Sozialverband VdK Deutschland e.V.
4. Mai 2012
VdK-Pressemeldungen 2012

Barrieren abbauen, mehr Jobs schaffen

"Menschen mit Behinderung müssen die gleichen Chancen in Alltag, Freizeit, Schule und Beruf bekommen wie nichtbehinderte Menschen", fordert die VdK-Präsidentin und Sprecherin des Deutschen Behindertenrates (DBR), Ulrike Mascher, anlässlich des morgigen Europaweiten Protesttags für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.

Zwar habe Deutschland vor drei Jahren die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet, in der die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung, und damit auch die Schaffung einer barrierefreien Umwelt, gefordert wird. "Doch immer noch haben Menschen mit Behinderung Probleme beim Einstieg in die Züge und auf den noch viel zu vielen nicht barrierefreien Bahnhöfen, oder beim Besuch von Schulen, Universitäten, Arztpraxen, Kinos, Theatern, Museen und Gaststätten", so Mascher.

Als "besorgniserregend" bezeichnete Mascher die Situation schwerbehinderter Menschen am Arbeitsmarkt. So sei die Zahl der schwerbehinderten Arbeitslosen im April im Vergleich zum Vormonat von 178.048 auf 178.533 gestiegen. "Das ist ein Beleg dafür, dass Menschen mit Behinderung vom allgemeinen Aufschwung am Arbeitsmarkt nicht ausreichend profitieren können", betont Mascher. Scharf kritisiert sie deshalb vor allem Unternehmen, die lieber die Ausgleichsabgabe zahlen als die vorgeschriebene Beschäftigungsquote vollständig zu erfüllen. "Es ist ein Skandal, wenn 37.550 von 137.244 beschäftigungspflichtigen Betrieben und Unternehmen keinen einzigen Menschen mit einer Schwerbehinderung beschäftigen." Der DBR fordert deshalb, dass diese Unternehmen, die ihrer Beschäftigungspflicht nicht nachkommen, in Zukunft eine höhere Ausgleichsabgabe zahlen sollen.

Wer die Teilhabe von Menschen mit Behinderung in allen gesellschaftlichen Bereichen erfolgreich bewältigen will, müsse bei den Kindern beginnen. "Menschen mit Behinderung sollen von Anfang an die Gewissheit haben, dass sie einbezogen und ihre Teilhaberechte geachtet werden. Es ist daher nicht akzeptabel, dass nur 22 Prozent aller Kinder mit Behinderung eine Regelschule besuchen. Ziel muss die Schaffung einer ‚Schule für alle‘ sein, in der Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen", so Mascher. Leider gebe es im deutschen Schulsystem noch viel zu viele Sonderstrukturen und Barrieren, die zur Ausgrenzung von Kindern mit Behinderung beitragen. Mit der Ratifikation der UN-Behindertenrechtskonvention habe sich Deutschland aber zu einem inklusiven Schulsystem verpflichtet. "Wir brauchen entsprechend dieser gesetzlichen Vorgaben eine rasche Verankerung der Inklusion in den Schulgesetzen der Länder, damit die bestehenden Schulstrukturen geändert werden können. Dazu gehört auch, dass alle Anstrengungen unternommen werden müssen, um Lehrerinnen und Lehrer auf den inklusiven Unterricht vorzubereiten."

Das Wichtigste sei jedoch, dass die Barrieren in den Köpfen der Entscheidungsträger abgebaut werden. "Krankheit und Behinderung können jeden zu jeder Zeit von heute auf morgen treffen. Nur vier Prozent aller Behinderungen sind angeboren. Die meisten Behinderungen werden durch eine Krankheit oder einen Unfall verursacht", so Mascher. In Deutschland leben 9,7 Millionen Menschen mit einer Behinderung, Tendenz steigend. Der DBR fordert Chancengleichheit, selbstbestimmte Teilhabe und Barrierefreiheit für diese wachsende Bevölkerungsgruppe.

Michael Pausder, Pressesprecher

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