Sozialverband VdK Deutschland e.V.
27. November 2015
VdK-Zeitung

Mit dem Rollator gut durch die kalte Jahreszeit kommen

So machen Sie die Gehhilfe winterfest – Im Rollator-Training gewinnen Senioren Schritt für Schritt mehr Sicherheit

Eine Gehhilfe kann das Leben älterer Menschen erleichtern. Doch kommt man damit auch sicher durch den Winter, der Dunkelheit, Schneematsch und Glatteis mit sich bringt? In einem Rollator-Training werden Senioren im Umgang mit dem Hilfsmittel geschult, damit sie für Gefahren gewappnet sind. Ein Physiotherapeut und eine Rollator-Trainerin geben Tipps.

© Imago/Westend61

Am Anfang steht die Frage, welches Rollator-Modell man wählen soll. Vor der Kaufentscheidung ist eine ausführliche Beratung geboten. „Das günstige Kassenmodell unterscheidet sich in der Handhabung nicht vom Hightech-Gerät“, betont Cornelia Brodeßer von der Verkehrswacht Bonn. Dennoch reicht die Kurzeinweisung im Sanitätshaus nicht aus, um die Senioren fit zu machen für einen Alltag mit Gehhilfe.

Ein Rollator-Training hält sie daher für ein wichtiges Angebot, das jeder wahrnehmen sollte. Brodeßer leitet seit 2011 ehrenamtliche Seminare. Im praktischen Kursteil üben die Teilnehmer das Laufen mit dem Gehwagen in Innenräumen und im Straßenverkehr. „Wer anfängt, einen Rollator zu nutzen, gewinnt Selbstbestimmung zurück und kann wieder aktiv am Leben teilhaben“, hat die Dozentin die Erfahrung gemacht.

Denn nicht jeder traut sich gleich selbstbewusst mit dem Gehwagen auf die Straße. Die Kursleiterin erzählt von einer 71-Jährigen, die den vom Arzt verschriebenen Rollator partout nicht benutzen wollte. Die Folge: Die früher so unternehmungslustige Dame zog sich in die eigenen vier Wände zurück. Erst das Seminar von Cornelia Brodeßer half der Frau dabei, die Scheu abzubauen. „Sie hat sich mit ihrem Rollator angefreundet und ist wieder viel unterwegs“, freut sich die Trainerin.

Griffe auf Handgelenkhöhe

Das Gehtraining mit dem Rollator ist auch ein wichtiger Bereich in der geriatrischen Rehabilitation. „Wir stärken betagte Menschen, damit sie nach einem Sturz, Schlaganfall oder einer Operation wieder kleinere Strecken mit dem Rollator gehen können und bereiten sie auf die Selbstständigkeit zu Hause vor“, erklärt Peter Roth vom Geriatriezentrum Neuburg an der Donau in Oberbayern. Um Stürze zu vermeiden, sind seiner Erfahrung nach vor allem drei Dinge nötig: Selbstbewusstsein, Kraft und Gleichgewicht.

Die Position der Griffe ist ausschlaggebend für eine aufrechte und rückenschonende Körperhaltung: „Die Griffe sollten bei locker herabhängenden Armen auf der Höhe der Handgelenke sein“, rät der Physiotherapeut. „Zu niedrig eingestellte Griffe führen zu einer gebückten Haltung. Sind sie zu hoch eingestellt, kippt der Oberkörper nach hinten“, betont der Experte. Fachfrau Brodeßer aus Bonn ergänzt: „Auch die Stellung der Füße beeinflusst eine aufrechte Körperhaltung. Sie müssen immer zwischen den Hinterreifen sein.“

Beide Spezialisten weisen auf Barrieren hin, die sich auch mit Übung nur schwer meistern lassen. „Besonders heikel sind Bordsteinkanten oder das Einsteigen in den Bus, denn der Rollator muss dabei angehoben werden“, sagt Peter Roth. Im Bus gilt: „Auf keinen Fall auf dem Rollator sitzen bleiben, auch wenn die Bremse eingestellt ist“, warnt Cornelia Brodeßer.

Ein weiterer Knackpunkt ist das Wetter. „Bei Matsch, Regen oder Schnee wird es schwierig bis unmöglich, mit der Gehhilfe zu manövrieren“, sagt die Verkehrswacht-Expertin. Peter Roth gibt weitere Ratschläge: „Passen Sie Ihre Tagesplanung dem Wetter an. Verlassen Sie vormittags erst das Haus, wenn Räum- und Winterdienste schon unterwegs waren. Arztbesuche lassen sich bei Schneegestöber oder Glatteis auch mal verschieben. Ansonsten sind Verwandte oder Bekannte gefragt, einen zum Termin zu bringen und wieder abzuholen.“ Um die Sturzgefahr zu Hause zu mindern, bestärkt er ältere Menschen darin, sich Zeit zu lassen, wenn das Telefon klingelt oder jemand an der Tür läutet.

Außerdem rät Peter Roth, unterwegs stets ein Telefon für den Notfall griffbereit zu haben. „Wer übliche Mobiltelefone unhandlich findet, kann sich ein Seniorenhandy mit großem Tastenfeld und gut lesbarem Display zulegen.“

Bevor ältere Menschen das Haus verlassen, sollten sie sich warm genug anziehen. „Nur warme Füße und Hände sind sensibel und beweglich“, erklärt die Rollator-Trainerin. Bei schlechten Sichtverhältnissen gilt: helle, auffällige Kleidung mit zusätzlichen Reflektoren wie Schnapp- und Armbänder tragen. „Bevorzugen Sie Reflektoren, die aus einer Entfernung von mindestens 130 Metern sichtbar sind.“ Außerdem ist festes Schuhwerk mit gutem Profil sinnvoll. Bei Glatteis sollten Spikes über die Schuhe gezogen werden. Wer einen Gehstock mitnimmt, montiert am besten eine Eiskralle am Stockende“}, empfiehlt die Expertin. Auch der Rollator sollte für den Winter gerüstet sein: Dazu gehören eine LED-Beleuchtung sowie Reflektoren. Nach dem Ausflug nicht vergessen, den Gehwagen bei Bedarf zu reinigen: „Damit die Bremsen einwandfrei funktionieren, sollten die Reifen mit Wasser und Bürste von Matsch und Blättern befreit werden.“

Vor allem bei kleiner Rente fällt jede zusätzliche Ausstattung ins Gewicht, weiß Cornelia Brodeßer. Zu Weihnachten erinnert sie daher an die klassische Sparschwein-Methode, die sich bis heute bewährt: „Erklären Sie der Familie, dass Sie sich einen Betrag wünschen, damit Sie sich Rollator-Zubehör kaufen können.“


Film zum Thema:

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Kaum zu glauben: Den Rollator gibt es erst seit rund 25 Jahren! Er gehört mittlerweile ganz selbstverständlich zum Straßenbild, ist wie der Rollstuhl ein unverzichtbares Hilfsmittel geworden. Zwei junge Erfinder aus dem Schwäbischen haben nun sogar einen Rollator mit Elektromotor entwickelt.

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Schlagworte Rollator | Sicherheit | Sicherheitstrainung | Senioren | Rollator-Trainung | Gehhilfe | Tipps

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