24. Juni 2015
VdK-Zeitung

Kommentar: Verdiente Sicherheit

Fest ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat sich ein Satz des früheren Bundesarbeitsministers Norbert Blüm: „Die Rente ist sicher.“ Noch 1997 versprach er dies in einer Bundestagsdebatte, in der es um deutliche Einschnitte in der Rentenversicherung ging. Leider sahen und sehen sich viele Rentnerinnen und Rentner von diesem Versprechen enttäuscht.

VdK-Präsidentin Ulrike Mascher | © Peter Himsel

Die Rente als Anerkennung der Lebensleistung, als sicheres Einkommen im letzten Lebensabschnitt, steht auf immer wackligeren Beinen. Zum Zeitpunkt der oben zitierten Bundestagsdebatte lag das Rentenniveau noch bei 70 Prozent, seither sinkt es rasant, aktuell auf 47,5 Prozent.

Diese galoppierende Entwertung ist die Ursache für den anhaltenden Sinkflug der Neurenten. Immer mehr Menschen müssen im Alter auf ein Leben an der Armutsgrenze gefasst sein. Denn trotz allen Werbens für private Alterszusatzvorsorge bleibt die gesetzliche Rente für die meisten Menschen das Haupteinkommen, häufig sogar das einzige Einkommen im Alter. Gerade diejenigen, die in schlechter bezahlten Jobs arbeiten und besonders dringend zusätzlich vorsorgen müssten, finden kaum geeignete Finanzprodukte oder können das Geld dafür nicht entbehren.

Glück und Geld gehören zusammen. Das bestätigt eine aktuelle Umfrage des Zukunftsforschers Horst W. Opaschowski. Ein bestimmtes Maß an finanzieller Sicherheit für sich und die Familie rangiert demnach bei den Deutschen ganz oben, wenn es um das persönliche Glücksgefühl geht. Wichtig für das subjektive Empfinden ist auch, wie stabil der augenblickliche Wohlstand eingestuft wird. Wer glaubt, künftig keine finanziellen Sorgen haben zu müssen, ist im wahrsten Sinne des Wortes unbeschwerter als jemand, der hier unsicher ist.

Dieses Ergebnis ist nicht besonders überraschend, entspricht es doch der Alltagserfahrung. Die Deutschen sind aber kein extrem materialistisch veranlagtes Volk. Finanzielle Sicherheit als wichtigste Grundlage für Glück scheint laut internationaler Studien ein universeller Wert zu sein, der unabhängig vom Alter gilt.

Jeder Mensch hat also das Bedürfnis nach Sicherheit. Der Staat ist verpflichtet, ein gewisses Maß an Stabilität in der Daseinsvorsorge zu gewährleisten. Die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland sind genau dafür geschaffen worden. Doch leider stoppt auch die gegenwärtige Bundesregierung den Abwärtstrend beim Rentenniveau nicht. Zudem sorgen die Kürzungsfaktoren der Rentenformel dafür, dass die Altersbezüge schon vor langer Zeit von der allgemeinen Wohlstandsentwicklung abgehängt wurden.

Wohlgemerkt: Wir reden hier nicht von Luxus, der den Älteren fehlt. Gefährdet sind immer mehr heutige und künftige Rentnerinnen und Rentner in ihren existenziellen Bedürfnissen wie Essen, Wohnen und Gesundheit. Doch die Menschen haben mehr Sicherheit verdient. Armutsfeste Renten müssen zum Minimalziel der Bundesregierung werden.

Ulrike Mascher

Aktuelle Artikel im Oktober 2016:

VdK-Zeitung
Symbolfoto: Rentnerfigürchen und das Wort "Flexirente" aus Buchstabenwürfeln, dahinter ein Maßband mit Zahlen
Und wieder gibt es ein gut klingendes Wort in der Rentenpolitik: die "Flexi-Rente". Nach der "Lebensleistungsrente" legt die Bundesregierung damit ein weiteres Konzept auf den Tisch, das nach Meinung des Sozialverbands VdK den realen Bedingungen des Älterwerdens in Deutschland nicht gerecht wird. Der VdK fordert Verbesserungen, damit mehr Menschen gesund und länger arbeiten können.
VdK-Zeitung
Symbolfoto: Jemand tippt auf einer PC-Tastatur auf eine Taste "Jetzt teilnehmen"
Bitte mitmachen: Zwischen dem 4. und dem 28. Oktober 2016 läuft eine Umfrage des Sozialverbands VdK. Die Umfrage soll uns helfen, das Image und die Bekanntheit des Sozialverbands VdK besser einzuschätzen. Mit den Ergebnissen wollen wir noch gezielter unsere Arbeit gestalten, sowohl in der Sozialrechtsberatung und der Ehrenamtsarbeit als auch in der sozialpolitischen Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit.

VdK-Zeitung
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Mit dem Pflegestärkungsgesetz II werden Menschen mit demenziellen Erkrankungen ab 2017 stärker berücksichtigt. Die bisherigen Pflegestufen werden durch Pflegegrade abgelöst. Entscheidend bei der Beurteilung von Pflegebedürftigkeit ist, inwieweit der Betroffene in der Lage ist, seinen Alltag selbstständig zu meistern.
VdK-Zeitung
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Die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährige Versicherte mit 63 Jahren gibt es seit zwei Jahren. Für Unmut sorgt eine Gerechtigkeitslücke bei der Anrechnung von Arbeitslosigkeit auf die Wartezeit von 45 Jahren. Der Sozialverband VdK hat daher ein Musterstreitverfahren beim Bundessozialgericht (BSG) in Kassel eingereicht, um in dieser Frage Klarheit zu schaffen.

Hier finden Sie die Artikel aus unserer Reihe "So hilft der VdK":

VdK-Zeitung
Symbolfoto: Eine Statue der Justitia
In unserer beliebten Serie "So hilft der VdK" berichten wir in der VdK-Zeitung regelmäßig über echte Fälle aus der Sozialrechtsberatung unserer VdK-Landesverbände. | weiter
19.09.2016
VdK-Pressemeldung
Foto: Ulrike Mascher bei einer Pressekonferenz
Unsere Pressemitteilungen informieren bundesweit über wichtige Forderungen, Positionen, Ziele und Termine des Sozialverbands VdK.
Presse
Symbolfoto: Eine Kamera filmt die VdK-Präsidentin
Das VdK-Internet-TV ist das Videoportal des Sozialverbands VdK. Unter www.vdktv.de finden Sie mehr als 100 spannende und informative Filmbeiträge rund um die Themen des Verbands, zum Beispiel zu Rente, Pflege, Behinderung, Gesundheit, Leben im Alter, Arbeitsmarkt und viele mehr!
Presse
Symbolfoto: Eine Fotokamera
Journalisten finden hier Hintergrundinformationen und Logos zum VdK Deutschland sowie Pressefotos und eine Vita der VdK-Präsidentin.
VdK-Zeitung
Eine zusammengerollte VdK-Zeitung, Ausgabe Oktober 2016
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