17. Februar 2014
VdK-Zeitung

Armutsquote auf Rekordhoch

Die Kluft wächst weiter – auch die Bundesländer driften auseinander

Die Armutsquote ist im vergangenen Jahr auf ein neues Hoch gestiegen und liegt nun bei 15,2 Prozent. Das geht aus dem jüngsten Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands hervor. Auch zwischen den Bundesländern nimmt das Ungleichgewicht immer mehr zu: Während Bayern und Baden-Württemberg vergleichsweise gut dastehen, geht es den ohnehin ärmeren Regionen noch schlechter als 2012.

"Die Kluft wächst!" - Auf die wachsende Kluft zwischen arm und reich machte der VdK bereits 2010 in einer bundesweiten Plakataktion aufmerksam. | © VdK

Bereits seit 2010 warnt der VdK, dass die Kluft zwischen Arm und Reich wächst. "Renten, die zum Leben kaum genügen, Niedriglöhne, die keine Familie ernähren können: Armut ist nicht mehr wegzudiskutieren oder gar schönzureden", betonte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher bei der VdK-Aktion für soziale Gerechtigkeit "Endlich handeln!" im Vorfeld der Bundestagswahlen im Herbst 2013 (Informationen zur Aktion: )

Mit dem jüngsten Armutsbericht sieht sich der VdK in diesen Aussagen bestätigt. Armut hat sich abgekoppelt Als "arm" oder "armutsgefährdet" gelten Menschen, die mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen müssen. Die jüngste Studie belegt, dass immer mehr Bürger trotz Wirtschaftswachstums und sinkender Arbeitslosigkeit nicht genug zum Leben verdienen. Auf Niedriglöhne und prekäre Beschäftigungsverhältnisse verweist auch die Armutsquote, die gestiegen ist, obwohl immer weniger Menschen Grundsicherung beziehen. Dies sei ein Zeichen dafür, dass sich die Armutsentwicklung endgültig von der Konjunktur abgekoppelt hat, so der Verband. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst weiterhin durch stetig steigende Lebenshaltungskosten. Arme Haushalte haben wenig Spielraum, um sich einzuschränken.

Gespart wird bei Anschaffungen wie Fernseher und Unterhaltungselektronik; der Besuch kultureller Veranstaltungen, aber auch manche aufwändige medizinische Behandlung sind oft nicht im Budget. Steigende Mieten und Energiekosten sowie Preiserhöhungen bei Lebensmitteln können kaum abgefedert werden.

Die Kluft wächst – nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch zwischen den armen und den reichen Bundesländern. In Baden- Württemberg und Bayern verbesserte sich die Armutsquote auf 11,1 beziehungsweise 11,2 Prozent. Im Mittelfeld rangieren die alten, im unteren Drittel die neuen Bundesländer sowie die Stadtstaaten Berlin und Schlusslicht Bremen. Besonders kritisch ist die Lage in der Hansestadt Bremen, wo mittlerweile fast jeder Vierte als arm gilt: Die Quote steigt seit Jahren ungebremst, im vergangenen Jahr von 22,3 auf 23,1 Prozent. Auch für Nordrhein-Westfalen gibt es keine Entwarnung: Dortmund (26,4 Prozent) und Duisburg (25,1 Prozent) zählen mittlerweile zu den ärmsten Städten Deutschlands.

Dramatisch ist die Situation auch deshalb, weil Regionen mit hoher Armut kaum gegensteuern können, sondern zudem noch an der Infrastruktur sparen müssen. Wörtlich heißt es in dem Bericht: "Es entstehen regionale Armutsspiralen", die ohne Unterstützung von Land oder Bund nicht mehr gestoppt werden können.

Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbands herunterladen:

www.der-paritaetische.de/ab2013/download

ali

Schlagworte Armut | Armutsbericht | Arbeitslosigkeit | Kluft | Niedriglöhne

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