Sozialverband VdK Deutschland e.V.
26. September 2013
VdK-Zeitung

Anspruch auf Krankengeld nicht gefährden - Fragen und Antworten zum Thema Krankengeld

Wer im Anschluss an einen Klinikaufenthalt arbeitsunfähig bleibt, muss aufpassen. Entsteht hier eine Lücke bei den Krankschreibungen, kann das schwerwiegende Folgen haben. So können der Anspruch auf Krankengeld und Arbeitslosengeld I verfallen. Jürgen Walther, Diplom-Sozialarbeiter im Nationalen Zentrum für Tumorerkrankungen der Uni-Klinik Heidelberg, erklärt, worauf zu achten ist.

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VdK-Zeitung: Ich liege als Arbeitnehmer im Krankenhaus. Wann muss der Arbeitgeber meine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) auf dem Tisch haben?

Jürgen Walther: Wenn Sie im Krankenhaus stationär behandelt werden, beispielsweise nach einem Unfall, müssen Sie den Arbeitgeber unverzüglich informieren, sobald Sie dazu in der Lage sind, oder Familie, Freunde und Bekannte bitten, dieses für Sie zu tun. Bei der Entlassung bekommen Sie eine Aufenthaltsbestätigung vom Krankenhaus, die den Anspruch auf Entgeltfortzahlung sichert. Wenn Sie über den Aufenthalt hinaus weiter arbeitsunfähig sind, müssen Sie auf den lückenlosen Anschluss der weiteren Krankschreibung achten. Angenommen, Sie stehen in einem Arbeitsverhältnis und erhalten bereits Krankengeld (nach sechs Wochen Lohnfortzahlung).

Sie werden am Freitag ohne weitere Krankschreibung aus dem Krankenhaus entlassen, an diesem Tag endet auch die festgestellte Arbeitsunfähigkeit Ihres letzten Auszahlscheins für Krankengeld. Am Montag suchen Sie Ihren Hausarzt auf, der Sie ab sofort wieder arbeitsunfähig schreibt. Krankengeldanspruch entsteht aber erst am Tag, der auf die ärztliche Feststellung folgt, das heißt in unserem Fall am Dienstag. Dies bedeutet, dass Sie von Samstag bis Montag, für drei Tage, Ihren Krankengeldanspruch verlieren. Um dies zu vermeiden, muss man sich entweder über die Entlassung hinaus vom Krankenhausarzt arbeitsunfähig schreiben lassen oder noch am Freitag den Hausarzt beziehungsweise einen Wochenendbereitschaftsdienst aufsuchen.

VdK-Zeitung: Ich bin arbeitslos. Was muss ich bei der Entlassung aus der Klinik berücksichtigen?

Walther: Gerade in diesem Fall müssen Sie unbedingt darauf achten, dass die weitere Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nahtlos an die Entlassung anschließt. Unser Fall von oben: Werden Sie beispielsweise am Freitagmorgen entlassen, müssen Sie sich noch am selben Tag bei Ihrem Hausarzt bestätigen lassen, dass Sie weiterhin arbeitsunfähig sind. Falls der nicht erreichbar ist, gehen Sie zu einem Facharzt oder zum Bereitschaftsarzt, der auch zu Ihnen nach Hause kommt, wenn Sie nicht mobil sind.

VdK-Zeitung: Und wenn ich erst am Montag zum Arzt gehe?

Walther: Das ist ganz schlecht. Das heißt, Sie werden am Freitag entlassen, gehen am Montag zum Arzt, der Anspruch auf Krankengeld für Arbeitslose würde damit wieder am Montag entstehen. Arbeitslose haben aber nur dann Anspruch auf Krankengeld, wenn sie vorher Arbeitslosengeld I bezogen haben oder wenn die Arbeitslosigkeit während des Bezugs von Krankengeld entstanden ist. Die entstandene Lücke in der Arbeitsunfähigkeit von Samstag bis Sonntag führt dazu, dass Sie zwar arbeitslos, aber ohne Bezug von Arbeitslosengeld I waren, damit entsteht auch kein neuer Krankengeldanspruch.

Ein Anspruch auf Arbeitslosengeld I besteht auch nicht. Voraussetzung für den Bezug von Arbeitslosengeld I ist nämlich, dass Sie dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Das tun Sie aber nicht, denn Sie sind ja krank, können also nicht arbeiten. Dann bleibt Ihnen nur noch Hartz IV. Und es kommt noch schlimmer: Sie verlieren auch Ihren Krankenversicherungsschutz, beziehungsweise Ihren Status als Pflichtversicherter, da Sie weder sozialversicherungspflichtig beschäftigt, noch Bezieher von Kranken- oder Arbeitslosengeld I sind. Unter Umständen müssen Sie sich dann freiwillig weiterversichern.

Hinweis der Redaktion: Seit dem 1.8.2013 gibt es eine neue Rechtslage: Wenn das Krankengeld und damit die Pflichtversicherung wegfällt, verliert man nicht mehr seinen Versicherungsschutz, sondern wird freiwillig versichert.


VdK-Zeitung: Welche Gruppen sind besonders gefährdet?

Walther: Besondere Risiken tragen Arbeitslose, von Arbeitslosigkeit Bedrohte oder Beschäftigte, die einen befristeten Vertrag haben, der während einer Krankschreibung ausläuft. Sie verlieren bei einer Lücke sofort ihren Anspruch auf Krankengeld.

VdK-Zeitung: Kann ich mich rückwirkend krankschreiben lassen?

Walther: Nein, bei längeren Zeiten der Arbeitsunfähigkeit geht das nicht. Das Bundessozialgericht betont ausdrücklich, dass es die Pflicht des Leistungsbeziehers ist, den Nachweis der nahtlosen Arbeitsunfähigkeit zu führen. Bei Versäumnissen stellen Krankenkassen mit Verweis auf die Rechtslage mittlerweile sofort die Krankengeldzahlung ein. Wettbewerb und Ökonomisierung des Gesundheitssystems haben dazu geführt, dass Entscheidungsspielräume von Sozialleistungsträgern immer weniger zugunsten des Versicherten ausgelegt werden.

sko

Schlagworte Krankengeld | Krankschreibung | Arbeitslosengeld 1 | Arbeitslose | Arbeitsunfähigkeit | Krankenkasse | Krankengeldzahlung

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