Sozialverband VdK Deutschland e.V.
21. Oktober 2013
VdK-Zeitung

Barrierefreie Wohnungen für Ältere fehlen - VdK und Deutscher Mieterbund fordern Finanzierungsprogramm

Der Wohnungsmarkt in Deutschland ist auf die älter werdende Bevölkerung nicht vorbereitet. Weder Zahl noch Ausstattung der Wohnungen werden älteren Menschen gerecht.

Viele ältere Häuser haben hohen Sanierungsbedarf. Für das seniorengerechte Wohnen sind dringend Fördermittel nötig. | © Imago

Das belegen Zahlen der Bundesregierung. Der Sozialverband VdK und der Deutsche Mieterbund (DMB) fordern eine jährliche Fördersumme von 540 Millionen Euro für eine zukunftsfeste Wohnungspolitik.

Nur etwa fünf Prozent der Älteren in Deutschland leben in barrierearmen Wohnungen, die also wenig Stolperfallen aufweisen und auch gut von außen zu erreichen sind. Vor allem in den Umbau von Bädern müsste dringend investiert werden, damit Senioren so lange wie möglich auch bei nachlassender Gesundheit und Mobilität zu Hause leben können. Heute wohnt die Bevölkerungsgruppe 65plus zu 83 Prozent in älterem Baubestand – sowohl zur Miete als auch in der selbst genutzten Immobilie. Für ein selbstständiges Leben im Alter sind die wenigsten Wohnungen, in denen Senioren leben, geeignet. Aktuell gibt es nur etwa 550.000 altersgerechte Wohnungen, bis 2020 – also schon in sieben Jahren – wird sich der Bedarf auf drei Millionen erhöhen. Diese Zahlen sind im Auftrag der Bundesregierung vom Institut für Bau-, Stadt- und Raumforschung erhoben worden. Bisher sind jedoch wenig Ansätze erkennbar, wie man sich dieser demografischen Herausforderung wohnungspolitisch stellen will, kritisieren der Sozialverband VdK und der Deutsche Mieterbund (DMB).

VdK und DMB beziffern den jährlichen Förderbedarf auf 540 Millionen Euro in den nächsten Jahren, um zu einer schnellen Anpassung des Wohnungsbestandes im dringend erforderlichen Umfang zu gelangen. "Es ist abzusehen, dass in den nächsten Jahren die Zahl der Pflegebedürftigen deutlich ansteigen wird", so VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. "Diese Menschen können und wollen nicht alle ins Pflegeheim umziehen, zumal es dafür gar nicht genügend Plätze gibt."

Leider stoßen ältere Haus- und Wohnungsbesitzer bei der Finanzierung von Umbaumaßnahmen schnell an ihre Grenzen. Zudem werden ihnen bei den Banken oftmals Kredite verweigert. Wenn der Vermieter Sanierungen zur Senkung des Energiebedarfs durchführt, werden die Kosten auf die Mieter umgelegt. Das lässt die Mieten gerade in älteren Gebäuden spürbar steigen. Dies trifft Rentner mit kleinen Einkommen in besonderem Maße. Alternativen sind vor allem in Ballungsräumen nicht in Sicht. In München etwa müssen vom Einkommen durchschnittlich 25,5 Prozent für Mietkosten aufgewendet werden, bei Seniorenhaushalten frisst die Miete sogar häufig mehr als die Hälfte der Rente.

Eine altersgerechte Wohnungspolitik gehört nach Meinung des VdK zu einer demografischen Gesamtstrategie, die auch Weichenstellungen in der Bildungs-, Arbeitsmarkt-, Renten- und Gesundheitspolitik umfasst. "Wenn wir ganzheitlich an das Thema herangehen, verliert die demografische Herausforderung ihren Schrecken", ist Mascher überzeugt. Der VdK fordert, dass die neue Bundesregierung das Investitionsprogramm "Altersgerecht umbauen" wieder aufnehmen und mit 540 Millionen Euro jährlich finanzieren soll. Schon heute haben fast zwei Millionen Seniorenhaushalte ein Einkommen knapp über der Grundsicherung. Einige von ihnen beziehen deshalb Wohngeld. Angesichts explodierender Energiekosten appellieren VdK und DMB auch an die neue Regierung, den 2011 gestrichenen Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger wieder einzuführen. Mascher: "Niemand sollte in Deutschland im Winter frieren müssen."


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bsc

Schlagworte Wohnungsmarkt | Senioren | Barrierefreiheit | seniorengerecht | Miete | Wohnungspolitik | Ältere | altersgerecht | Energiekosten | Pflegebedürftige | barrierearm | Mietkosten

 

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