Sozialverband VdK Deutschland e.V.
28. Januar 2016
VdK-Zeitung

Wer nicht mitmacht, verliert den Anschluss

Die Telekom stellt das bundesweite Telefonnetz auf IP-Technik um – Alte Verträge werden gekündigt

Bis 2018 will die Telekom ihr gesamtes Telefonnetz auf die IP-Technik umstellen. Wer seinen Anschluss nicht ändern lassen will, muss mit einer Zwangskündigung rechnen. Die Umstellung sorgt für zahlreiche technische Probleme.

© Imago/Hans-Günther Oed

Das alte Festnetz hat ausgedient, „Voice over Internet Protocol“ (VoIP) heißt die Telefonie der Zukunft. Hinter diesem Begriff verbirgt sich, vereinfacht ausgedrückt, das digitale Telefonieren über das Internet. Telekom-Kunden, deren Vertrag ausläuft, werden vier Monate zuvor über den Wechsel informiert und gebeten, sich für einen der neuen Tarife zu entscheiden. Wie die Telekom mitteilt, werden sie mehrmals schriftlich und telefonisch kontaktiert. Willigt ein Kunde nicht in die Umstellung – und damit in einen Neuvertrag mit 24 Monaten Laufzeit – ein, erhält er vier Wochen später die fristgerechte Kündigung.

Hohe Folgekosten

„Das ist das gute Recht der Telekom und steht in den allgemeinen Geschäftsbedingungen“, erklärt Kathrin Körber, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Zwar bestehe kein Zwang, zur IP-Technik zu wechseln. Nachdem aber alle anderen Anbieter ebenfalls das Netz der Telekom nutzen, komme die Umstellung über kurz oder lang auf jeden Verbraucher zu. „Diese Entwicklung kann man nicht aufhalten“, bekräftigt Körber.

Das Telekommunikationsunternehmen verweist auf den Mehrwert der neuen Technologie: „IP stellt sicher, dass weltweit Datenpakete mit völlig unterschiedlichen Inhalten wie Text, Musik oder Videos über das Internet verteilt werden und sich so mit völlig unterschiedlichen Geräten wie Fernseher, Telefon, Handy oder PC Daten austauschen können“, sagt Wolfgang Metze, Leiter des Bereichs Privatkunden der Telekom.

Die Umstellung zieht oft Folgekosten nach sich: Meist wird ein internetfähiger Router (ein Netzwerkgerät zwischen Telefon und Buchse) benötigt, möglicherweise auch eine neue Telefonanlage oder ein Adapter. Auch Hausnotrufsysteme, EC-Karten-Terminals und Alarmanlagen sind teilweise nicht für die IP-Technik geeignet. Wer einen Hausnotruf hat, sollte sich daher unbedingt vor der Umstellung an den Dienstebetreiber wenden. Am Tag der Umstellung muss der Kunde seinen Router selbst neu verkabeln und einstellen.

Verbraucherverbände kritisieren, dass technische Laien, darunter viele ältere Menschen, sich das oft nicht zutrauen und einen Techniker beauftragen müssen, der zusätzlich etwa 100 Euro kostet. „Die Technik selbst ist eigentlich kein Drama“, sagt Körber. „Was für den Verbraucher allerdings ein Drama ist, sind Folgekosten für einen Router, fehlende Informationen und die Tatsache, dass sich auch diejenigen mit der Technologie beschäftigen müssen, die das nicht können oder wollen. Das sorgt für Unmut.“

Kunden, die einem Wechsel zustimmen, können in manchen Fällen mit niedrigeren Tarifen rechnen. Für die Anschaffung von Neugeräten gewährt die Telekom eine Gutschrift, die vom Tarif abhängig ist. Ein Router kann wahlweise gekauft oder gemietet werden. In letzterem Fall ist die Telekom für die Wartung des Geräts zuständig.

Doch die neue Technologie bereitet auch Probleme: In der Vergangenheit kam es zu Störungen, Anschlüsse fielen aus, manche sogar über einen längeren Zeitraum. Das kann vor allem für Menschen kritisch werden, die einen lebensrettenden Hausnotruf haben. Zudem ist die Telefonleitung, anders als bisher, bei einem Stromausfall automatisch unterbrochen. Sicherheit schaffen beispielsweise Geräte mit einem Akku, die im Notfall die Stromversorgung garantieren.

Für Störungen hat die Telekom eine Hotline eingerichtet. Unter der Rufnummer (0800) 55 11 500 erhalten Kunden montags bis samstags von 8 bis 20 Uhr Informationen. Doch auch da gab es Probleme: Laut einer Umfrage der Verbraucherschutzverbände mussten 60 Prozent der Befragten lange Wartezeiten in Kauf nehmen, zehn Prozent kamen überhaupt nicht durch.

Körber empfiehlt Kunden, über Störungen Protokoll zu führen. Reklamationen sollten möglichst schriftlich eingereicht werden, am besten mit einer festgelegten Frist. Sollte der Anschluss länger ausfallen, kann ihn der Kunde auf das alte Telefonnetz zurückschalten lassen. Wenn es dann immer noch nicht klappt, kann man eine außerordentliche Kündigung einreichen wegen Nichterfüllung des Vertrags. „Der Kunde hat schließlich ein Recht darauf, zu telefonieren“, so die Rechtsexpertin. Bei Fragen und Problemen mit einem VoIP-Anschluss erhalten Verbraucher Rat und Unterstützung in der nächstgelegenen Verbraucherzentrale.

ali

Schlagworte Telekom | VoIP | Umstellung | Telefonnetz | Voice over Internet Protocol | Internettelefonie

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