10. Mai 2019
KAMPAGNE

Erwerbstätigenversicherung

Für ein zukunftsfähiges Rentenversicherungssystem und gerechte Renten brauchen wir eine allgemeine Erwerbstätigenversicherung. In diese zahlen alle Erwerbstätigen ein.

Wir als VdK fordern eine gerechte Rente für alle Erwerbstätigen. Wir wollen alle Menschen, die in Deutschland arbeiten, in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen, weil den heutigen Beamtinnen und Beamten ihre Pensionszusage nicht weggenommen werden kann und darf. Niemand, das heißt kein Beamter und kein Versicherter eines Versorgungswerks darf schlechter gestellt werden im Vergleich zur aktuellen Situation.

Vergleich Beamte und Angestellte

Beamte zahlen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Im Rentenalter erhalten Beamte Pensionen, welche aus Steuergeldern finanziert werden. Die Pension berechnet sich nach dem Gehalt. Wer 40 Dienstjahre zusammen hat, bekommt rund 70 Prozent des letzten Gehalts.

Wer das nicht schafft, beispielsweise aufgrund von langen Kindererziehungszeiten, erhält als Mindestpension 35 Prozent des letzten Gehalts oder (bei Bundesbeamten) 65 Prozent der letzten Stufe der Besoldungsgruppe A4. Ab Mai 2019 erhalten Bundesbeamte somit ein Ruhegehalt von mindestens 1.747 Euro, wenn sie fünf oder mehr Jahre verbeamtet sind. Die gesetzliche Standardrente beträgt hingegen derzeit knapp 1.450 Euro monatlich.

Im Gegensatz zur Mindestpension gibt es bei der gesetzlichen Rente eine Deckelung nach oben. Die höchste aktuell erreichbare Rente liegt bei rund 2.700 Euro pro Monat. Die durchschnittliche Pension beträgt laut Deutscher Rentenversicherung dagegen 2.930 Euro monatlich und ist somit höher als die Rente, die Beschäftigte erhalten, die ein Leben lang den höchsten Beitrag in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben.

Beim Vergleich der hohen Pensionen mit den niedrigeren Renten wird gerne darauf hingewiesen, dass bei der Höhe der gesetzlichen Rente noch die betriebliche Altersvorsorge hinzugerechnet werden müsste. Bei den Pensionen sei im Vergleich dazu die betriebliche Altersvorsorge schon integriert. Gut 44 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten haben laut einer BMAS-Untersuchung allerdings keine betriebliche Altersvorsorge. Und diejenigen, die über eine betriebliche Altersvorsorge verfügen, können ihre Altersrente mit dieser auch nicht sonderlich stark aufstocken: Der mittlere Wert der betrieblichen Altersrente beträgt nur 4,4 bis 4,8 Prozent des letzten Gehalts (Willis Tower Watson 2018). Die Lücke zwischen Rente und Pension ist durch Betriebsrenten somit nicht zu schließen.

Die Situation von Selbstständigen

Historisch waren Selbstständige nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen. Ehemalige Selbstständige ohne Angestellte sind allerdings besonders häufig von Altersarmut betroffen. Einige haben zu wenig verdient, um vorzusorgen, andere wurden kurz vor der Rente von einem Schicksalsschlag, wie einer Insolvenz oder schwerer Krankheit, getroffen.

Das Internet bringt neue Arbeitsformen mit sich. Auf Plattformen werden Selbstständige für kleine Aufträge vermittelt. Das kann eine Taxifahrt sein oder die Erstellung einer neuen Website für ein Unternehmen. Manche nehmen solche Aufträge nur als Zubrot an, andere leben davon. Gemein ist allen, dass es keine soziale Absicherung gibt. Bei Krankheit oder Auftragsflaute fällt das Einkommen weg. Für die Rente werden keine Ansprüche aufgebaut.

Für diese Menschen brauchen wir eine soziale Sicherung! Die Erwerbstätigenversicherung bezieht auch Soloselbstständige und sogenannte Click-Worker mit ein. Auch gut verdienende Selbstständige werden Teil der Erwerbstätigenversicherung. Denn jeder Mensch kann erwerbsunfähig werden und jeder braucht soziale Sicherheit. Heute, morgen und übermorgen.

Apotheker, Anwälte und Co.

Die Angehörigen der sogenannten freien Berufe (Apotheker, Ärzte usw.) sind meist Mitglied in einer Kammer, wie der Architekten-, Ärzte- oder Anwaltskammer. Über diese Kammern sind die Angehörigen der freien Berufe rentenpflichtversichert. Die Kammern bzw. Versorgungswerke sind eigenfinanziert und daher ohne staatliche Zuschüsse. Die Renten werden durch eine Kombination von Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren finanziert. Aber für die Versicherten in den Versorgungswerken ist das Parallelsystem nicht nur vorteilhaft.

Es gibt Menschen, die in ihrem Berufsleben sowohl als freie Anwälte oder Zahnärzte gearbeitet haben, als auch als Angestellte. Bei einer Erwerbsminderung reichen dann die Anwartschaften in beiden Systemen nicht aus.

Wirkungen der Erwerbstätigenversicherung

Langfristig würde eine solche Erwerbstätigenversicherung zu deutlichen Mehreinnahmen führen, da die Finanzierung auf eine breitere Basis gestellt wird. Außerdem würde die Solidargemeinschaft gestärkt werden. Laut einer Studie kann durch eine Erwerbstätigenversicherung das Rentenniveau auf über 50 Prozent erhöht und gleichzeitig der Anstieg der Beiträge abgebremst werden (Das Erste 2016).

In Zukunft wird es immer mehr unstetige Erwerbsbiographien geben. Eine Erwerbstätigenversicherung, die unabhängig vom aktuellen Arbeitsplatz ist, bietet daher auch für Beamte, Selbstständige und Angehörige freier Berufe eine sichere Zukunft. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag des ZDF zeigt, dass die Bevölkerung diese Forderung voll und ganz unterstützen: 82 Prozent der Bürgerinnen und Bürger befürworten eine Erwerbstätigenversicherung.

Wir als Sozialverband VdK fordern

Eine Erwerbstätigenversicherung muss eingeführt werden, in die alle Erwerbstätigen einbezogen werden: Arbeitnehmer, Beamte, Selbstständige, Politiker, Angehörige der freien Berufe sowie Vorstandsmitglieder von Aktiengesellschaften.

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Schlagworte Sozialverband VdK | #Rentefüralle | Alterssicherung | Erwerbstätigenversicherung

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