Sozialverband VdK Deutschland e.V.
24. Juni 2015
VdK-Zeitung

Je früher zur Schuldnerberatung, desto besser

Überschuldete Senioren sind keine Seltenheit mehr - Wenn das Geld nicht ausreicht, sollte man sich kostenfrei beraten lassen

Immer mehr ältere Menschen tappen in die Schuldenfalle. Niedrige Renten, hohe Mieten und steigende Lebenshaltungskosten - da braucht nur noch eine Krankheit oder ein teurer Zahnersatz dazukommen, und schon rutscht man in die roten Zahlen. Eine frühzeitige Beratung kann helfen, dass es erst gar nicht so weit kommt.

© Imago/McPHOTO

Die Zahl der Schuldner in der Altersgruppe der über 70-Jährigen ist deutlich gestiegen. In ihrem „Schuldneratlas 2014“ verzeichnet die Wirtschaftsauskunftei Creditreform 134.000 überschuldete Senioren. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von 23.000 Menschen. „Dies ist umso bemerkenswerter, da in weiten Teilen der älteren Bevölkerung Verschuldung und risikobehaftetes Konsumverhalten auf Grund meist eher konservativ-bewahrender Wertvorstellungen verpönt ist“, heißt es in dem Bericht.

Oft reicht die Rente nicht aus

„Die Schuldnerstruktur ändert sich“, bestätigt Michael Bretz, Pressesprecher von Creditreform. Während es vor ein paar Jahren noch viele Jugendliche waren, die wegen eines Handyvertrags in die roten Zahlen rutschten, sind es nun Rentner, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. „Viele verschulden sich aus Not“, weiß Bretz aus Gesprächen mit Betroffenen. Oft müssten Senioren auch im Alter arbeiten gehen, weil die Rente zum Leben nicht reicht oder sie ihre Gläubiger bedienen müssen.

Ist man einmal in die Schuldenfalle getappt, so wird sie schnell zum Teufelskreis, aus dem man nur schwer wieder herausfindet. Beim monatlichen Einkommen, der Rente, sei keine Erhöhung zu erwarten, und auch die Entlastung durch einen Kredit sei im höheren Alter meist nicht möglich. Hinzu komme, dass Schulden hoch verzinst seien. „Da können aus 5.000 ganz schnell 12.000 Euro werden“, berichtet Bretz.

Solche Fälle kennt auch Michael Weinhold, stellvertretender Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände. Der Leiter der Schuldnerberatung des Instituts für soziale und kulturelle Arbeit (ISKA) in Nürnberg betont: „Eine Beratung ist stets dann angezeigt, wenn man mit seinem Geld nicht mehr auskommt.“ Dies könne beispielsweise sein, wenn das Konto dauerhaft überzogen ist, die Mahnungen sich häufen, oder es schwer falle, die Miete oder die Energiekosten zu begleichen. Prinzipiell gelte der Grundsatz: „Wenn man finanzielle Probleme hat, sollte man so früh wie möglich eine Schuldnerberatung aufsuchen.“

Schuldnerberatungen gibt es viele. Doch welche ist die richtige? Weinhold empfiehlt, sich an die jeweilige Stadtverwaltung beziehungsweise das Landratsamt zu wenden und zu erfragen, welcher soziale Träger eine kostenlose Beratung anbietet. Die Beratungsstellen vor Ort lassen sich auch im Internet herausfinden. „Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Beratung kostenfrei ist und einen barrierefreien Zugang gewährleistet - und wenn dies nicht der Fall ist, dass auch ein Hausbesuch angeboten wird“, rät Weinhold.

In einem ersten Schritt verschafft sich der Schuldnerberater einen Überblick über die finanzielle Situation. Er erstellt gemeinsam mit dem Betroffenen eine Übersicht über die laufenden Ausgaben und zieht Bilanz. Dann überprüft er, ob die Verpflichtungen weitergezahlt werden können. Bei Bedarf setzt er sich auch mit den Gläubigern in Verbindung, um eine für beide Seiten angemessene Lösung zu erzielen.

Auch wenn der Schuldnerberater dafür sorgt, dass Verbindlichkeiten langfristig beglichen werden können, so muss dem Betroffenen genügend Geld zum Leben bleiben. Miete, Heizung, Strom und Lebenshaltung haben absoluten Vorrang. Die Rente ist bei Alleinstehenden bis 1050 Euro, bei Paaren bis 1440 Euro geschützt. Das heißt, unterhalb dieser Grenze ist der Betroffene nicht pfändbar.

Ein Privatinsolvenzverfahren sei erst dann notwendig, wenn die Betroffenen ihre Schulden dauerhaft nicht mehr zurückzahlen können, so Weinhold. Dies hänge von der persönlichen und wirtschaftlichen Situation sowie von der Art und der Höhe der Schulden ab. Die Frage, ob ein solches Verfahren sinnvoll ist, könne daher nur im Rahmen einer umfassenden Beratung beantwortet werden.

Am besten ist es jedoch, erst gar nicht so hohe Schulden anzuhäufen. Doch das ist wohl nicht so einfach. Die größte Schwierigkeit sei nämlich, sich die Situation einzugestehen, berichtet Bretz: „Vielen fällt es schwer zu sagen: Ich bin pleite.“ Für sie sei es einfacher, mit Schulden zu leben, zumal sie darauf hoffen, dass Gläubiger ab einem bestimmten Alter des Schuldners oft auf ihre Forderungen verzichten würden. Nicht vergessen werden dürfe aber auch, welche seelischen Folgen das finanzielle Scheitern haben kann. „Gerade ältere Menschen schämen sich und ziehen sich zurück.“


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