28. Januar 2016
VdK-Zeitung

Tipps für pflegende Angehörige, die ein Pflegetagebuch führen möchten

Die Stoppuhr läuft immer mit

Bevor ein Besuch des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) ansteht, sollten Angehörige ein Pflegetagebuch führen. Darin halten sie fest, in welchen Situationen, zu welcher Zeit und wie lange sie dem Pflegebedürftigen unter die Arme greifen müssen.

© imago/AFLO

„Niemand ist verpflichtet, ein Pflegetagebuch zu führen, es ist aber zu empfehlen“, sagt Olaf Christen, Referent für Pflege, Wohnen im Alter und AAL (Altersgerechte Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben) beim Sozialverband VdK Deutschland. Zumal das Formular eine wichtige Rolle spielen kann, wenn es im Zuge des Antrags auf eine Pflegestufe zu einem Widerspruchs- oder Klageverfahren kommt, betont der Experte.

Er zählt weitere Vorteile auf: „Für den Prüfer des MDK, der bei seinem Besuch ja nur einen kurzen Einblick in den Pflegealltag der Familie bekommt, dient die schriftliche Aufzeichnung als wichtige Ergänzung.“ Außerdem hilft das Pflegetagebuch dem pflegenden Angehörigen dabei, sich selbst besser einzuschätzen. Christen hat die Erfahrung gemacht, dass viele gar nicht merken, wie umfangreich die täglichen Routinen im Haushalt und in der Pflege tatsächlich sind. Sie neigen dazu, die eigene Leistung zu unterschätzen. Scheinbare Nebensächlichkeiten werden oft vergessen, etwa dass man den betagten Vater wiederholt zum Essen oder Trinken auffordern muss oder ihn jedes Mal stützt, wenn dieser aufstehen, sich hinsetzen oder eine Treppenstufe überwinden möchte. Es sei wichtig, dass diese Dauerbeanspruchung für den Gutachter erkennbar wird.

Der Schwerpunkt bei der Dokumentation liegt bislang auf dem zeitlichen Aufwand für Körperpflege, Ernährung, Mobilität und Hauswirtschaft, der jeweils auf die Minute genau aufgeschrieben wird. Doch: „Das Pflegetagebuch in der jetzigen Form ist ein Auslaufmodell. Pflegende Angehörige müssen bald nicht mehr mit der Stoppuhr arbeiten“, beruhigt Christen. Im Rahmen des Pflegestärkungsgesetzes II soll ab 1. Januar 2017 der erweiterte Pflegebedürftigkeitsbegriff gelten. Statt drei Pflegestufen wird es fünf Pflegegrade geben und ein neues Begutachtungssystem eingeführt. Künftig wird geprüft, wie selbstständig der Pflegebedürftige noch ist. „Ein Pflegetagebuch darf jedoch weiterhin genutzt werden, um den eigenen Aufwand und die Belastung als pflegender Angehöriger zu verdeutlichen“, so der Pflegeexperte.

Mindestens bis zum Ende dieses Jahres bleibt die bisherige Anwendung des Tagebuchs von Bedeutung. Der Angehörige erfasst darin, bei welchen Tätigkeiten er jeden Tag unterstützen muss und wie oft. Für eine hohe Pflegestufe seien außerdem Angaben zur nächtlichen Hilfsbedürftigkeit erforderlich, betont Olaf Christen. Angehörige sollten ebenfalls daran denken, einmalige Termine und Besorgungen für den Pflegebedürftigen einzutragen, die außer Haus stattfinden, wie der monatliche Arztbesuch.

Wer eine Pflegestufe beantragt, sollte sich beim VdK oder bei einem
Pflegestützpunkt beraten lassen.


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Schlagworte Pflege | Pflegetagebuch | Pflegestufe | MDK | pflegende Angehörige | Pflegebedürftige | Pflegebedürftigkeitsbegriff

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