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26. April 2011
VdK-Zeitung

Zahnersatz – was Sie als Patient wissen sollten

Versicherte haben in bestimmten Fällen die Möglichkeit, eine zusätzliche Unterstützung zum Festzuschuss zu erhalten Versicherte einer gesetzlichen Krankenkasse haben Anspruch auf Festzuschüsse bei einer medizinisch notwendigen Versorgung mit Zahnersatz einschließlich Zahnkronen.

Diese Festzuschussregelung hat es in sich. Zum einen werden die Festzuschüsse unabhängig von der vom Zahnarzt und Patienten vereinbarten Art der Versorgung gezahlt. Zum anderen sind sie aber der Höhe nach unterschiedlich. Je nachdem, ob und inwieweit gesetzlich Versicherte regelmäßige Zahnpflege durchgeführt haben und diese auch nachweisen können (zum Beispiel durch ein Bonusheft), zahlt die Krankenkasse einen niedrigeren oder höheren Zuschuss.

Für Patienten bedeutet dies zunächst, dass sie sich mit ihrem Zahnarzt auf die Art der Versorgung mit Zahnersatz einigen müssen. In aller Regel sind Versicherte damit überfordert, weil sie das zahnärztliche Fachwissen nicht haben. Deshalb ist es besonders wichtig, sich von einem Zahnarzt seines Vertrauens behandeln zu lassen. Vor allen Dingen soll sich der Patient nicht scheuen, nach den Kosten und unterschiedlichen Versorgungsmöglichkeiten zu fragen. Nicht selten geht es um mehrere tausend Euro. Für viele Menschen sind diese Kosten finanziell nicht zu schultern.

Zuschussantrag vorher stellen

Viele Versicherte wissen nicht, dass sie sich bei einer unzumutbaren finanziellen Belastung weitgehend vom selbst zu zahlenden Eigenanteil befreien lassen können. Die Kasse zahlt dann einen zusätzlichen Zuschuss. Dieser muss aber unbedingt vor Beginn der Behandlung bei der Krankenkasse beantragt werden. Als unzumutbar belastet gelten Bezieher von Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II, Ausbildungsförderung nach SGB II oder Bafög sowie alle, deren monatliche Bruttoeinnahmen 2011 die Grenze von 1022 Euro (mit einem Angehörigen 1405,25 Euro und für jeden weiteren Angehörigen zuzüglich 255,50 Euro) nicht übersteigen. Liegt das Einkommen etwas über den Grenzen, greift eine sogenannte gleitende Härtefallregelung. Dazu sollte man sich bei der Krankenkasse individuell beraten lassen.

Herausnehmbarer Zahnersatz

© BKK Presse

Oft ist eine hochwertige Zahnersatzversorgung für Versicherte aus Kostengründen nicht möglich. Die bevorzugte Behandlungsmethode ist in diesem Fall oft herausnehmbarer Zahnersatz: unter finanziellen Aspekten eine wählbare und ausreichende, aber für den Patienten doch nur eine einfache Versorgung. Das Hauptproblem beim herausnehmbaren Zahnersatz, insbesondere bei einer Vollprothese, ist der stabile Halt im Ober- beziehungsweise Unterkiefer. In beiden Fällen wäre es wünschenswert, die herausnehmbare Vollprothese mit Hilfe sogenannter Anker zu stabilisieren. Insbesondere die Unterkieferprothese wird oft im Laufe der Zeit instabiler. Das lässt sich auch durch eine Unterfütterung letztlich nicht dauerhaft ändern. Versicherte sollten daher mit ihrem Zahnarzt ausführlich besprechen, mit welchen alternativen Versorgungsformen die Instabilität beseitigt werden kann.

Ein Mittel der Wahl gerade für ältere Patienten ist die seit über 30 Jahren bewährte minimal-invasive Methodik der Implantation. Sie ist sehr patientenfreundlich, zeitnah durchführbar und kostenmäßig anderen Implantationsverfahren in der Regel überlegen. Auf jeden Fall sollten sich Patienten immer Zeit nehmen, mit ihrem Zahnarzt ausführlich über mögliche Versorgungs- und Behandlungsformen zu sprechen und sich vor Beginn einer Behandlung bei der Krankenkasse beraten zu lassen, damit sie keine finanziellen Überraschungen erleben.

Weitere Informationen gibt es bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Die Adressen der 21 UPD-Geschäftsstellen stehen im Internet unter www.upd-online.de. Das kostenfreie und bundesweite Beratungstelefon ist unter der Nummer 0800-0117722 von montags bis freitags, 10 bis 18 Uhr, zu erreichen. (Roland Sing)

Kommentar: Lassen Sie sich beraten!

Die völlig unzureichenden finanziellen Leistungen bei einer notwendigen Zahnersatzversorgung gehen auf eine Absprache des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder und der damaligen Oppositionsführerin Angela Merkel im Sommer 2003 zurück. Seit dem 1. Januar 2004 ist die Leistung Zahnersatz weder als sachgerecht noch finanziell akzeptabel anzusehen.

Millionen von Bürgerinnen und Bürgern, die finanziell nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, können sich Zahnersatz entweder gar nicht mehr oder nur unter höchst erschwerten Bedingungen leisten. Nicht selten müssen Versicherte leider auf Ratenzahlungsangebote von privaten Verrechnungsstellen, die von Zahnärzten vermittelt werden, zurückgreifen. So sind Versicherte über Jahre hinaus bei einer Zahnersatzversorgung belastet.

Deshalb gilt ganz dringend der Rat: Vor einer Unterschrift beim Zahnarzt sollten Sie sich bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse beraten lassen. Verbraucherschutzorganisationen und die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) geben konkrete Hilfestellungen. (Roland Sing)

Schlagworte Zahnersatz | Zuzahlung | Zuschuss | Festzuschuss | Krankenkasse | Kostenvoranschlag | Zahnzusatzversorgung | Kosten | Festzuschussregelung

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