Sozialverband VdK Deutschland e.V.
25. September 2014
VdK-Zeitung

Kommentar: Sprachbehindert

Worte können ein mächtiges Schwert sein. Das musste Claus Weselsky, Chef der GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer), erfahren, dessen allzu flapsiger Vergleich, den er über seine beiden Konkurrenzgewerkschaften gezogen hatte, auf ihn selbst negativ zurückfiel. Er hatte diese als "zwei Kranke" bezeichnet, die sich "zusammen ins Bett legen" und auf diese Weise "etwas Behindertes" zeugen.

VdK-Präsidentin Ulrike Mascher | © Peter Himsel

Nicht nur Selbsthilfeverbände oder die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Verena Bentele, empörten sich über Weselsky. Landauf, landab erntete er absolutes Unverständnis für diese unbedachte Aussage. Die Häme, die er über seine Konkurrenz ausgießen wollte, bekam er selbst postwendend zu spüren.

So gesehen ist das eigentlich eine gute Nachricht, denn dass solche diskriminierenden Aussagen auf keine Toleranz mehr stoßen, belegt, dass die Gesellschaft inzwischen sensibler geworden ist. Nein, als "Ausrutscher" geht so eine Äußerung heute nicht mehr durch.

Die sprachlichen Bilder, die jemand verwendet, sind ein Abbild der Einstellungen, die dahinter stecken. Die empörten Reaktionen zeigen, dass sich etwas geändert hat an der Wahrnehmung, die wir von Menschen mit Behinderung haben. Auch vermeintlich bequeme Verkürzungen wie die, einen Menschen mit Behinderung einfach als "Behinderter" zu bezeichnen, gehen nicht mehr so einfach durch. Denn mit dieser Bezeichnung wird ein einzelnes Merkmal dem ganzen Menschen als Stempel aufgedrückt.

Medien und Politik kommen für die öffentliche Sprache eine Vorbildfunktion zu. Menschen mit Behinderung wollen nicht länger hinnehmen, wie über sie gesprochen und berichtet wird. Aufklärungsarbeit liefert das Netzwerk "Leidmedien", das auf teils humorvolle Weise manch diskriminierende Formulierung entlarvt. So liest und hört man beispielsweise oft, jemand sei "an den Rollstuhl gefesselt". Dazu heißt es bei den "Leidmedien" zutreffend: "Ein Rollstuhl ist keine Einschränkung, sondern ein Fortbewegungsmittel. Sollten Sie tatsächlich jemanden treffen, der an den Rollstuhl gefesselt ist, binden Sie ihn los!"

Wir sollten uns immer wieder an die eigene Nase fassen, denn vor diskriminierenden Gedankenlosigkeiten ist leider niemand gefeit. Insofern muss man Claus Weselsky fast dankbar sein für seinen groben Patzer: Er hat uns zum Nachdenken gebracht.

Zum Thema:

Website "Leidmedien - Über Menschen mit Behinderungen berichten": www.leidmedien.de

Ulrike Mascher

Aktuelle Artikel im Juli / August 2016:

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Krankheit ist ein hohes Armutsrisiko. Wer aus gesundheitlichen Gründen Erwerbsminderungsrente bezieht, erhält oft eine Rente unter Grundsicherungsniveau. Der Sozialverband VdK fordert, die Situation der Frührentner nachhaltig zu verbessern. Der VdK warnt vor hohen Armutsquoten und fordert Abschaffung der Abschläge bei Erwerbsminderung.
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Hier finden Sie die Artikel aus unserer Reihe "So hilft der VdK":

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In unserer beliebten Serie "So hilft der VdK" berichten wir in der VdK-Zeitung regelmäßig über echte Fälle aus der Sozialrechtsberatung unserer VdK-Landesverbände. | weiter
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Unsere Pressemitteilungen informieren bundesweit über wichtige Forderungen, Positionen, Ziele und Termine des Sozialverbands VdK.
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Das VdK-Internet-TV ist das Videoportal des Sozialverbands VdK. Unter www.vdktv.de finden Sie mehr als 100 spannende und informative Filmbeiträge rund um die Themen des Verbands, zum Beispiel zu Rente, Pflege, Behinderung, Gesundheit, Leben im Alter, Arbeitsmarkt und viele mehr!
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Journalisten finden hier Hintergrundinformationen und Logos zum VdK Deutschland sowie Pressefotos und eine Vita der VdK-Präsidentin.
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Foto einer VdK-Zeitung von Juli / August 2016
Die VdK-Zeitung erscheint zehnmal pro Jahr. Mit einer Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren gehört sie zu den größten Mitgliederzeitungen bundesweit.