5. Oktober 2017
Pflege

Pflegende Angehörige: Wie sie sich im Pflegealltag erholen

Pflegende kümmern sich oft rund um die Uhr um ihre Angehörigen. Um gesund und leistungsfähig zu bleiben, ist es für Pflegende sehr wichtig, auch im Alltag einmal zur Ruhe zu kommen. Eine Tagespflege kann hilfreich sein.

Auch pflegende Angehörige brauchen Zeit für sich. Eine Tagespflege kann helfen. | © Pixabay

Professionelle Pflegekräfte haben Urlaub und Freizeit, damit sie den körperlich und seelisch anspruchsvollen Beruf gut meistern können. Auch pflegende Angehörige sollten sich zwischendrin Ruhepausen und Entspannung gönnen. „Man sollte möglichst frühzeitig einen Pflegedienst in die häusliche Pflege mit einbeziehen, damit man erst gar nicht in Stress gerät“, empfiehlt Olaf Christen, Referent für Pflege beim Sozialverband VdK Deutschland. Er rät pflegenden Angehörigen zudem, eine Pflegeschulung oder einen Pflegekurs zu besuchen, denn neben entlastenden Handgriffen werden auch hilfreiche Tipps zur Organisation des Pflegealltags vermittelt.

Angebot für Pflegende und Pflegebedürftige: die Tagespflege

Die Tagespflege bietet Pflegebedürftigen eine feste Tagesstruktur, Gemeinschaft und die Unterstützung und Förderung ihrer Fähigkeiten. Das Familienmitglied wird vom Morgen bis zum späten Nachmittag betreut und abends wieder nach Hause gebracht. Die Besucher können täglich oder einzelne Tage pro Woche kommen. Die Tagespflege richtet sich an alle Pflegebedürftigen, die körperliche oder kognitive Einschränkungen und Pflegegrad 2 oder höher haben.

Die Tagespflege muss man bei der Pflegekasse beantragen. Man kann sie zusätzlich zur ambulanten Pflegesachleistung und/oder zum Pflegegeld beziehen. Wer das Angebot nicht nutzt, bei dem verfällt der Betrag. „Leider wissen viele pflegende Angehörige nichts davon oder befürchten, andere Leistungen bei Inanspruchnahme zu verlieren“, bedauert Christen. Auch die Suche nach einer Tagespflegeeinrichtung gestalte sich oft schwierig.

Über das Angebot der Tagespflege hinaus empfiehlt Christen, sich ein Netzwerk zu schaffen und die häusliche Fürsorge auf mehrere Schultern zu verteilen: Angehörige, Freunde, Nachbarn, ehrenamtliche Helfer und ambulante Dienste können die Pflegeperson für einige Stunden entlasten. Ehrenamtliche Helfer findet man in wohltätigen Vereinen und Verbänden. Auch einzelne VdK-Landesverbände bieten ein solches Ehrenamt an.

Angehörigengruppen für Pflegende

Pflegende Angehörige ziehen sich häufig zurück. Doch soziale Isolation und das Gefühl von Einsamkeit führen oft zu depressiven Verstimmungen. Für das seelische Wohlbefinden ist es wichtig, mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben.

Wer sich außerdem über seine Sorgen als Pflegender gerne austauschen möchte, kann sich einer Angehörigengruppe anschließen, wie es sie mittlerweile für viele Erkrankungen gibt. Sie ist auch eine gute Möglichkeit, um wertvolle Informationen zu erhalten. Deshalb ist es ratsam, sich gleich zu Beginn der Pflegetätigkeit eine solche Gruppe zu suchen, weil in dieser Phase besonders viel organisiert werden muss.

„Pflegende Angehörige können nicht alles alleine schaffen“, betont Christen. „Sie sollten auch an sich denken und einen Mix aus verschiedenen Entlastungen nutzen.“

Laden Sie unser Merkblatt zum Thema herunter:

Merkblatt-Tagespflege-Nachtpflege-VdK.pdf (112,22 KB, PDF-Datei)


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ali

Schlagworte Pflege | pflegende Angehörige | Tagespflege | Pflegesachleistung

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