28. Oktober 2015
VdK-Zeitung

„Wer seinen Lebensstil ändert, kann es schaffen“

Koronare Herzkrankheit begleitet Betroffene ein Leben lang – alte Gewohnheiten abzulegen ist die größte Herausforderung

Die koronare Herzkrankheit (KHK) zählt weltweit zu den häufigsten Herzerkrankungen. Allein in Deutschland gibt es schätzungsweise sechs Millionen Betroffene. Jährlich sterben rund 128.000 Menschen daran, mehr als 55.000 am Herzinfarkt. Doch so weit muss es nicht kommen, wenn die Krankheit rechtzeitig erkannt und behandelt wird.

Brustschmerzen, Druck und Engegefühl hinter dem Brustbein: Das sind typische Symptome der koronaren Herzkrankheit. Medizinisch spricht man von Angina pectoris (lateinisch „Brustenge“). Aufgrund komplexer Nervenverbindungen können diese Schmerzen dann auch in andere Körperregionen ausstrahlen, zum Beispiel in den Schulterbereich, in den Unterkiefer, in den Rücken, zwischen die Schulterblätter oder in andere, nahe gelegene Körperregionen. Bei vielen Betroffenen treten die Angina-pectoris-Beschwerden nur unter körperlicher Belastung auf, wenn der Herzmuskel beim Sport oder bei anstrengendem Treppensteigen sehr viel mehr sauerstoffreiches Blut benötigt, als dies in Ruhe der Fall ist. Dann kann der Blutfluss in den Koronar-Arterien aufgrund der Engstellen nicht ausreichend gesteigert werden.

Doch nicht immer haben Betroffene Schmerzen. Manche nehmen überhaupt keine Anzeichen wahr. Denn zu Beschwerden kommt es bei einer KHK erst dann, wenn die Blutbahn so stark verengt ist, dass in einzelnen Herzmuskelabschnitten ein deutlicher Sauerstoffmangel auftritt.

So war es auch bei Harald Gaber aus Frankfurt am Main. Dass er vor über 20 Jahren einen sogenannten „stillen Hinterwandinfarkt“ hatte, bemerkte der Mann zunächst gar nicht. „Ich habe es meinem Hausarzt zu verdanken, dass ich damals so glimpflich davongekommen bin“, sagt der heute 70-Jährige. Der Arzt sei beim Abhören des Herzens stutzig geworden und habe für den nächsten Tag einen Termin beim Kardiologen besorgt. Letzterer bestätigte den Verdacht des Hausarztes: Herzinfarkt. Eine Woche später lag Harald Gaber auf dem Operationstisch und bekam einen Bypass.


VdK-TV: Koronare Herzkrankheit

Die koronare Herzkrankheit (KHK) zählt weltweit zu den häufigsten Herzerkrankungen. Allein in Deutschland gibt es schätzungsweise sechs Millionen Betroffene. Jährlich sterben rund 128000 Menschen daran, mehr als 55000 am Herzinfarkt. Doch so weit muss es nicht kommen, wenn die Krankheit rechtzeitig erkannt und behandelt wird.

In der anschließenden Reha begann für den Mann die eigentliche Arbeit. „Ich habe ziemlich ungesund gelebt“, sagt der ehemalige Bankangestellte, der damals 80 Zigaretten am Tag rauchte. Hinzu kamen ungesundes Essen, wenig Bewegung und viel Stress auf der Arbeit. Erst in der Reha habe er langsam begriffen, dass er sein Leben grundlegend ändern muss. Er hörte mit dem Rauchen auf, stellte seine Ernährung um und begann Sport zu treiben. „Ich wusste, dass ich keine andere Wahl habe“, sagt er. Patienten wie Harald Gaber, die nicht nur erkennen, dass sie ihr Leben ändern müssen, sondern es auch tun, sind für Prof. Ulf Landmesser, Direktor der Klinik für Kardiologie an der Berliner Charité, gute Beispiele. „Ein Herzinfarkt ist ein sehr einschneidendes Erlebnis, so dass Betroffene alles dafür tun, dass sie dies nicht wieder erleiden müssen“, so seine Erfahrung.

Den Lebensstil dauerhaft zu ändern sei jedoch eine sehr große Herausforderung. Ein großer Risikofaktor sei das Rauchen. Wer es schafft, dieses ungesunde Laster aufzugeben, senke sein Herzinfarktrisiko um mehr als 50 Prozent. Sich gesünder zu ernähren und mehr zu bewegen sei oft in einem Schritt zu bewältigen. „Viele merken nach ein paar Wochen, dass sie sich wohler fühlen, wenn sie bewusster essen und sich viel bewegen“, so Prof. Landmesser, der auch Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung ist. Das schlage sich auch auf die Blutfettwerte nieder. „Ganz wichtig ist natürlich, dass das Umfeld, also Familie und Freunde, mithelfen und den Patienten unterstützen.“

Für Harald Gaber war in dieser Phase seine Enkelin ein wichtiger Anker. „Ich wollte sie aufwachsen sehen und ihr ein Vorbild sein“, sagt er. Zwar konnte er nach der Reha nicht mehr in seinen Beruf zurück und wurde pensioniert, doch er suchte sich ein neues, ehrenamtliches Betätigungsfeld. Als Leiter einer Selbsthilfegruppe und ehrenamtlicher Beauftragter der Deutschen Herzstiftung motiviert er seither andere Menschen mit koronarer Herzkrankheit. „Den meisten hilft es, sich mit anderen auszutauschen und sich gegenseitig Kraft zu geben“, so seine Erfahrung.

Harald Gaber kann es sich inzwischen nicht mehr vorzustellen, so ungesund zu leben wie mit Ende 40. Seit seinem Herzinfarkt hat er keine Zigarette mehr angerührt, ernährt sich gesund, geht dreimal in der Woche ins Fitnessstudio und schwört auf Nordic Walking. Seine Enkelin Pia kann stolz auf ihren Opa sein. 


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Schlagworte Herzstiftung | Koronare Herzerkrankung | Herzkrankheit | KHK | Gesundheit | Lebensstil | Reha

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