Sozialverband VdK Deutschland e.V.
28. September 2012
VdK-Zeitung

Technologie erleichtert den Alltag

Sozialpolitischer Ausschuss informierte sich über Assistenzsysteme

Beim Arbeitstreffen des Sozialpolitischen Ausschusses des VdK Deutschland in Berlin informierten sich die Teilnehmer über Ziele und Möglichkeiten von AAL (Ambient Assisted Living). Der Begriff bedeutet auf Deutsch in etwa "umgebungsunterstütztes Leben" oder "selbstbestimmtes Leben durch innovative Technik". Alltagsunterstützende Technologien sollen auch bei Behinderung und Pflegebedürftigkeit ein selbstständiges Leben ermöglichen. Durch die Sitzung führte Roland Sing, Vizepräsident des VdK Deutschland und Vorsitzender des Sozialpolitischen Ausschusses.

Sitzung des Sozialpolitischen Ausschusses in Berlin (von links): Ausschuss-Vorsitzender Roland Sing, VdK-Präsidentin Ulrike Mascher und VdK-Bundesausschuss-Vorsitzender Armin Lang. | © Foto: Kaiser

"Denken Sie an den Airbag", eröffnete die AAL-Expertin des Sozialverbands VdK, Birgid Eberhardt, ihren Vortrag, "der galt zuerst als Luxus, jetzt gehört er zur Ausstattung jedes Neuwagens." Solange er noch in wenigen Autos verbaut wurde, war er teuer. Jetzt, da er ein Massenprodukt ist, ist er günstig geworden. "Eine solche Entwicklung ist auch bei AAL möglich", ist die Technikerin und Gerontologin überzeugt.

Das Bügeleisen schaltet sich automatisch ab, wenn es zu lange nicht bewegt wird. Rauchmelder schlagen Alarm bei Feuer und Qualm. Solche praktischen Helfer zählen zu den alltagsunterstützenden Technologien, die nicht nur Senioren zu schätzen wissen. "Technik verschafft Komfort, schützt die Hausbewohner und unterstützt bei eingeschränkter Mobilität", zählte Eberhardt auf. Speziell für kranke oder behinderte Menschen kann AAL aber noch mehr, wie sie an weiteren Beispielen zeigte: Demenziell Erkrankte können länger in ihrer vertrauten Umgebung bleiben, weil ihre Wohnung bei Bedarf auch von außen kontrolliert werden kann und schnell jemand vor Ort ist, wenn etwas passiert. Sensormatten und -teppiche schlagen Alarm, wenn eine Person längere Zeit am Boden liegt.

"Die Akzeptanz dafür ist sofort da, wenn jemand einmal eine hilflose Situation wie nach einem Sturz in der Wohnung erlebt hat", wusste die Expertin. Noch scheitert die Anschaffung oft an den hohen Kosten. Eberhardt forderte deshalb, dass ausgewählte Assistenzsysteme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden. Letztlich seien die technischen Hilfsmittel für die Kassen günstiger, als es ein Heimpflegeplatz sein kann.

VdK-Wohnberatung

Armin Lang, Vorsitzender des VdK Saarland und Vorsitzender des Bundesausschusses des VdK Deutschland, wies darauf hin, dass in manchen Landesverbänden bereits VdK-Angebote zur Wohnberatung existieren, teilweise sogar mit eigenen AAL-Ausstellungsbereichen wie in Frankfurt am Main. Der Sozialpolitische Ausschuss unterstützt das Anliegen, technische Assistenzsysteme auf VdK-Ebene publik zu machen. So soll mit Unterstützung des Bundesfamilienministeriums und der Landesmedienanstalt Saarland ein VdK-Film über AAL produziert werden, der Anfang 2013 fertiggestellt werden soll und dann auch den Verbandsstufen zur Verfügung steht.

Darüber hinaus tauschten sich die Teilnehmer zu aktuellen sozialpolitischen Themen aus. VdK-Präsidentin Ulrike Mascher informierte über die neuesten Entwicklungen in der Diskussion um Altersarmut und Rente. Sie kritisierte Bundessozialministerin Ursula von der Leyen dafür, dass diese trotz ihres Dialogs mit den Verbänden an ihrem ersten Konzept "nichts Substanzielles" verändert habe.

Ähnlich kritisch analysierte Roland Sing, Vorsitzender des Sozialpolitischen Ausschusses, das Pflegeneuordnungsgesetz, das am 1. Januar 2013 in Kraft treten soll. Aus Sicht des VdK wurden zwei wesentliche Forderungen weiterhin nicht erfüllt: Ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff wurde nicht umgesetzt und Demenzpatienten bleiben systematisch benachteiligt. Der "Pflege-Bahr", also eine private Zusatzversicherung gegen das Pflegerisiko, ist für Sing "eine Diskriminierung älterer und sozial benachteiligter Menschen".

Auch das neue Patientenrechtegesetz wurde im Sozialpolitischen Ausschuss diskutiert. Jens Kaffenberger, stellvertretender VdK-Bundesgeschäftsführer, nannte es "eine eher symbolische Gesetzgebung". So sei beispielsweise die Zahl der Unabhängigen Patientenberatungsstellen von der Bundesregierung nicht erhöht worden.

bsc

Aktuelle Artikel im Juli / August 2016:

VdK-Zeitung
Symbolfoto: Ein älterer Bauarbeiter trägt eine Leiter
Krankheit ist ein hohes Armutsrisiko. Wer aus gesundheitlichen Gründen Erwerbsminderungsrente bezieht, erhält oft eine Rente unter Grundsicherungsniveau. Der Sozialverband VdK fordert, die Situation der Frührentner nachhaltig zu verbessern. Der VdK warnt vor hohen Armutsquoten und fordert Abschaffung der Abschläge bei Erwerbsminderung.
VdK-Zeitung
Symbolfoto: Bewohner eines Pflegeheims sitzen in Rollstühlen an Tischen
Die Note eins haben fast alle Pflegeheime in Deutschland beim „Pflege-TÜV“ des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) bekommen. Wie gering die Aussagekraft dieser Bewertungen ist, zeigen aktuelle Medienrecherchen.

VdK-Zeitung
Foto: VdK-Mitglied Lieselotte Kramer und Redakteurin Ines Klut gehen gemeinsam über einen Bahnsteig.
Um ein Gefühl für das Alter zu bekommen, erkundete VdK-Redakteurin Ines Klut einen Tag mit einem Alterssimulationsanzug Berlin. Auf dem Programm standen typische Aktivitäten, die im Alter beschwerlicher werden - zum Beispiel Einkaufen, öffentliche Verkehrssmittel nutzen oder eine Reise im Reisebüro buchen.
VdK-Zeitung
Foto: Angelika Szymanski im Büro des VdK Kreisverbands Coburg mit VdK-Kreisgeschäftsführer Thomas Steinlein
Mit Hilfe des VdK konnte Angelika Szymanski aus dem oberfränkischen Landkreis Coburg
15 Monate früher in Rente gehen. Die Deutsche Rentenversicherung hatte es versäumt, sie darauf hinzuweisen, freiwillig in die Rentenkasse einzubezahlen, um vorzeitig die Wartezeit zu erfüllen. Der VdK beantragte mit Erfolg eine rückwirkende Beitragszahlung.

Hier finden Sie die Artikel aus unserer Reihe "So hilft der VdK":

VdK-Zeitung
Symbolfoto: Eine Statue der Justitia
In unserer beliebten Serie "So hilft der VdK" berichten wir in der VdK-Zeitung regelmäßig über echte Fälle aus der Sozialrechtsberatung unserer VdK-Landesverbände. | weiter
VdK-Pressemeldung
Foto: Ulrike Mascher bei einer Pressekonferenz
Unsere Pressemitteilungen informieren bundesweit über wichtige Forderungen, Positionen, Ziele und Termine des Sozialverbands VdK.
Presse
Symbolfoto: Eine Kamera filmt die VdK-Präsidentin
Das VdK-Internet-TV ist das Videoportal des Sozialverbands VdK. Unter www.vdktv.de finden Sie mehr als 100 spannende und informative Filmbeiträge rund um die Themen des Verbands, zum Beispiel zu Rente, Pflege, Behinderung, Gesundheit, Leben im Alter, Arbeitsmarkt und viele mehr!
Presse
Symbolfoto: Eine Fotokamera
Journalisten finden hier Hintergrundinformationen und Logos zum VdK Deutschland sowie Pressefotos und eine Vita der VdK-Präsidentin.
VdK-Zeitung
Foto einer VdK-Zeitung von Juli / August 2016
Die VdK-Zeitung erscheint zehnmal pro Jahr. Mit einer Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren gehört sie zu den größten Mitgliederzeitungen bundesweit.