27. November 2017
So hilft der VdK

Sozialamt muss zahlen: Inklusive Nachmittagsbetreuung im Hort

Julian (7, Name von der Redaktion geändert) aus Offenbach ist seit seiner Geburt schwerbehindert und besucht seit Sommer 2016 eine integrative Gesamtschule (IGS). Da seine Eltern beide berufstätig sind, wird er nachmittags betreut. Mit dem Sozialamt gab es Streit über die Kosten. Der VdK Hessen-Thüringen erreichte, dass die Behörde die rund 33.400 Euro pro Jahr für die Nachmittagsbetreuung übernehmen muss.

Gute und umfassende Betreuung im Hort: Dies durchzusetzen, gelang dem VdK Hessen-Thüringen für die Eltern eines schwerbehinderten Kindes. | © pixabay.de

Der Schüler hat einen Grad der Behinderung (GdB) von 100, Merkzeichen B, Pflegegrad 4, und benötigt sonderpädagogische Förderung. Die Schule bietet eine verkürzte Betreuung im IGS-Hort nur bis 14.30 Uhr an. Daher sollte Julian, wie bereits das Jahr zuvor im Kindergartenalter, nun von etwa 14.30 bis 17 Uhr und ganztags während der meisten Öffnungszeiten in den Ferien, auch ab Sommer 2016 in einem Privathort betreut werden. Doch dieser signalisierte, dass die Zahl der Wochenstunden für die teils erforderliche 1:1 Betreuung des Kindes nicht mehr ausreiche. Daher ging Julian vorerst seit August 2016 nicht länger dorthin und wurde von der Oma betreut.

Streit um die Kosten

Das Sozialamt teilte den Eltern mit, dass der Besuch beider Horte nicht finanzierbar sei. Diese entschieden sich daraufhin für die Kostenübernahme des privaten Horts. Die Behörde bewilligte dafür sodann im Rahmen der Eingliederungshilfe mit Bescheid vom Dezember 2016 nur eine Kostenübernahme für 15 Stunden wöchentlich in Höhe von 17.100 Euro pro Jahr für die Nachmittagsbetreuung. Der private Hort weigerte sich, das Kind aufzunehmen, da diese Stunden für seine angemessene Betreuung nicht ausreichten.

Julians Eltern wandten sich schließlich an den Juristischen Referenten des VdK Hessen-Thüringen, Dimitar Mitev. Er legte für sie Widerspruch ein und ermittelte einen notwendigen Betreuungsumfang von durchschnittlich 27,94 Wochenstunden. Erforderlich seien zudem zwei teilparallel tätige Fachkräfte, damit die zweite Fachkraft unter anderem bei den Kindern die Bereitschaft fördern könne, mit Julian in Kontakt zu treten. Dafür müssten notfalls weitere Stunden bewilligt werden. Das Sozialamt sollte sich mit dem Hort verständigen. Die hessische Rahmenvereinbarung Integrationsplatz ermögliche nämlich eine erhöhte Kostenübernahme über die 15 Wochenstunden Regelförderung hinaus, erläuterte Mitev. Zudem müssten die Kosten für die komplette durchgängige Hortunterbringung übernommen werden.

Erhöhter Hilfe- und Förderbedarf für Julian

Zusätzlich stellte auch der Privathort einen Antrag auf erhöhte Kostenzusicherung und erläuterte ausführlich den hohen Hilfe- und Förderbedarf. Dieser war auch Thema im fachärztlichen Gutachten des Sozialpädiatrischen Zentrums. Gerade Kinder wie Julian profitieren im Alltag besonders von Ritualen, von Verlässlichkeit und Kontinuität. Eine lange Unterbrechung in der Hortbetreuung schränke seine Teilhabe im Alltag wesentlich ein. Deshalb solle diese schnellstens wieder aufgenommen werden, heißt es im Gutachten, das Mitev der Behörde nachreichte.

Erleichterung für die Eltern: Umfassende Betreuung dank VdK bewilligt

Letztendlich bewilligte die Behörde nach vorheriger Einigung mit dem Privathort die Kosten von 24 Wochenstunden pro Jahr ab April/Mai 2017 in Höhe von 27.360 Euro. Sie übernahm zudem die rund 6000 Euro pro Jahr für die Unterbringung im IGS-Hort rückwirkend ab August 2016, also zusammen rund
33.400 Euro pro Jahr. Dank der Hilfe des VdK Hessen-Thüringen wurde das Kind am Ende doch gut im Hort betreut. Eine große Erleichterung für Julian und seine Eltern.

sko

Schlagworte Sozialrecht | Hort | Kind | Kostenübernahme | Schwerbehinderung | Sozialamt | Eingliederungshilfe | Integrationsplatz | Inklusion

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