27. November 2015
VdK-Zeitung

So hilft der VdK: Länger als zehn Jahre um Recht gekämpft

Mithilfe des VdK Berlin-Brandenburg setzte Rentnerin die Anhebung ihrer Unfallrente durch

Es war ein langer, zäher Weg, auf dem Rita H. (Name von der Redaktion geändert) oft der Mut und die Kraft verließ. Deshalb ist sie froh, mit dem VdK Berlin-Brandenburg einen kompetenten Partner an der Seite zu haben, der einen mehr als zehnjährigen Rechtsstreit zu ihren Gunsten beendete. Die Berufsgenossenschaft musste einlenken und den Grad der Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) erhöhen.

© Imago/Imagebroker

Rita H. ist 69 Jahre alt und Rentnerin. Mit 28 Jahren hatte sie auf dem Weg zur Arbeit einen Unfall, der ihr ganzes Leben verändern sollte. Wegen einer defekten Gehwegplatte blieb sie mit dem rechten Fuß hängen, stolperte und fiel hin. „Ich blieb liegen und wurde ohnmächtig, wahrscheinlich weil der Schmerz so stark war“, erinnert sich die Berlinerin, die damals als Chemikerin in einem Labor arbeitete. Als sie vom Arzt hörte, dass der Fuß nicht gebrochen sei, dachte sie: „Dann kann es ja nicht so schlimm sein.“

Doch Rita H. sollte sich irren. Als der Gipsverband entfernt wurde, merkte sie schnell, dass nichts mehr so war wie vorher. „Die Schmerzen wurden zwar weniger, aber ich hatte keinen Halt mehr und ständig das Gefühl, dass das Sprunggelenk rutscht“, erinnert sie sich. Doch sie ging recht bald wieder zur Arbeit und versuchte, sich daran zu gewöhnen, dass sie mit anderen nicht mehr Schritt halten konnte. „Ich war eine junge Frau und humpelte an manchen Tagen wie eine 80-Jährige. Wenn andere tanzen gingen, blieb ich lieber zu Hause, weil ich mich schämte“, erzählt sie.

Doch dabei blieb es nicht. Ende der 1980er-Jahre verschlechterte sich ihr Zustand. Es gab kaum noch einen Tag, an dem Rita H. keine Schmerzen hatte. Oft konnte sie nicht zur Arbeit gehen, weil ihr Fuß seinen Dienst versagte. Die Diagnose der Orthopädin: An der Versteifung des Fußes führt kein Weg vorbei. Dazu kam es dann auch. Desweiteren musste sich Rita H. 2003 einer Operation unterziehen, bei der ihr eine Totalendoprothese im rechten oberen Sprunggelenk eingesetzt wurde. Zuvor war durch zwei Gutachten eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von 20 Prozent festgestellt worden.

VdK eingeschaltet

Nach der Operation stellte Rita H. den Antrag, die Minderung der Erwerbsfähigkeit zu erhöhen. Sie schaltete den VdK Berlin-Brandenburg ein. Diesem fielen Ungereimtheiten in den Gutachten auf. Deshalb wurden weitere ausführliche ärztliche Gutachten eingefordert. So war zum Beispiel die Tatsache, dass eine Totalendoprothese eingesetzt worden war, in der Begutachtung überhaupt nicht berücksichtigt worden.

„Das ist umso mehr von Bedeutung, als beim Einsatz einer Kniegelenksendoprothese damals bereits eine MdE von 30 Prozent angesetzt wurde“, so Rechtsanwältin Petra Wolff vom VdK Berlin-Brandenburg, die die Klage gegen die Berufsgenossenschaft führte. Im Unterschied zum Knie sei der Eingriff am oberen Sprunggelenk hingegen mit viel höheren Risiken behaftet. Aus diesem Grund würden die meisten Kliniken inzwischen auch Abstand von der Durchführung einer solchen Operation nehmen. Zudem sei außer Acht gelassen worden, dass durch die fortschreitende Arthrose zusätzliche Schäden zu verzeichnen sind. Durch die Fehlhaltung beim Gehen würden auch die benachbarten Gelenke in Mitleidenschaft gezogen. Desweiteren bestehen Knie- sowie Hüftgelenkbeschwerden, und es kommt zum Auftreten von Ödemen. Auch die Tatsache, dass Rita H. Kompressionsstrümpfe tragen muss, wurde als Unfallfolge in keinem der Gutachten erwähnt.

Fakt ist: In Folge der Operation verschlechterte sich der Zustand von Rita H. erheblich, und zwar körperlich und psychisch. „Ich zog mich immer mehr zurück, doch ich merkte bald, dass mir das nicht weiterhilft. Deshalb wollte ich unbedingt wieder arbeiten. Ich musste mir ein Auto kaufen, weil selbst ein kurzer Weg zur Haltestelle für mich nur schwer zu bewältigen war“, sagt die Berlinerin. Vier Jahre später musste sie aufhören zu arbeiten. Zu dieser Zeit lief schon das Klageverfahren gegen die Berufsgenossenschaft. „Allein vor dem Sozialgericht zog sich das Verfahren mehr als neun Jahre hin“, so Anwältin Wolff. Darüber hinaus sei die Akte einfach liegen gelassen worden. Der VdK musste deshalb eine Rüge wegen Verzögerung erheben und letztlich die Präsidentin des Sozialgerichts einschalten.

Nach Auswertung mehrerer ärztlicher Gutachten war die Berufsgenossenschaft zumindest zum teilweisen Einlenken bereit und wollte die MdE von 20 auf 40 Prozent erhöhen, nicht jedoch für die Vergangenheit. In der Verhandlung am Sozialgericht konnte der VdK zusätzlich noch die Anhebung der MdE von 20 auf 30 Prozent für vier Jahre in der Vergangenheit erreichen. Die Berufsgenossenschaft muss für die Zeit ab 2006 erhebliche Nachzahlungen leisten.

VdK kämpfte weiter

„Wenn ich den VdK nicht gehabt hätte, wäre ich wohl diesen langen Weg nicht gegangen“, ist sich Rita H. sicher. Sie habe schon mehr als genug wegen ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung gelitten. Das habe ihre ganze Kraft gefordert. In dieser Situation sei es wichtig, einen kompetenten Partner zu haben, der immer weiter kämpft.

Heute weiß Rita H.: Es hat sich gelohnt, nicht aufzugeben. „Ich wusste immer, dass mir Unrecht geschehen ist. Deshalb ist es eine Genugtuung, dass dies nach so langer Zeit endlich auch das Gericht so sieht“, so die Rentnerin, die froh ist, ihren Mann an der Seite zu haben. „Er ist mein Krückstock. Ohne ihn könnte ich die Wohnung wohl nicht mehr verlassen“, so die 69-Jährige.

ikl

Schlagworte So hilft der VdK | Rente | Unfallrente | Rechtsberatung | Sozialrecht | Unfall

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