Sozialverband VdK Deutschland e.V.
25. September 2014
VdK-Zeitung

Neugierig sein ist keine Frage des Alters

Wie Kinder und alte Menschen von gemeinsamen Begegnungen profitieren

Forscher der Evangelischen Hochschule Freiburg haben drei Jahre lang die Begegnungen von über 80-jährigen Menschen und Vorschulkindern beobachtet. Dabei haben Kindergartenkinder regelmäßig Bewohner von benachbarten Altenheimen besucht. Das Ergebnis erfreut: Das Miteinander hat allen Beteiligten so gut gefallen, dass die Besuche fortgesetzt werden. Die kleinen Stammgäste sind den Senioren ans Herz gewachsen.

© Imago

Während es jahrhundertelang ganz normal war, dass viele Generationen unter einem Dach lebten, hat sich die Situation gewandelt. Durch die demografische Entwicklung und veränderte Formen des Zusammenlebens haben heute viele Hochbetagte keinen Umgang mit Kindern oder Babys mehr. Vor allem wenn alte Menschen in Altenpflegeeinrichtungen untergebracht sind, fehlt der Kontakt zu den jüngsten Mitgliedern der Gesellschaft. "Tatsache ist, dass es immer weniger Anlässe gibt, einander zu begegnen. Dass Senioren mit ihrem Rollator auf einen Kinderspielplatz gehen, ist die Ausnahme", sagt Professorin Dörte Weltzien, Pädagogin an der Evangelischen Hochschule Freiburg. Ändern lässt sich das nur, wenn man den Kontakt zueinander aktiv fördert.

Weltzien hat vor drei Jahren gemeinsam mit dem Gerontologen Professor Thomas Klie das Modellprojekt "Intergenerative Begegnungen" ins Leben gerufen, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt worden ist. Jede Woche sind Mitarbeiter einer Kindertagesstätte mit einem Grüppchen Kinder zu Fuß in eine Altenpflegeeinrichtung in der unmittelbaren Umgebung gelaufen. "Alleine schon der Spaziergang dorthin war ein Ereignis für die Drei- bis Sechsjährigen", erzählt Dörte Weltzien. Mit der Fantasie der Kinder wurde eine Glaseingangstür des Heims schnell zur "Zaubertür", und ein Aquarium im Foyer war der willkommene Anlass, jedes Mal die Fische zu zählen und zu bestaunen"}, berichtet die Projektleiterin.

Zur Webseite des Modellprojekts: www.intergenerative-begegnungen.de

Wie wurde die gemeinsame Zeit mit den Senioren gestaltet? Jede Stunde war von den Betreuern beider sozialer Einrichtungen vorbereitet worden. "Eine lockere Atmosphäre für alle lag uns am Herzen. Niemand wurde zwangsbeglückt", betont die Pädagogin. So sind viele schöne Aktionen in den drei Jahren entstanden: Märchen vorlesen, gemeinsames Singen und Tanzen, Verkleidungsspiele, zusammen frühstücken, Plätzchen und Kuchen essen. "Für die Kinder war die Erfahrung neu, sich regelmäßig mit den Senioren zu treffen", weiß Weltzien. Doch die Erfahrung hat gezeigt, dass die Vorschulkinder auch auf die Lebenswelt von alten Menschen neugierig waren. So beobachteten sie aufmerksam auch die körperlichen Altersunterschiede: Dass die Senioren an Mobilität einbüßen, faltigere Haut haben, manchmal ein Gebiss tragen und schlechte Augen haben können.

Heiterer Trubel

Und umgekehrt? "Die Heimbewohner waren am Anfang zurückhaltend. Die jungen Gäste bedeuteten Trubel und waren ihnen manchmal zu laut", so Weltzien. Doch das Blatt hat sich bald gewendet: "Der heitere Besuch der Kinder wurde zum wöchentlichen Höhepunkt für die alten Menschen." Auch die Erzieher und Pflegekräfte haben gerne mitgemacht. Und warum damit aufhören, wenn es allen Seiten gefällt, dachten sich die Teams – und führen das wöchentliche Ritual fort, obwohl das Forschungsprojekt abgeschlossen ist. Die schönen Erfahrungen, die die Generationen verbinden, möchte keiner mehr missen.

ant

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