbolfoto: Rentnerfigürchen und das Wort "Flexirente" aus Buchstabenwürfeln, dahinter ein Maßband mit Zahlen
Und wieder gibt es ein gut klingendes Wort in der Rentenpolitik: die "Flexi-Rente". Nach der "Lebensleistungsrente" legt die Bundesregierung damit ein weiteres Konzept auf den Tisch, das nach Meinung des Sozialverbands VdK den realen Bedingungen des Älterwerdens in Deutschland nicht gerecht wird. Der VdK fordert Verbesserungen, damit mehr Menschen gesund und länger arbeiten können.
VdK-Zeitung
Symbolfoto: Jemand tippt auf einer PC-Tastatur auf eine Taste "Jetzt teilnehmen"
Bitte mitmachen: Zwischen dem 4. und dem 28. Oktober 2016 läuft eine Umfrage des Sozialverbands VdK. Die Umfrage soll uns helfen, das Image und die Bekanntheit des Sozialverbands VdK besser einzuschätzen. Mit den Ergebnissen wollen wir noch gezielter unsere Arbeit gestalten, sowohl in der Sozialrechtsberatung und der Ehrenamtsarbeit als auch in der sozialpolitischen Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit.

VdK-Zeitung
Symbolfoto: Angehörige oder Pflegekraft beugt sich über einen Senior im Rollstuhl
Mit dem Pflegestärkungsgesetz II werden Menschen mit demenziellen Erkrankungen ab 2017 stärker berücksichtigt. Die bisherigen Pflegestufen werden durch Pflegegrade abgelöst. Entscheidend bei der Beurteilung von Pflegebedürftigkeit ist, inwieweit der Betroffene in der Lage ist, seinen Alltag selbstständig zu meistern.
VdK-Zeitung
Symbolfoto: Außenansicht des Bundessozialgerichts in Kassel
Die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährige Versicherte mit 63 Jahren gibt es seit zwei Jahren. Für Unmut sorgt eine Gerechtigkeitslücke bei der Anrechnung von Arbeitslosigkeit auf die Wartezeit von 45 Jahren. Der Sozialverband VdK hat daher ein Musterstreitverfahren beim Bundessozialgericht (BSG) in Kassel eingereicht, um in dieser Frage Klarheit zu schaffen.

Hier finden Sie die Artikel aus unserer Reihe "So hilft der VdK":

VdK-Zeitung
Symbolfoto: Eine Statue der Justitia
In unserer beliebten Serie "So hilft der VdK" berichten wir in der VdK-Zeitung regelmäßig über echte Fälle aus der Sozialrechtsberatung unserer VdK-Landesverbände. | weiter
19.09.2016
VdK-Pressemeldung
Foto: Ulrike Mascher bei einer Pressekonferenz
Unsere Pressemitteilungen informieren bundesweit über wichtige Forderungen, Positionen, Ziele und Termine des Sozialverbands VdK.
Presse
Symbolfoto: Eine Kamera filmt die VdK-Präsidentin
Das VdK-Internet-TV ist das Videoportal des Sozialverbands VdK. Unter www.vdktv.de finden Sie mehr als 100 spannende und informative Filmbeiträge rund um die Themen des Verbands, zum Beispiel zu Rente, Pflege, Behinderung, Gesundheit, Leben im Alter, Arbeitsmarkt und viele mehr!
Presse
Symbolfoto: Eine Fotokamera
Journalisten finden hier Hintergrundinformationen und Logos zum VdK Deutschland sowie Pressefotos und eine Vita der VdK-Präsidentin.
VdK-Zeitung
Eine zusammengerollte VdK-Zeitung, Ausgabe Oktober 2016
Die VdK-Zeitung erscheint zehnmal pro Jahr. Mit einer Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren gehört sie zu den größten Mitgliederzeitungen bundesweit. Die überregionalen Artikel der VdK-Zeitung können Sie jeden Monat kostenlos hier lesen.