Sozialverband VdK Deutschland e.V.
Startseite | Mitglied werden | Kontakt | Leichte Sprache
26. April 2012
VdK-Zeitung

Der Spagat zwischen Beruf und Pflege

Wer Familienpflegezeit beantragen kann und was dabei im Einzelnen zu beachten ist

Beruf und Pflege lassen sich oft nur schwer vereinbaren. Das will die Bundesregierung nun mit der Familienpflegezeit ändern. Seit Beginn dieses Jahres können Berufstätige ihre Arbeitszeit maximal zwei Jahre reduzieren, um Angehörige zu pflegen. Es handelt sich um eine freiwillige Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Der Sozialverband VdK fordert einen Rechtsanspruch auf die neue Familienpflegezeit. Die Freiwilligkeit reicht nicht aus, denn so mancher Berufstätige wird sich nicht trauen, beim Arbeitgeber nachzufragen. Auch die damit verbundenen Lohneinbußen kann sich nicht jeder leisten. Ob und für wen sich die Familienpflegezeit eignet, richtet sich nach der persönlichen Situation. Die VdK-Zeitung gibt nachfolgend einen Überblick über die wichtigsten Fragen.

Wer kann Familienpflegezeit beantragen?

Nur nahe Angehörige: Ehegatten, Lebenspartner, Geschwister, Kinder, Adoptiv-, Pflege-, Schwieger- und Enkelkinder, Großeltern, Eltern und Schwiegereltern. Voraussetzung: Der pflegebedürftige Angehörige muss bereits Pflegestufe I bewilligt bekommen haben.

Wie funktioniert Familienpflegezeit?

Berufstätige können im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber schriftlich vereinbaren, ihre Arbeitszeit flexibel auf bis zu 15 Stunden pro Woche zu reduzieren, und zwar für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren. Das monatliche Bruttogehalt wird entsprechend gekürzt. Wer die Arbeitszeit beispielsweise um 50 Prozent reduziert, bekommt 75 Prozent des Gehalts. Der Arbeitgeber stockt es um die Hälfte der Kürzung auf. Nach Ablauf der Familienpflegezeit wird das Gehalts- und Zeitkonto in der sogenannten Nachpflegephase ausgeglichen. Dazu kann beispielsweise auch eine höhere Arbeitszeit vereinbart werden, um den Gehaltsvorschuss schneller abzuarbeiten.

Besteht Kündigungsschutz?

Ja. Während der Familienpflegezeit gilt man weiter als erwerbstätig und ist sozialversichert. Während dieser Zeit und in der Nachpflegephase besteht Kündigungsschutz. Eine Kündigung ist allerdings nur in begründeten Ausnahmefällen möglich.

Was ist mit meiner Rente?

Auch die Rentenansprüche bleiben bestehen. Während der Familienpflegezeit überweist der Arbeitgeber Beiträge zur Rentenversicherung. Zusätzlich überweist die Pflegekasse der Rentenversicherung Beiträge für die geleistete Pflege. Vorausgesetzt, der Pflegeaufwand beträgt mindestens 14 Stunden und die Erwerbstätigkeit höchstens 30 Stunden pro Woche. Die Ansprüche steigen mit der Pflegestufe.

Kann mehrmals Familienpflegezeit beantragt werden?

Für dieselbe Person oder einen anderen pflegebedürftigen Angehörigen kann erst nach dem Ende der Nachpflegephase eine weitere Familienpflegezeit beantragt werden.

Gibt es einen finanziellen Zuschuss?

Nein. Der Arbeitgeber zahlt einen Gehaltsvorschuss. Dafür kann er ein zinsloses Bundesdarlehen beim neuen Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) aufnehmen.

Warum ist eine Familienpflegezeitversicherung Pflicht?

Sie deckt das Ausfallrisiko der Rückzahlungen ab, beispielsweise bei Berufsunfähigkeit oder Tod des Beschäftigten. Das BAFzA hat dafür einen Gruppenversicherungsvertrag abgeschlossen. Die monatliche Prämie beträgt 1,99 Prozent des monatlichen Darlehensbetrags an den Arbeitgeber. Sie kann vom Arbeitgeber oder Mitarbeiter gezahlt werden. Das ist Verhandlungssache.

Wann endet die Familienpflegezeit vorzeitig?

Wenn der Angehörige zum Beispiel in ein Heim zieht, stirbt oder die Pflegeperson die wöchentliche Mindestarbeitszeit von 15 Stunden beim Arbeitgeber unterschreitet. Dann endet die Familienpflegezeit mit dem Ablauf des zweiten Monats, der auf die Beendigung der Pflege oder das Unterschreiten der Arbeitszeit folgt.

Was unterscheidet Pflegezeit von Familienpflegezeit?

Bei der Pflegezeit haben Angehörige, die in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten arbeiten, einen Rechtsanspruch auf bis zu sechs Monate Pflegezeit. Sie bekommen während dieser Zeit kein Gehalt, sind aber sozialversichert und genießen Sonderkündigungsschutz. Der Sozialverband VdK fordert hier eine Lohnersatzleistung. Pflegende sind immer noch vorwiegend Frauen, die es sich aufgrund ihres oft geringen Einkommens nicht leisten können, auf ihr Gehalt zu verzichten. Auch weil die im Pflegezeitgesetz vorgesehene Höchstdauer von sechs Monaten nicht für die Versorgung über einen längeren Zeitraum ausreicht, wurde die neue Familienpflegezeit ins Leben gerufen.
Der Sozialverband VdK empfiehlt Berufstätigen, sich gut zu überlegen, ob die Familienpflegezeit zur persönlichen Lebenssituation passt. (sko)

Info:


Weitere Informationen zur Familienpflegezeit unter www.familien-pflege-zeit.de.
Servicetelefon (0 18 01) 50 70 90 (3,9 Cent/Minute aus dem deutschen Festnetz, maximal 42 Cent/Minute aus den Mobilfunknetzen).

Aktuelle Artikel im Juli/August 2014:

VdK-Zeitung
Die Verbesserungen bei der Mütterrente greifen zum 1. Juli 2014. Doch auf den Rentenanpassungsmitteilungen, die jetzt verschickt worden sind, ist dies noch nicht berücksichtigt. Den Sozialverband VdK erreichen hierzu viele Anfragen. Die Deutsche Rentenversicherung weist darauf hin, dass sich die Auszahlung bis Ende 2014 verschieben kann.
VdK-Zeitung
Die Zahl der Pflegebedürftigen – Ende 2011 waren es rund 2,5 Mil - lionen – steigt unaufhörlich. Im Jahr 2030 könnte sie sich bereits verdoppelt haben. Für die Kommunen bringt das erhebliche Probleme mit sich, denn Pflege findet immer vor Ort statt. Deshalb ruft der Sozialverband VdK die politischen Entscheidungsträger zum Handeln auf.

VdK-Zeitung
Kommentar der VdK-Präsidentin: Es ist belegt, dass sich durch Prävention und Rehabilitation bei vielen älteren Patienten die Pflegebedürftigkeit vermeiden oder hinausschieben lässt. Doch diese Erkenntnis wird im Gesundheitssystem weitgehend ignoriert.
VdK-Zeitung
Der Beitragssatz zur Krankenversicherung soll ab 2015 auf 14,6 Prozent sinken und eingefroren werden. Der Haken daran: Steigende Kosten im Gesundheitswesen müssen die Versicherten künftig alleine über Zusatzbeiträge finanzieren. Der Sozialverband VdK fordert die Bundesregierung auf, diese unsoziale Entscheidung wieder zurückzunehmen.

Hier finden Sie die Artikel aus unserer Reihe "So hilft der VdK":

VdK-Zeitung
In unserer beliebten Serie "So hilft der VdK" berichten wir in der VdK-Zeitung regekmäßig über echte Fälle aus der Sozialrechtsberatung unserer VdK-Landesverbände. | weiter
VdK-Pressemeldung
Unsere Pressemitteilungen informieren bundesweit über wichtige Forderungen, Positionen, Ziele und Termine des Sozialverbands VdK.
Presse
Unter www.vdktv.de finden Sie mehr als 100 spannende und informative Filmbeiträge rund um die Themen des Verbands, zum Beispiel zu Rente, Pflege und Gesundheit.
Presse
Journalisten finden hier Hintergrundinformationen und Logos zum VdK Deutschland sowie Pressefotos und eine Vita der VdK-Präsidentin.
VdK-Zeitung
Die VdK-Zeitung erscheint zehnmal pro Jahr. Mit einer Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren gehört sie zu den größten Mitgliederzeitungen bundesweit.