24. Februar 2016
VdK-Zeitung

Medizinische Reha kann ab April jeder Arzt verordnen

Ab April wird das bisherige zweistufige Antragsverfahren vereinfacht

Die Verordnung von medizinischer Rehabilitation wird in Zukunft deutlich einfacher. Das viel kritisierte zweistufige Antragsverfahren der gesetzlichen Krankenversicherung wird damit abgeschafft. Die Änderungen treten zum 1. April 2016 in Kraft.

© Imago/Jochen Tack

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die entsprechend überarbeitete Reha-Richtlinie beschlossen. Der G-BA, in dem der Sozialverband VdK als Patientenvertretung mit berät, ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Er bestimmt in Form von Richtlinien den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für mehr als 70 Millionen Versicherte und legt damit fest, welche Leistungen der medizinischen Versorgung von der GKV erstattet werden.

Ab April können Ärzte medizinische Rehabilitationsleistungen direkt auf einem Formular verordnen. Bisher mussten sie auf einem extra Formular vor der eigentlichen Verordnung prüfen lassen, ob die gesetzliche Krankenversicherung leistungsrechtlich zuständig ist. Diese Prüfung ist dann nicht mehr vorgeschrieben.
Zudem kann künftig jeder Arzt eine medizinische Reha verordnen. Bisher durften das nur jene Mediziner, die über eine rehabilitationsmedizinische Qualifikation und damit eine extra Genehmigung verfügten. Für Patienten ist dies eine Verbesserung, denn sie können die Reha nun auch von ihrem Hausarzt verordnet bekommen.

„Patienten wünschen sich schon lange einen schnellen und unbürokratischen Zugang zu Rehabilitationsmaßnahmen, vor allem auch aus der ambulanten Versorgung. Daher ist es gut, dass die Rehabilitationsrichtlinie endlich dahingehend überarbeitet wurde“, begrüßt VdK-Präsidentin Ulrike Mascher die Änderung.

Die Vereinfachung im Antragsverfahren sagt jedoch nichts darüber aus, ob die Reha von der Krankenkasse bewilligt wird. Generell gebe es viel zu wenig ambulante, wohnortnahe Reha-Angebote. „Die Krankenkassen stellen die Rehabilitationsfähigkeit gerade älterer Patienten häufig in Frage und lehnen den Reha-Antrag ab“, so die VdK-Präsidentin. In knapp 70 Prozent der Fälle hätten die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) eine Reha-Eignung verneint. Nur etwa jeder fünfte Antrag auf eine Reha wird bewilligt. Bei einer Absage hat man einen Monat Zeit, Widerspruch einzulegen. Der VdK rät, auf jeden Fall auf einen schriftlichen Bescheid zu bestehen und eine mündliche Absage nicht zu akzeptieren. Der Sozialverband VdK ist seinen Mitgliedern behilflich, Widerspruch einzulegen.

Auch die 2007 eingeführte mobile geriatrische Rehabilitation habe immer noch Modellcharakter und komme in der Regelversorgung kaum vor. Der Gesetzgeber sei aufgefordert, der Rehabilitation angesichts des steigenden Lebensalters und der immer längeren Lebensarbeitszeit künftig die Bedeutung zu sichern, die ihr zukomme. Denn Rehabilitation trägt wesentlich dazu bei, drohende Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder wenigstens hinauszuzögern.


Das könnte Sie auch interessieren:

VdK-TV: Geriatrische Rehabilitation

In das geriatrische Zentrum in Neuburg an der Donau kommen sowohl ältere Menschen nach einem Krankenhausaufenthalt (also zur Rehabilitation), als auch vorbeugend.

VdK-TV: Kurantrag abgelehnt? – Widerspruch zweckvoll

Was ist der Unterschied zwischen Kur und Reha? Gibt es die Kur überhaupt noch? Wo stelle ich den Antrag? Und was mache ich, wenn er abgelehnt wird? Diese Fragen beantworten wir in unserem Beitrag.

ikl

Schlagworte Reha | Rehabilitation | Antrag | Hausarzt | zweistufiges Antragsverfahren

Aktuelle Artikel im Oktober 2016:

VdK-Zeitung
Symbolfoto: Rentnerfigürchen und das Wort "Flexirente" aus Buchstabenwürfeln, dahinter ein Maßband mit Zahlen
Und wieder gibt es ein gut klingendes Wort in der Rentenpolitik: die "Flexi-Rente". Nach der "Lebensleistungsrente" legt die Bundesregierung damit ein weiteres Konzept auf den Tisch, das nach Meinung des Sozialverbands VdK den realen Bedingungen des Älterwerdens in Deutschland nicht gerecht wird. Der VdK fordert Verbesserungen, damit mehr Menschen gesund und länger arbeiten können.
VdK-Zeitung
Symbolfoto: Jemand tippt auf einer PC-Tastatur auf eine Taste "Jetzt teilnehmen"
Bitte mitmachen: Zwischen dem 4. und dem 28. Oktober 2016 läuft eine Umfrage des Sozialverbands VdK. Die Umfrage soll uns helfen, das Image und die Bekanntheit des Sozialverbands VdK besser einzuschätzen. Mit den Ergebnissen wollen wir noch gezielter unsere Arbeit gestalten, sowohl in der Sozialrechtsberatung und der Ehrenamtsarbeit als auch in der sozialpolitischen Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit.

VdK-Zeitung
Symbolfoto: Angehörige oder Pflegekraft beugt sich über einen Senior im Rollstuhl
Mit dem Pflegestärkungsgesetz II werden Menschen mit demenziellen Erkrankungen ab 2017 stärker berücksichtigt. Die bisherigen Pflegestufen werden durch Pflegegrade abgelöst. Entscheidend bei der Beurteilung von Pflegebedürftigkeit ist, inwieweit der Betroffene in der Lage ist, seinen Alltag selbstständig zu meistern.
VdK-Zeitung
Symbolfoto: Außenansicht des Bundessozialgerichts in Kassel
Die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährige Versicherte mit 63 Jahren gibt es seit zwei Jahren. Für Unmut sorgt eine Gerechtigkeitslücke bei der Anrechnung von Arbeitslosigkeit auf die Wartezeit von 45 Jahren. Der Sozialverband VdK hat daher ein Musterstreitverfahren beim Bundessozialgericht (BSG) in Kassel eingereicht, um in dieser Frage Klarheit zu schaffen.

Hier finden Sie die Artikel aus unserer Reihe "So hilft der VdK":

VdK-Zeitung
Symbolfoto: Eine Statue der Justitia
In unserer beliebten Serie "So hilft der VdK" berichten wir in der VdK-Zeitung regelmäßig über echte Fälle aus der Sozialrechtsberatung unserer VdK-Landesverbände. | weiter
19.09.2016
VdK-Pressemeldung
Foto: Ulrike Mascher bei einer Pressekonferenz
Unsere Pressemitteilungen informieren bundesweit über wichtige Forderungen, Positionen, Ziele und Termine des Sozialverbands VdK.
Presse
Symbolfoto: Eine Kamera filmt die VdK-Präsidentin
Das VdK-Internet-TV ist das Videoportal des Sozialverbands VdK. Unter www.vdktv.de finden Sie mehr als 100 spannende und informative Filmbeiträge rund um die Themen des Verbands, zum Beispiel zu Rente, Pflege, Behinderung, Gesundheit, Leben im Alter, Arbeitsmarkt und viele mehr!
Presse
Symbolfoto: Eine Fotokamera
Journalisten finden hier Hintergrundinformationen und Logos zum VdK Deutschland sowie Pressefotos und eine Vita der VdK-Präsidentin.
VdK-Zeitung
Eine zusammengerollte VdK-Zeitung, Ausgabe Oktober 2016
Die VdK-Zeitung erscheint zehnmal pro Jahr. Mit einer Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren gehört sie zu den größten Mitgliederzeitungen bundesweit. Die überregionalen Artikel der VdK-Zeitung können Sie jeden Monat kostenlos hier lesen.