1. Juli 2011
VdK-Zeitung

Wie Kinder ihre "Wunsch-Oma" bekommen

Deutschlandweit vermitteln Vereine Großeltern und fördern den Austausch zwischen den Generationen

Großeltern können im Leben eines Kindes eine ungemein wichtige Rolle spielen. Oft ist ihr Einfluss so prägend, dass auch Erwachsene noch gern an die mit Oma oder Opa verbrachte Zeit zurückdenken. Heute, im Zeitalter der Kleinfamilie, sind Großeltern oft weit weg oder gar nicht mehr vorhanden. In diesem Fall müssen Kinder nicht auf die Erfahrungen der Älteren verzichten. Dafür sorgen "Wunsch-Omas" und "Wunsch-Opas", die deutschlandweit vermittelt werden.

"Oma, hier!" Die zweieinhalbjährige Johanna (Name von der Redaktion geändert) greift die Hand von Verena Blankenstein und zieht sie in Richtung Garten. Das Kind zeigt auf die grüne Mini-Harke und will, dass die Oma ihr noch einmal zeigt, wie das mit dem Harken funktioniert. "Johanna liebt es, im Garten zu spielen", erzählt Verena Blankenstein. Die 62-Jährige ist nicht die leibliche Großmutter des Mädchens, sondern ihre "Wunsch-Oma". Sie gehört zu den knapp 500 Frauen und Männern, die der Berliner "Großelterndienst" als "Wunsch-Großeltern" vermittelt hat. Hinter der Initiative, die vor mehr als 20 Jahren vom Berliner Frauenbund 1945 e. V. ins Leben gerufen wurde, steckt das Ziel, alleinerziehende Frauen zu unterstützen.

Auch Johannas Mama ist alleinerziehend und hat nicht nur eine "Wunsch-Oma" für ihr Kind, sondern auch selbst Familienanschluss gefunden. "Mit der Zeit entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung, von der gleich drei Generationen profitieren", freut sich Verena Blankenstein, die sich an einem Nachmittag in der Woche um die kleine Johanna kümmert. Inzwischen übernachtet das Mädchen sogar bei ihrer "Wunsch-Oma". "Wir machen all das, was Omas nun mal mit ihren Enkeln machen", meint Verena Blankenstein und zählt einige Lieblingsbeschäftigungen ihrer "Wunsch-Enkelin" auf: sich aus Büchern vorlesen oder Geschichten erzählen lassen, spielen und im Garten herumtollen.

Die Welt wieder mit anderen Augen sehen

Dass Kinder auch mit der Großeltern-Generation in Kontakt stehen, ist wichtig für ihre Entwicklung. Denn Omas und Opas haben nun mal eine andere Sicht auf das Leben als Mütter und Väter, weil sie einfach schon mehr erlebt haben. "Enkel bauen oft eine ganz innige Beziehung zu ihren Großeltern auf", weiß Helga Krull, Projektleiterin beim Berliner "Großelterndienst". Genauso wie Kinder und Eltern von der Beziehung zu einer "Wunsch-Oma" oder einem "Wunsch-Opa" profitieren, haben auch die Älteren selbst eine ganze Menge von dem Austausch. "Viele sehen die Welt wieder mit anderen Augen. Kinder um sich zu haben, tut ihrer Seele gut", weiß Helga Krull aus vielen Erfahrungsberichten von "Wunsch-Großeltern". Nicht umsonst lautet das Motto des Berliner "Großelterndienstes" auch "Enkel dich fit".

Bevor ein Enkelkind nach Wunsch vermittelt wird, lernen sich Kind, Eltern oder Mutter beziehungsweise Vater und der Großelternteil kennen. In dieser Phase werden die Familien vom "Großelterndienst" begleitet und beraten. Oberster Grundsatz: Die Chemie muss zwischen allen stimmen, sonst funktioniert es nicht. Bei Verena Blankenstein, der kleinen Johanna und ihrer Mutter war es "Liebe auf den ersten Blick". Hier hat sich alles eingespielt, wie das in einer funktionierenden Familie nun mal so ist. "Ich freue mich auf die Zeit, die noch vor uns liegt", meint die "Wunsch-Oma" aus Berlin. Sie will miterleben, wie ihre "Enkelin" heranwächst, in die Schule kommt, ihr erstes Zeugnis erhält.

Diese Phase durchleben Annemie und Hans Seifert zurzeit ganz intensiv. Die Kölner sind die "Wunsch-Großeltern" von Tim und Jan und haben in den vergangenen Jahren ein inniges Verhältnis zu den Brüdern und ihren Eltern aufgebaut. "Unsere Familie ist größer und reicher geworden", meint Annemie Seifert, die bereits drei eigene Enkelkinder hat, die allerdings nicht in der Nähe wohnen. Wenn die beiden "Wunsch-Enkel" kommen, dann werden sie in den Alltag der Seiferts integriert. "Wir mischen uns nicht in die Erziehung der Eltern ein, sondern wollen sie unterstützen", erklärt die 68-Jährige. Dazu gehört auch, dass "Opa Hans" – wie er von Jan und Tim genannt wird – einen Blick auf die Hausaufgaben wirft. Und wenn der Gitarrenlehrer zu den Seiferts kommt, dann greift nicht nur Annemie Seifert in die Saiten, sondern auch der zehnjährige Tim.

Themenfoto: Ein Mädchen unterhält sich mit seiner Großmutter

"Wunsch-Großeltern" wie die Seiferts werden von der Kölner Großeltern-Kind-Vermittlung "ZEIT MIT KINDERN" immer gesucht. Etwa 40 Kinder stehen derzeit auf der Warteliste. "Wir möchten diesen Kindern Großeltern geben, die neben Mutter und Vater ihr Leben begleiten", so Ulla Ueberreiter-Michovius, Leiterin der Kölner Großeltern-Kind-Vermittlung, von der in den vergangenen zehn Jahren mehr als 60 Großeltern-Kind-Patenschaften vermittelt wurden. Damit habe man einen kleinen Beitrag für eine neue Kultur des Miteinanders und Füreinanders der Generationen geleistet.

Beziehung hält oft ein Leben lang

Besondere Fähigkeiten müssen ältere Menschen für diese Aufgabe nicht mitbringen. Sie sollten gern mit Kindern zusammen sein, Zeit haben und körperlich noch einigermaßen fit sein. Die "Wunsch-Großeltern" sind ehrenamtlich tätig.
Für ihr Engagement bekommen sie jede Menge zurück: die Liebe und Zuneigung von Kindern. Und die hält oft ein Leben lang. So wie bei einer "Wunsch-Oma" aus Berlin, deren über 20-jähriger "Wunsch-Enkel" ihr vor kurzem bei Kaffee und Kuchen seine Freundin vorgestellt hat. (ikl)

Kontakt:

Schlagworte Oma | Opa | Großeltern | Vermittlung | Dienst | Familie

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