26. Februar 2015
VdK-Zeitung

Hilfsmittel: Manchmal reicht auch ein Miet-Rolli

Wann es sich lohnen kann, technische Hilfsmittel wie Rollstuhl oder Rollator zu leihen statt zu kaufen

Bei bestimmten Hilfsmitteln lohnt es sich zu prüfen, ob man sie mietet oder kauft. Beispielsweise, wenn man den Rollstuhl nach einer Operation nur übergangsweise benötigt. Vor der ­Anschaffung sollte man auf jeden Fall mit dem Arzt, der Krankenkasse oder der Pflegekasse ­sprechen, ob gegebenenfalls die Kasse die Kosten übernimmt. Auch der Sozialverband VdK ­berät. Ansonsten drohen teure Fehlentscheidungen.

Wer einen normalen Rollator benötigt, sollte mit dem Arzt und der Kasse darüber sprechen, ob die Gehhilfe bei einem Reha-Fachgeschäft ausgeliehen werden kann. | © Imago/Westend61

„Der Hilfsmittelbereich ist sehr umfangreich und unübersichtlich“, sagt Olaf Christen, Referent für Pflege beim Sozialverband VdK Deutschland.

Alle Hilfsmittel, die seitens der Kranken- und Pflegekassen bewilligt werden können, sind im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkasse aufgeführt. Daran orientiert sich der Arzt bei der Verordnung. Er stellt ein Rezept aus, beispielsweise für einen Gehstock, Rollator oder Rollstuhl. Diese werden im Gegensatz zu individuell angepassten Hilfsmitteln, wie Ban­dagen, Einlagen und Prothesen, auch von der Krankenkasse leihweise zur Verfügung gestellt. Olaf Christen: „Für den Versicherten ist dies die kostengünstigste Möglichkeit, ein Hilfsmittel zu erhalten, und macht immer dann Sinn, wenn keine individuelle Sonderanfertigung notwendig ist.“

Pflegehilfsmittel

Die gesetzlichen Krankenkassen haben in der Regel Verträge mit einzelnen Reha-Fachgeschäften abgeschlossen oder eigene Hilfsmittelcenter. Vor Ort kann man sich dann dort das gewünschte Produkt aussuchen. Will man ein anderes, muss man dieses selbst zahlen beziehungsweise entsprechend auch zuzahlen.

Für Versicherte, die bereits eine Pflegestufe haben, gibt es darüber hinaus noch die Möglichkeit, Pflegehilfsmittel in Anspruch zu nehmen. Diese sind in dem nicht ­minder umfangreichen Pflegehilfsmittelverzeichnis gelistet. Pflegehilfsmittel beziehen sich auf alles, was mit der Pflegesituation am Bett zu tun hat. Die Liste unterteilt sich in technische (zum Beispiel Pflegebett, Dekubitusmatratze, Toilettenstuhl) und zum Verbrauch bestimmte Produkte (zum Beispiel Einmalhandschuhe, Inkontinenz­artikel).

„Die einzelnen technischen Hilfsmittel werden von der Pflegekasse in der Regel über das Reha-Fachgeschäft an den Versicherten verliehen“, sagt Olaf Christen. Das sei auch sinnvoll, um flexibel auf veränderte Bedürfnisse eingehen zu können. Für zum Verbrauch bestimmte Produkte gilt das nicht. Bei der Überlassung von Hilfsmitteln und Pflegehilfsmitteln gibt es immer wieder Überschneidungen. Hier muss dann im Einzelfall mit dem Arzt und der Kasse geklärt werden, was verordnet werden kann.

Treppenlifte gehören in der Regel nicht zu den Hilfsmitteln, für die die Kasse zahlt. Es gibt aber Ausnahmen. Damit Pflegebedürftige weiter zu Hause leben können, kann die gesetzliche Pflegekasse einen Teil der Kosten in Form eines Zuschusses für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen übernehmen.

Zuschuss beantragen

Am 1. Januar 2015 wurde der Zuschuss erhöht. Für die Anschaffung zum Beispiel eines Treppenliftes gibt es nicht mehr bis zu 2557 Euro, sondern bis zu 4000 Euro pro Person. Ein pflegebedürftiges Ehepaar in einem Haushalt könnte sogar bis zu 8000 Euro erhalten.

Wer keine Pflegestufe hat, kann einen Zuschuss bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Rahmen des Programms „Investitionszuschuss für altersgerechtes Umbauen (455)“ beantragen. Er beträgt bis zu acht Prozent der förderfähigen Investitionskosten, maximal 4000 Euro pro Wohneinheit.

Bei Arbeitsunfällen, Wegeunfällen und Berufskrankheiten kann die Berufsgenossenschaft, bei Fremdverschulden das Versorgungsamt oder die gegnerische Haftpflichtversicherung den Treppenlift ganz oder teilweise finanzieren. Für alle Zuschüsse gilt: erst Rahmenbedingungen klären, beispielsweise auch mit dem Vermieter sprechen, dann erst den Treppenlift bestellen. Ansonsten bleibt man auf den Kosten sitzen. Olaf Christen rät, auch die Kosten für den Ein- und Ausbau des Treppenliftes mit dem Vermieter vorab schriftlich zu fixieren.

Der Treppenlift werde an die individuellen Bedürfnisse des Nutzers vor Ort angepasst, so Christen. Daher sei es oft schwierig, ihn weiterzugeben oder weiterzuverkaufen, wenn er kurzfristig nicht mehr benötigt werde. Das kann dann für die Nutzer teuer werden. Olaf Christen empfiehlt, vor dem Kauf zu prüfen, ob man einen neuen oder gebrauchten Treppenlift anschafft. Zunehmend bieten Hersteller jetzt auch schon an, in bestimmten Fällen einen Treppenlift zu leihen. Das macht Sinn, wenn man den Lift nur für einen bestimmten Zeitraum benötigt.

sko

Schlagworte Hilfsmittel | Pflegekasse | mieten | kaufen | Rollator | Rollstuhl | Treppenlift | Krankenversicherung | Pflegeversicherung | Pflegebedürftige | Gehstock

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