27. Januar 2015
VdK-Zeitung

So hilft der VdK: Erfolgreich durch den Paragrafen-Dschungel gekämpft

An Krebs erkranktes VdK-Mitglied gewinnt Streit mit den Behörden um den GdB und kann nun auch früher in Rente gehen

Die Diagnose Blasenkrebs hat Robert Herterich (57) aus der Bahn geworfen. Der Fachangestellte für Arbeitssicherheit aus Odelzhausen nahe dem bayerischen Dachau kämpfte nicht nur gegen die Krankheit, sondern auch gegen die Behörden. Mit seinen Kräften am Ende, suchte er schließlich Rat beim VdK. Dieser verhalf Robert Herterich zu seinem Recht und erkämpfte den ihm zustehenden Grad der Behinderung (GdB). Dadurch hat er die Möglichkeit, früher in Rente zu gehen.

© tarudeone/pixelio.de

Die Erstdiagnose von Robert Herterichs Krebserkrankung wurde 2002 gestellt, es kam zu jährlich wiederkehrenden Tumoren in Blase und Harnleiter. Mittlerweile wurde auch eine Niere entfernt. Trotzdem musste der Odelzhausener wegen seines GdB Kämpfe mit den Behörden führen. Schon seit 2008 plagte sich Herterich mit dem Versorgungsamt (in Bayern: Zentrum Bayern Familie und Soziales) ab, bis er sich hilfesuchend an den VdK-Kreisverband in Dachau wandte.

Von Heilung keine Rede Mehrfach prüfte das Amt, ob Herterich nicht doch geheilt sei. Das Versorgungsamt stufte seinen Grad der Behinderung, der bei 60 war, nach fünf Jahren wegen angeblicher Heilung auf 30 herunter. Und das, obwohl bei dem Krebspatienten weiterhin bösartige Tumore gefunden wurden. Von Heilung konnte also keine Rede sein. Ein Verlust der Schwerbehinderteneigenschaft hätte dem VdK-Mitglied zudem die Möglichkeit eines vorgezogenen Rentenbeginns genommen. Herterich sagt: „Ich fühle mich nicht in der Lage, bis 65 und 11 Monate zu arbeiten. Die Krankheit macht mir schwer zu schaffen.“

Und dann kam die Wende: Der Sozialverband übernahm für Herterich die Rechtsvertretung, legte Widerspruch gegen den Bescheid des Versorgungsamts ein und gewann. Herterich wurde aufgrund der Schwere seines Krebsleidens ein GdB von 70 zuerkannt. Die Möglichkeit, etwas früher in Rente gehen zu können, hat er damit erhalten. „Mit ihrem Vorgehen treibt das Versorgungsamt die Leute in Rechtsmittelverfahren“, erklärt Dachaus VdK-Kreisgeschäftsführerin Stefanie Otterbein.

Mühsame Arbeit

Der VdK war im Fall von Robert Herterich jedenfalls erfolgreich. Doch was sich im Nachhinein so einfach anhört, war mühsame Arbeit. Im Detail sah es folgendermaßen aus: Am 2. April 2013 wurde Herterichs GdB vom Versorgungsamt auf 30 zurückgestuft. Auch Herterichs Ärzte verstanden die Rückstufung des GdB nicht, denn es hatte nie eine Besserung der Erkrankung gegeben. Der VdK legte nun Widerspruch gegen die Rückstufung ein. Nach einigem Hin und Her und einem erneuten Rückstufungsverfahren zu Beginn 2014 kam am 7. August 2014 ein Bescheid, dass der GdB auf 70 erhöht wird, aber die Entfernung der Niere unberücksichtigt bleibt, obwohl die OP schon durchgeführt und dem Versorgungsamt bekannt war. „Wissentlich wurde hier also am 7. August 2014 ein Bescheid erlassen, ohne den Verlust der Niere zu berücksichtigen, die am 15. Juli 2014 entfernt wurde“, sagt Otterbein.

„Nach Ablauf der Widerspruchsfrist haben wir dann einen Überprüfungsantrag nach § 44 II SGB X gestellt und um zusätzliche Berücksichtigung des Nierenverlustes gebeten. Sonst wäre das der zweite Widerspruch gewesen, welchen Herr Herterich aufgrund der Fehler der Behörde hätte führen müssen.“ Ein Bescheid vom 20. Oktober 2014 habe ergeben, dass es bei einem GdB von 70 bleibt. Der Nierenverlust wurde gesondert aufgeführt, der Nachprüfungstermin auf Juli 2019 verlegt. Der Vorteil liegt für Stefanie Otterbein auf der Hand: Da 35 Versicherungsjahre erfüllt sind, hat Robert Herterich Anspruch auf eine Altersrente für schwerbehinderte Menschen und könnte dann mit 63 Jahren und 11 Monaten abschlagsfrei in Rente gehen.

Otterbein: „Das Beispiel von Herrn Herterich zeigt, wie sehr viele Betroffene im Behörden- und Bürokratie- Dschungel überfordert sind. Der Fall zeigt außerdem, dass medizinische Fragestellungen nicht einfach nach Aktenlage, sondern durch eine persönliche Begutachtung entschieden werden sollten.“
Robert Herterich kann seine ganze Kraft jetzt wieder für den Kampf gegen den Krebs einsetzen und betont: „Ich bin sehr froh, dass es den VdK gibt und dass die Mitarbeiterinnen in Dachau mir so zur Seite gestanden haben.“


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Schlagworte GdB | So hilft der VdK | Krebs | Rente | Versorgungsamt | Widerspruch | Bescheid

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