30. August 2011
VdK-Zeitung

Interview: Warum Ältere anders lernen als Junge

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Diese Volksweisheit ist längst überholt. Warum es auch im fortgeschrittenen Alter funktioniert, neues Wissen aufzunehmen, erklärt Regina Egetenmeyer, Juniorprofessorin für Lebenslanges Lernen an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

VdK-Zeitung: Fällt Lernen mit dem Alter schwerer?

Regina Egetenmeyer: In erster Linie verändert sich die Art und Weise, wie Menschen mit zunehmendem Alter lernen. Während sich das Lerntempo verringert und die reine Aufnahme neuer Informationen schwerer fällt, nimmt die Effektivität zu. Ältere wählen aus, was sie lernen möchten und was nicht. Sie knüpfen an ihre Lebenserfahrung und an ihr Vorwissen an. Die Lernfähigkeit lässt sich durch Training erheblich steigern, das zeigen Studien.

VdK-Zeitung: Wie lernen Ältere am besten? Haben Sie Tipps?

Regina Egetenmeyer: Am besten eignen sich Methoden, die an das Vorwissen und die Interessen anknüpfen. So wird es einem älteren Menschen, der bereits Französisch spricht, leichter fallen, Spanisch zu lernen, als jemandem, der keine romanische Sprache spricht. Positive Emotionen beim Lernen unterstützen, dass Neues stärker haften bleibt. Es kann auch zusätzlich motivieren, mit anderen zu diskutieren, wie in einem Seminar an der Uni.

VdK-Zeitung: Wie unterscheiden sich Ältere beim Lernen von Jungen?

Regina Egetenmeyer: Kinder lernen relativ ungefiltert. Sie bringen eine große Offenheit mit und lassen sich beim Lernen gern von außen steuern. Diese Steuerbarkeit nimmt im Alter ab. Das ist jedoch kein Nachteil, weil das Lernverhalten viel effektiver wird. Dieses eigeninitiierte, erfahrungsbasierte Lernen wird informelles Lernen genannt. Nach Schätzungen macht diese Lernform rund 70 Prozent aller Lernprozesse aus.

VdK-Zeitung: Ist die Lust am Lernen ein Leben lang vorhanden?

Regina Egetenmeyer: Lernen kann nicht abgeschaltet werden – egal, in welchem Alter wir uns befinden. Schon durch alltägliche Aktivitäten lernen wir: beim Gespräch mit der Nachbarin oder dem Lesen der Zeitung. Jemandem, der es sein Leben lang gewöhnt war, sich in Seminaren weiterzubilden, wird das natürlich nicht reichen. Diese Menschen werden auch im Alter einen Kurs an der Volkshochschule besuchen oder ein Seniorenstudium an der Uni aufnehmen. Insgesamt lässt sich sagen, dass Lernen eine zentrale Grundfunktion menschlichen Lebens ist. Interview: Ines Klut

Info:

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat einen "Studienführer für Senioren" herausgegeben, der einen Überblick über alle deutschen Universitäten enthält, die ein Seniorenstudium anbieten. Die Broschüre kann im Internet unter www.bmbf.de heruntergeladen oder bestellt werden unter Telefon (0 18 05) 26 23 02, E-Mail books@bmbf.bund.de

Einen Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten des Studiums im reifen Alter gibt der Akademische Verein der Senioren in Deutschland (AVDS). Er bietet auch eine Studienberatung an. Informationen unter Telefon (09 31) 4 60 53 54 und im Internet auf www.avds.de

Schlagworte Interview | Lernen | Studium | Senioren | Ältere | Wissen | Lebenslanges Lernen | Alter

Aktuelle Artikel im Dezember 2016:

VdK-Zeitung
Motiv der Kampagne "Weg mit den Barrieren!". Bildbeschreibung: Auf der linken Seite ein Foto vom Mount Everest und der Text "1953 - Der Mensch bezwingt den höchsten Berg der Welt." Auf der rechten Seite der Text: "2016 - Gehbehinderte Menschen träumen vom Wohnen ohne Stufen. Wir sollten weiter sein. Weg mit den Barrieren! Unterstützen Sie uns. www.weg-mit-den-barrieren.de"
Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember veröffentlicht ein Bündnis aus BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen), vzbv (Verbraucherzentrale Bundesverband), Sozialverband VdK und weiterer Verbände eine Erklärung zur Barrierefreiheit.
VdK-Zeitung
VdK-Präsidentin Ulrike Mascher
Dieser Fall machte Schlagzeilen: Ein 82-Jähriger bricht vor einem Bankautomaten zusammen. Mindestens vier Menschen steigen achtlos über ihn hinweg. Eine Überwachungskamera hält fest, dass es 20 Minuten dauert, bis ein fünfter Kunde kommt, den Notruf wählt und Hilfe holt – für diesen Rentner aber leider zu spät.

VdK-Zeitung
Symbolfoto: Ein Schulmädchen in der Klasse, sie hat den Kopf auf die Hände gestützt.
Die geplanten neuen Regelsätze der Grundsicherung leisten keinen Beitrag für die dringend notwendige Bekämpfung der Armut im reichen Deutschland. Trotz erheblich höherer Bedarfe sollen die Regelsätze zum Jahreswechsel nur geringfügig steigen. Armut wird so nicht überwunden, sondern zementiert, sagt der Sozialverband VdK und fordert eine grundlegend neue Berechnung der Regelsätze.
VdK-Zeitung
Symbolfoto: Drei Wegweiser mit den Aufschriften Inklusion, Integration und Teilhabe
Das Bundesteilhabegesetz soll Schluss machen mit Benachteiligungen für Menschen mit Behinderung. Doch hält der Gesetzentwurf der Bundesregierung, was er verspricht? Der Sozialverband VdK sagt: nein. Die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung kann sich damit sogar verschlechtern.

VdK-Zeitung
Symbolfoto: Eine Frau schiebt ältere Frau im Rollstuhl
Mit dem Pflegestärkungsgesetz II, das ab Januar 2017 umgesetzt wird, wird die häusliche Pflege neu geordnet. Waren es bisher mindestens 14 Stunden pro Woche, die pflegende Angehörige aufbringen mussten, um Rentenansprüche für die Pflege zu erwerben, so sind es ab 1. Januar nur noch zehn. Das heißt: Mehr Menschen als bisher erhalten Rentenpunkte für häusliche Pflege.
VdK-Zeitung
Symbolfoto: Fassage der Agentur für Arbeit, davor ein Schild, das einen Behindertenparkplatz ausweist
Menschen mit Behinderung haben es oft schwer, eine Arbeitsstelle zu finden. Denn es grassieren immer noch viele Vorurteile und Bedenken in den Köpfen der Arbeitgeber. Doch wie sollte man eigentlich mit einer Beeinträchtigung oder Behinderung im Bewerbungsschreiben und Vorstellungsgespräch umgehen? Der Sozialverband VdK gibt Antworten auf Fragen wie diese.

Hier finden Sie die Artikel aus unserer Reihe "So hilft der VdK":

VdK-Zeitung
Symbolfoto: Eine Statue der Justitia
In unserer beliebten Serie "So hilft der VdK" berichten wir in der VdK-Zeitung regelmäßig über echte Fälle aus der Sozialrechtsberatung unserer VdK-Landesverbände. | weiter
01.11.2016
VdK-Pressemeldung
Foto: Ulrike Mascher bei einer Pressekonferenz
Unsere Pressemitteilungen informieren bundesweit über wichtige Forderungen, Positionen, Ziele und Termine des Sozialverbands VdK.
Presse-Kontakt
Symbolfoto: eine PC-Tastatur mit Symbolen für E-Mail, Telefon und Brief
Ihre Ansprechpartner für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Sozialverbands VdK Deutschland.
Für Medienvertreter
Symbolfoto: Eine Fotokamera
Journalisten finden hier Hintergrundinformationen und Logos zum VdK Deutschland sowie Pressefotos und eine Vita der VdK-Präsidentin.
VdK-Zeitung
Eine zusammengerollte VdK-Zeitung, Ausgabe Dezember 2016/Januar 2017
Die VdK-Zeitung erscheint zehnmal pro Jahr. Mit einer Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren gehört sie zu den größten Mitgliederzeitungen bundesweit. Die überregionalen Artikel der VdK-Zeitung können Sie jeden Monat kostenlos hier lesen.