Sozialverband VdK Deutschland e.V.
25. Februar 2013
VdK-Zeitung

Minijobs erhöhen das Risiko der Altersarmut

Über sieben Millionen Menschen arbeiten derzeit in einem Minijob. Jeder fünfte Arbeitsvertrag läuft bereits auf dieser Basis.

Ein typischer 450-Euro-Job: Supermarktregale auffüllen | © Imago

Seit Januar dieses Jahres können geringfügig Beschäftigte statt bisher 400 Euro 450 Euro verdienen, ohne Steuern und Sozialabgaben zahlen zu müssen. Doch das täuscht darüber hinweg, dass für die meisten der Minijob in eine Sackgasse führt. Denn das Risiko, im Alter arm zu sein, wächst.

Sie füllen Supermarktregale auf, putzen Büros und kellnern in Restaurants - die Zahl der Minijobber wächst seit Jahren. Kleine Arbeitsplätze, große Probleme: Eigentlich sollten die sogenannten Minijobs bloß Nischen füllen. Doch inzwischen sind sie ein Massenphänomen. In einigen Branchen verdrängen sie in großem Stil reguläre Jobs. So arbeiten in Kneipen und Restaurants schon mehr als ein Drittel aller Beschäftigten als geringfügig Beschäftigte, in Supermärkten und anderen Geschäften fast ein Viertel. Trotzdem entsteht mit jedem neuen Minijob keineswegs immer ein zusätzlicher Arbeitsplatz. Viele Minijobber verrichten die Arbeit, die früher regulär Vollbeschäftigte geleistet haben. Das geht aus einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Kaum Ansprüche auf soziale Sicherung

Der Sozialverband VdK sieht in dieser Entwicklung einen weiteren Beleg dafür, dass die soziale Ungerechtigkeit wächst. "Die Anhebung der Verdienstgrenzen führt zu einer Ausweitung der prekären Beschäftigung. Minijobs erhöhen zudem das Risiko, später in die Altersarmut abzurutschen", warnt VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Wer in einem Minijob arbeitet, erwirbt kaum Ansprüche auf soziale Sicherung. Für zwei Drittel der geringfügig Beschäftigten ist dies das einzige bezahlte Arbeitsverhältnis. Sie haben keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

So bekommen Frauen, die 45 Jahre in Minijobs arbeiten, eine Rente von weniger als 200 Euro monatlich.
Minijobs, die seit dem 1. Januar 2013 aufgenommen werden, sind künftig in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig. Mit einem Eigenbeitrag stocken die Beschäftigten den pauschalen Arbeitgeberbeitrag auf den vollen Rentenversicherungsbeitrag auf. Verdient der Beschäftigte 450 Euro monatlich, so zahlt er einen Eigenbeitrag in Höhe von 17,55 Euro. Für bestehende Minijobs gilt weiterhin die Regel, dass die Beschäftigten neben dem Pauschalbeitrag des Arbeitgebers keine eigenen Beiträge zahlen. Sie können aber den Arbeitgeberbeitrag freiwillig aufstocken. Dadurch kommen sie in den Genuss des vollen Schutzes der gesetzlichen Rentenversicherung.

Durch einen versicherungspflichtigen Minijob können sie eine Absicherung bei Erwerbsminderung erlangen oder aufrechterhalten. Zudem haben sie dadurch Anspruch auf eine medizinische oder berufliche Rehabilitation. Auf Antrag können sich Beschäftigte von der Zahlung des eigenen Beitrags befreien lassen. Das kann allerdings zu einer Einschränkung des sozialen Schutzes durch die gesetzliche Rentenversicherung führen, etwa zum Wegfall der Absicherung im Fall der Erwerbsminderung.

An Mindestlöhnen geht kein Weg mehr vorbei

Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung erhalten mehr als 80 Prozent der Minijobber einen Niedriglohn. Darüber hinaus werden sie oft behandelt, als ob Tarifverträge oder gesetzliche Regeln, etwa zum Kündigungsschutz, für sie nicht gelten. Die niedrigen Personalkosten machen es zudem für Arbeitgeber attraktiv, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung durch Minijobs zu ersetzen.

Um diese Entwicklung zu stoppen, führt aus Sicht des Sozialverbands VdK kein Weg daran vorbei, den gesetzlichen Mindestlohn einzuführen. "Aus Niedriglöhnen werden Niedrigrenten. Wir erkaufen uns das sogenannte Jobwunder mit einer hohen Zahl künftiger Rentner, die in Altersarmut leben", so Ulrike Mascher. In den letzten zwölf Jahren ist die Zahl der Ruheständler mit einem Minijob um knapp 60 Prozent gestiegen. Fast 800.000 Rentner gehen arbeiten, meistens um ihre mageren Altersbezüge aufzustocken. Diese Entwicklung werde sich künftig noch weiter verschärfen, wenn sich an der Arbeitsmarktpolitik nichts ändert. Minijobs seien jedenfalls kein geeignetes Mittel, um mehr Menschen in sozialversicherungspflichtige Arbeit zu bekommen.

ikl

Schlagworte Minijob | Ältere | Rentner | Geringverdiener | Armut | Mindestlohn | Altersarmut | geringfügig Beschäftigte

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