27. November 2015
VdK-Zeitung

Immer mehr Rentner haben Minijobs

Im Alter arbeiten zu gehen, ist kein Rezept gegen die Altersarmut

Die Zahl der Menschen, die eine Altersrente beziehen und trotzdem arbeiten, wächst. Und das tun die meisten nicht aus Spaß oder Zeitvertreib, sondern aus finanzieller Not. Denn ihre Rente reicht nicht zum Leben.

© Imago/Sven Simon

Sie haben ihr ganzes Leben lang gearbeitet und kommen als Rentner trotzdem nicht über die Runden. Deshalb müssen immer mehr ältere Menschen auch mit 70 Jahren noch Zeitungen austragen, Supermarktregale auffüllen und Büros putzen. Gab es 2003 bundesweit noch knapp 530.000 Minijobber über 65, stieg diese Zahl im März 2015 auf rund 900.000. Der Sozialverband VdK Deutschland sieht in der gestiegenen Zahl an Rentnern mit Minijobs einen deutlichen Hinweis auf die wachsende Altersarmut. „Eine Rente unterhalb der Grundsicherung – das ist schon heute für viele Neurentner Realität“, sagt VdK-Präsidentin Ulrike Mascher und ergänzt: „Die Bundesregierung darf das Problem der Altersarmut nicht länger kleinreden und die Tatsache ignorieren, dass immer mehr älteren Menschen ihre Rente nicht zum Leben reicht.“

Ordentliche Löhne nötig

Deshalb fordert der VdK: Prekäre Beschäftigungsverhältnisse wie Minijobs müssen eingedämmt werden. Denn nur, wer als Arbeitnehmer ordentlich verdient, werde auch eine ordentliche Rente bekommen. Wer über einen längeren Zeitraum in einem geringfügig entlohnten Arbeitsverhältnis beschäftigt ist, wird im Alter nicht von seiner Rente leben können und auf staatliche Unterstützung angewiesen sein.

Minijobs sollten, als sie erdacht wurden, in erster Linie Spitzen in der Produktion abdecken oder die Beschäftigung für unregelmäßig anfallende Tätigkeiten erleichtern. Die Wirklichkeit gestaltet sich jedoch anders: Offensichtlich stellen zahlreiche Minijobs längst einen Ersatz für reguläre Beschäftigungsverhältnisse dar. Dauerhafte Aushilfen sind für viele Arbeitgeber offenbar hoch willkommen.

Die Ziele des Gesetzgebers, mit dem Sonderbeschäftigungsverhältnis Minijob mehr Arbeitsplätze zu schaffen und den Übergang in reguläre Beschäftigung zu erleichtern, haben sich nicht erfüllt. Vor allem im Gastgewerbe und anderen Bereichen des Dienstleistungssektors stellt der Minijob ein prekäres, schlecht bezahltes Beschäftigungsverhältnis zweiter Klasse dar, aus dem der Übergang in ein sozialversicherungspflichtiges Normalarbeitsverhältnis nur wenigen gelingt.

Schlechter gestellt

Zudem kommt es bei Minijobbern häufiger vor, dass sie keinen bezahlten Urlaub und keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall erhalten. Das zeigt eine aktuelle Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) unter 7500 Beschäftigten. Rund 35 Prozent der Minijobber berichteten, keinen bezahlten Urlaub zu erhalten, 46 Prozent bekommen keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Laut Befragung wissen zwei Drittel der Minijobber nicht über ihre Ansprüche Bescheid.

ikl

Schlagworte Altersarmut | Armut | Minijob | Rente | Rentner | Minijobber

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