Sozialverband VdK Deutschland e.V.
21. April 2015
VdK-Zeitung

Reisen mit dem Rollstuhl: keine Barrierefreiheit in der 1. Klasse

ICEs verfügen oft nur in der 2. Klasse über Plätze für Rollstuhlfahrer – Bahn verweist auf die Sonderausstattung dieses Bereichs

Bahnfahren ist für Menschen mit Behinderung attraktiver geworden. Immer mehr Bahnhöfe sind barrierefrei, und Rollstuhlfahrern ist die Mobilitätsservice-Zentrale (MSZ) der Deutschen Bahn (DB) bei der Reiseplanung behilflich. Doch es gibt auch Schwachstellen.

Auf lange Sicht sollte die Deutsche Bahn im ICE Plätze für Reisende mit Rollstuhl sowohl in der 1. als auch in der 2. Klasse anbieten. | © Imago/JOKER


Im Gegensatz zu ihren Vorgängern 1 und 2 gibt es in vielen ICE-3-Zügen Plätze für Reisende mit Rollstuhl nur in der 2. Klasse. Diese Erfahrung machte auch VdK-Mitglied Oliver Backhaus aus Siegen. Der Rollstuhlfahrer wollte zu einem Champions-League-Spiel des FC Bayern von Köln nach München fahren. Als Inhaber der „Bahncard First“ kaufte er ein Ticket 1. Klasse mit Platzreservierung. „Erst beim Einstieg in den Zug teilte mir ein Bahnbediensteter mit, dass er mich nicht in die 1. Klasse lassen dürfe – mit der Begründung, dass ich von dort aus keine Chance hätte, eine Rollstuhlfahrer-Toilette zu erreichen“, berichtet er.

Betroffen sind die ICE-3-Baureihen 403 und 406, nicht aber der neuere Typ 407. Backhaus beschwerte sich bei der DB und erhielt folgende Antwort: „Da mit den behindertenfreundlichen Einrichtungen in den Zügen nicht nur höhere Kosten verbunden sind, sondern auch das Angebot von Standardsitzplätzen dadurch deutlich reduziert wird, bitten wir um Verständnis, dass wir einen für Rollstuhlfahrer in allen (...) Merkmalen ausgestatteten Bereich in der Regel nur einmal je Zugeinheit, und hier zumeist in der 2. Klasse, einrichten können.“ Die DB teilte mit, er könne auch weiterhin in der 1. Klasse fahren, wenn er beispielsweise in einem Faltrollstuhl reise und es ihm möglich sei, auch die dortige Toilette zu nutzen.

Die DB verweist auf Anfrage der VdK-Zeitung auf die Sonderausstattung, wie beispielsweise ein höhenverstellbarer Tisch, und auf den besonderen Service der Rollstuhlfahrerplätze. Rollstuhlfahrer dürften sie, egal ob in der 1. oder 2. Klasse, unabhängig von ihrer Fahrkarte nutzen. Wörtlich heißt es: „Mit diesen Informationen wird sicher deutlich, dass es sich bei den rollstuhlgerechten Bereichen gewissermaßen um einen klassenlosen Bereich handelt.“ In den ICEs der ersten Generation sei erst vor einigen Jahren der Rollstuhl-Bereich in der 1. Klasse eingerichtet worden. Dafür gebe es keinen solchen Bereich in der 2. Klasse.

Schon viel bewegt

Seit vielen Jahren steht die DB beim Thema Barrierefreiheit im engen Austausch mit den Behindertenverbänden – auch mit dem Sozialverband VdK Deutschland. In Zusammenarbeit mit der DB wurde schon viel bewegt, auch wenn es angesichts der umfangreichen Aufgaben der DB und der langen Lebensdauer von Eisenbahnen mit manchen Verbesserungen nicht so schnell geht, wie sich Menschen mit Behinderung das wünschen würden.

Während früher die Züge erst gar nicht auf die Beförderung von mobilitätseingeschränkten Menschen ausgerichtet waren, wird nun bei jedem Zugtyp darauf geachtet, dass Rollstuhlfahrer und andere Menschen mit einer Behinderung weitgehend problemlos ein- und aussteigen und die Zugeinrichtung nutzen können. Ein berechtigtes Anliegen ist aber, dass auch Menschen mit Behinderung frei wählen können, wie komfortabel sie reisen möchten.

Im Hinblick auf die Anliegen und Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention – die Teilhabe in allen Lebensbereichen – wird sich der Sozialverband VdK dafür einsetzen, dass Menschen mit Behinderung die freie Auswahl auch hinsichtlich der Wagenklasse erhalten. Eine pauschale Zurückweisung, wie im Fall des VdK-Mitglieds Oliver Backhaus, darf es nicht mehr geben. Auf lange Sicht sollte die DB Plätze für Reisende mit Rollstuhl künftig in beiden Wagenklassen realisieren.

#KASTEN{Für mobilitätseingeschränkte Reisende hat die Deutsche Bahn eine Mobilitätsservice-Zentrale eingerichtet. Sie ist täglich von 6 bis 22 Uhr unter Telefon (01 80) 6 51 25 12, Fax (01 80) 5 15 93 57 sowie per E-Mail an msz@deutschebahn.com erreichbar. Informationen rund um die Uhr erteilt die DB unter der Service-Nummer (01 80) 6 99 66 33. Nach der Begrüßung sollte das Stichwort „Betreuung“ genannt werden.


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ali

Schlagworte DB | Deutsche Bahn | 1. Klasse | Barrierefreiheit | barrierefrei | ICE | Rollstuhl | Rollstuhlfahrer | Behinderung

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