27. November 2015
VdK-Zeitung

Ergotherapie erleichtert den Alltag

Mehr Lebensqualität für Demenzkranke und pflegende Angehörige

Wer sich um einen dementen Angehörigen kümmert, bewältigt eine schwere Aufgabe mit täglich neuen Herausforderungen. Deshalb ist es wichtig, alles zu nutzen, was den oft belastenden Alltag erleichtert. Von Ergotherapie, die vom Hausarzt verordnet wird, können sowohl Betroffene als auch Angehörige profitieren.

Ergotherapie setzt oft bei alltäglichen Dingen an. | © Imago/JOKER

Ergotherapeuten helfen und begleiten Menschen, die durch Krankheit, Behinderung oder Alter in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind und Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben haben. Besonders bei Menschen mit Demenz ist dies oft der Fall. Vergesslichkeit, Orientierungsschwierigkeiten oder Überforderung sind Anzeichen, mit denen Betroffene und ihre Angehörige konfrontiert werden.

Im Alltag anzuwenden

„Gerade im Anfangsstadium von Demenzerkrankungen kommt den Angehörigen eine bedeutende Schlüsselfunktion zu. Sie können oftmals bewirken, dass Betroffene früh genug Hilfe erhalten, um sich ihre Fähigkeiten und die Selbstständigkeit länger zu bewahren“, so Ergotherapeutin Corinna Sibold.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Wiebke Flotho und mit Unterstützung des Deutschen Verbands der Ergotherapeuten e. V. (DVE) entwickelte sie ein wissenschaftlich fundiertes Interventionsprogramm, das speziell auf Menschen mit Demenz und ihre Angehörige in der häuslichen Umgebung zugeschnitten ist.

HED-I steht für „Häusliche Ergotherapie bei Demenz“ und ist ein Therapie-Konzept, das direkt im Alltag ansetzt. Darin fließen alle Erkenntnisse zusammen, die Betroffenen und deren Angehörigen das Zusammenleben in den eigenen vier Wänden ermöglichen – oft sogar so lange, dass sich eine Aufnahme ins Pflegeheim vermeiden oder deutlich hinauszögern lässt.

Am Anfang von HED-I steht die individuelle Analyse der Situation. „Jeder Mensch hat eigene Prioritäten, die sein Leben ausmachen. Wenn ein dementer Mensch noch ein Stück weit jenen Dingen nachgehen kann, die er früher mochte, steigert das seine Zufriedenheit“, so Corinna Sibold und erklärt das an einem Beispiel: Manfred B. (Name von der Redaktion geändert) ging früher täglich zum Bäcker. Es gehörte für ihn zum Alltag. Doch als er krank wurde, vergaß er im Geschäft, was er dort wollte. Die Ergotherapeuten fanden gemeinsam mit den Angehörigen einen Weg, wie der Mann an seiner Gewohnheit festhalten konnte. Sie bezogen die Angestellten der Bäckerei mit ein und verschafften dem Mann so ein Erfolgserlebnis. „Betätigung führt zu Bestätigung und verhilft letztendlich zu mehr Lebensqualität“, so die Expertin. Es gehe immer darum, dem Demenzkranken ein normales Leben zu ermöglichen. Davon profitiere auch der pflegende Angehörige, weil der Betroffene ruhiger und zufriedener und der Umgang mit ihm leichter sei.

Die Therapie ist zeitlich auf 20 Stunden begrenzt. In dieser Zeit sollen Betroffene und deren Angehörige lernen, die alltagsunterstützenden Mechanismen anzuwenden. „Ziel ist es, dass sie es verinnerlichen und ganz selbstverständlich in ihren Alltag integrieren“, so Corinna Sibold. Derzeit würden Ergotherapeuten in dem neuen Konzept geschult. Wer Ergotherapie vom Arzt verordnet bekommt, solle in der jeweiligen Praxis nach dem alltagsangewandten Programm HED-I fragen.

ikl

Schlagworte Ergotherapie | Demenz | HED-I | Demenzerkrankung | Alltag | Interventionsprogramm | Angehörige | Therapie

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