Sozialverband VdK Deutschland e.V.
24. September 2015
VdK-Zeitung

Pflegeleistungen im Überblick

Angebote oft nicht bekannt – Nur 5,4 Prozent nutzen Verhinderungspflege

Etwa zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden von nahen Angehörigen versorgt. Diese sind sehr motiviert, aber auch körperlich und seelisch stark belastet. Denn Pflege ist meist ein 24-Stunden-Job. Hinzu kommt, dass Pflegende oft nicht wissen, welche Leistungen es gibt und welche Kosten die Pflegekassen übernehmen.

Nur selten nutzen pflegende Angehörige Angebote zur Entlastung. | © Imago/Gerhard Leber

Mit dem Ersten Pflegestärkungsgesetz, das im Januar in Kraft getreten ist, erhalten Pflegebedürftige und deren Angehörige mehr Unterstützung als bisher. Doch nur selten werden die Pflegeleistungen auch beantragt. Das Zweite Pflegestärkungsgesetz wird 2016 umgesetzt und sieht weitere Verbesserungen vor. Insgesamt stehen ab 2017 jährlich fünf Milliarden Euro zusätzlich für die Pflege zur Verfügung.

  •  Beratung

Bisher kann nur der Pflegebedürftige selbst Beratung in Anspruch nehmen. Ab 2016 sollen Angehörige ebenfalls das Recht auf Beratung erhalten. Informationen zu Leistungen beim Eintreten eines Pflegefalls, zum Antragsverfahren und zu Pflegediensten und anderen Dienstleistern erteilen die Pflegekassen. „Diese Beratung gibt einen ersten Überblick“, sagt Olaf Christen, Referent für Pflege beim Sozialverband VdK Deutschland. Wer umfassende Informationen benötigt, sollte sich an Pflegestützpunkte wenden, wie sie auch die VdK-Landesverbände Berlin-Brandenburg und Saarland anbieten, rät er.
„Diese Stützpunkte sind im Bundesgebiet zwar unterschiedlich verteilt, aber trotzdem meist die beste unabhängige Informationsquelle. Zumindest lokale Ansprechpartner können benannt werden“, so Christen. Für Pflegebedürftige, die bereits von einem Angehörigen versorgt werden, bezahlt die Pflegekasse eine Beratung zu Hause. Diese erfolgt je nach Pflegestufe halb- (Stufe 1 und 2) oder vierteljährlich (Stufe 3).

  •  Rechte

Mit dem Eintritt eines Pflegefalls stellt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) nicht nur die Pflegestufe fest, sondern auch, ob es eine Pflegeperson gibt. Ein pflegender Angehöriger sollte sich mindestens 14 Stunden in der Woche um den Pflegebedürftigen kümmern. Wenn er nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, kommt die Pflegeversicherung für seine Rentenbeiträge auf. „Das wird oft vergessen“, betont Christen. Der Angehörige ist auch unfallversichert. Wer seine Berufstätigkeit aufgibt, hat beim Wiedereinstieg das Recht auf berufliche Eingliederung.

  •  Hilfsmittel

Pflegekassen stellen für Hilfsmittel wie Einmal-Handschuhe oder Desinfektionsmittel monatlich 40 Euro zur Verfügung. „Einfach die Rechnungen einreichen“, rät Christen. Wenn dies mehrmals erfolge, werde der Betrag automatisch zusätzlich zum Pflegegeld überwiesen. Pflegebedürftige haben Anspruch auf weitere Hilfsmittel, wie beispielsweise ein Pflegebett. Außerdem können Zuschüsse für die Verbesserung des Wohnumfelds abgerufen werden. Beratungsstellen für Wohnraumanpassung gibt es bundesweit, hinzu kommen lokale Anbieter. Auch der VdK bietet in mehreren Städten und Landkreisen eine Wohnraumberatung an.

  •  Pflegekurse

Wer einen Angehörigen pflegt, kann bei der Pflegekasse den kostenlosen Besuch von Pflegekursen und -schulungen beantragen, wie sie auch der VdK in einigen Landesverbänden durchführt. Auf Wunsch werden diese sogar zu Hause abgehalten. „Dieses Angebot wird nur selten in Anspruch genommen“, bedauert Christen. Er rät zum Besuch eines solchen Kurses, „denn das ist eine gute Gelegenheit, beispielsweise den Umgang mit Demenzpatienten oder das richtige Lagern bei Bettlägerigkeit zu erlernen“. Der Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen sei für viele Teilnehmer wohltuend.

  • Unterstützung bei der Pflege

Pflegenden Angehörigen steht eine Auszeit von bis zu sechs Wochen im Jahr zu. In dieser Zeit kann der Pflegebedürftige entweder zu Hause von einem Pflegedienst oder in einer Kurzzeitpflege-Einrichtung versorgt werden. Die Entlastung kann auf mehrere Urlaube verteilt werden. Um eine Verhinderungs- oder eine Kurzzeitpflege beantragen zu können, muss der Pflegebedürftige Pflegegeld bekommen und seit mindestens sechs Monaten von seinem Angehörigen betreut werden. Dieses Angebot wird jedoch selten genutzt: Laut einer Statistik des Bundesgesundheitsministeriums haben im vergangenen Jahr nur 5,4 Prozent der zu Hause versorgten Pflegebedürftigen die Leistung abgerufen. Daneben gibt es die Tagespflege und stundenweise Betreuung. Mit dem Geld für niedrigschwellige Betreuungsleistungen können bestimmte Angebote hinzugekauft werden, allerdings „reicht dieser Betrag gerade mal für zwei bis vier Nachmittage im Monat“, so Christen.

  • Pflegezeit und Pflegedarlehen

Seit Januar haben Arbeitnehmer Rechtsanspruch auf eine sechsmonatige Auszeit für die Pflege eines Angehörigen. Doch nicht viele haben bisher das Darlehen, das das fehlende Einkommen ausgleichen soll, beantragt. „Die wenigsten Berufstätigen geben ihren Job auf, wenn in der Familie ein Pflegefall eintritt“, weiß Christen.

Auch viele VdK-Kreisgeschäftsstellen beraten zum Thema Pflege. Einfach vor Ort nachfragen, welche Beratung und Unterstützung angeboten wird.

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ali

Schlagworte Pflege | pflegende Angehörige | Pflegekurs | Verhinderungspflege | Hilfsmittel | Pflegestützpunkt | Pflegestärkungsgesetz | Kurzzeitpflege | Pflegezeit | Pflegedarlehen

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