27. November 2015
VdK-Zeitung

Für Teilhabe braucht es starke Mitkämpfer

Arbeit ist einer der Schlüsselfaktoren für umfassende Inklusion – VdK sieht Arbeitgeber in der Pflicht

Sie sind keine „Randgruppe“: 9,3 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leben mit einer Schwerbehinderung. Der Sozialverband VdK fordert anlässlich des Internationalen Tags der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember umfassende Inklusion in Deutschland. Das Jahr 2016 wird beim VdK bundesweit unter dem Motto „Weg mit den Barrieren!“ stehen.

© imago/blickwinkel

Insgesamt haben in Deutschland zehn Millionen Menschen eine Behinderung, davon sind 7,5 Millionen schwerbehindert, haben also einen Grad der Behinderung von 50 oder mehr. Etwa 40 Prozent der schwerbehinderten Menschen sind im erwerbsfähigen Alter, das heißt, sie sind 15 bis 65 Jahre alt.

„Diese Gruppe stößt auf dem Arbeitsmarkt auf viele Barrieren“, kritisiert VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Während die 11.715 öffentlichen Arbeitgeber ihre Beschäftigungsquote mit 6,6 Prozent sogar übererfüllen, hinken die privaten Unternehmen noch gewaltig hinterher. 78,5 Prozent der 138 095 Betriebe erreichen den vorgeschriebenen Beschäftigtenanteil von fünf Prozent nicht. In jedem vierten aller verpflichteten Betriebe arbeitet kein einziger Mensch mit Behinderung.

Arbeitslosigkeit hat für Menschen mit Schwerbehindertenausweis besonders harte Auswirkungen. Während die allgemeine Arbeitslosenquote von 2013 auf 2014 um zwei Prozent gesunken ist, ist sie unter den schwerbehinderten Menschen um ein Prozent gestiegen. 46 Prozent von ihnen galten 2014 als langzeitarbeitslos, waren also mehr als ein Jahr ohne Arbeit. Und das, obwohl der Anteil der Fachkräfte unter ihnen höher ist als unter nicht-behinderten Arbeitnehmern.

Deutschland hat sich 2009 mit Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention zu einer umfassenden Teilhabe von Menschen mit Behinderung verpflichtet. „Arbeit ist einer der größten Schlüsselfaktoren für gesellschaftliche Teilhabe“, betont Ulrike Mascher.

Ein wichtiger Vermittler zwischen den Interessen der Arbeitnehmer mit Behinderung und der Arbeitgeber sind die Schwerbehindertenvertretungen in den Betrieben. Dennoch gibt es diese nicht in allen Unternehmen, oder sie werden bei Personalentscheidungen oft umgangen. Dabei ist ihre Rolle in der Begleitung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements und bei Maßnahmen zur Qualifizierung und Gesunderhaltung älter werdender Belegschaften längst anerkannt. „Wir erwarten von der Bundesregierung, dass die Rechte der Schwerbehindertenvertretungen wie angekündigt im nächsten Jahr im Zuge des Bundesteilhabegesetzes gestärkt werden“, so Mascher.

Eine erfreuliche Entscheidung hat die Bundesregierung schon getroffen: Die rund 800 Integrationsbetriebe, die gezielt Menschen mit Behinderung für eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt fördern, werden in den nächsten drei Jahren mit insgesamt zusätzlich 150 Millionen Euro aus den Mitteln der Ausgleichsabgabe bezuschusst. „Für eine langfristige Planungssicherheit muss dieses Geld aber fest aus dem Bundeshaushalt kommen“, fordert Mascher.

Der Sozialverband VdK wird als größter deutscher Behindertenverband im Jahr 2016 mit der bundesweiten Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ bei der Politik Druck in Sachen Inklusion aufbauen. Im Mittelpunkt steht das Thema Barrierefreiheit. Die Reise mit dem Rollstuhl im Zug, die vielerorts unmöglich ist. Internetseiten, die für Blinde nicht lesbar sind. Filme, die für Hörbehinderte unverständlich sind. Die hoffnungslose Suche nach einer stufenfreien Wohnung. Barrieren gibt es viel zu viele. Der VdK will seine Mitglieder aktivieren, gegen solche Hindernisse zu kämpfen. Den Auftakt bildet eine Pressekonferenz am 26. Januar in Berlin. „Ich freue mich auf die Kampagne und auf die engagierte Unterstützung durch unsere Mitglieder“, erklärt Ulrike Mascher.


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bsc

Schlagworte Barrierefreiheit | Barrieren | Teilhabe | Behinderung | Schwerbehinderung | Kampagne | Weg mit den Barrieren | barrierefrei | UN-Behindertenrechtskonvention

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