25. September 2017
Gesundheit

Zahnbehandlung und Zahnersatz:
Was zahlt die Kasse?

Zahnersatz ist teuer. Welche Kosten werden von der gesetzlichen Krankenversicherung eigentlich übernommen, welche nicht? Fragen und Antworten rund um das Thema Zahnbehandlung und Zahnersatz:

Symbolfoto: Ein Zahnarztstuhl von oben aufgenommen

Was wird von der Krankenkasse komplett bezahlt, wofür gibt es Zuschüsse?

Die Krankenkasse zahlt die normale Zahnbehandlung in der Regel, ohne dass der Patient etwas selbst bezahlen muss. Dazu gehören zum Beispiel das Entfernen von Karies, Zahnfüllungen oder das Ziehen eines Zahnes. Bei der Wahl der Zahnfüllung können, je nach Lage des Zahns im Kiefer, Zusatzkosten für den Versicherten entstehen, wenn er sich für eine zahnfarbene Füllung entscheidet.

Manche Zahnbehandlungen sind nur eingeschränkt eine Kassenleistung, etwa die Wurzelkanalbehandlung: Diese wird nur von der Kasse übernommen, wenn der Zahn als erhaltungswürdig eingestuft wird. Sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt über Behandlungsmöglichkeiten und eventuell anfallende Kosten.

Für Zahnersatz, also Kronen, Brücken und Prothesen, ist die Kostenübernahme seit 2005 wie folgt geregelt: Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt 50 Prozent der Kosten, die für die sogenannte Regelversorgung nach einem bestimmten Befund festgelegt sind. Die anderen 50 Prozent muss der Patient zahlen.

Wer ein Bonusheft führt, kann höhere Festzuschüsse von seiner Krankenversicherung erhalten – dazu weiter unten mehr.

Wer wenig Geld hat, kann unter Umständen eine Härtefallregelung in Anspruch nehmen.

Die professionelle Zahnreinigung (PZR) ist übrigens keine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Einige Kassen bieten ihren Versicherten aber einen Zuschuss zur PZR an oder zahlen die Behandlung einmal pro Jahr sogar ganz.

Mit Wunschleistungen wird es teurer

Die Regelversorgung orientiert sich am Wirtschaftlichkeitsgebot – sie soll „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein. Es handelt sich um eine genau festgelegte Standardversorgung. Wer sich für höherwertige Materialien oder eine schönere Optik entscheidet, zahlt diese Zusatzleistung aus eigener Tasche.

Will der Patient eine Versorgung, die über die Regelversorgung hinausgeht, wird außerdem unterschieden zwischen der „gleichartigen Versorgung“ und der „andersartigen Versorgung“.

Die gleichartige Versorgung enthält die Kassenleistung, aber auch darüber hinausgehende Zusatzleistungen. Ein Beispiel: Im Seitenzahnbereich ist eine Metallkrone vorgesehen. Der Patient ist einverstanden mit der Krone, möchte aber aus optischen Gründen eine Keramikverblendung. Die Kosten für die Verblendung zahlt er selbst. Die Zusatzkosten werden nach der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) abgerechnet.

Noch teurer wird es bei der andersartigen Versorgung: Der Patient möchte ein Implantat statt der vorgesehenen Brücke, um eine Zahnlücke zu schließen. Zwar erhält der Versicherte den Festzuschuss der Krankenkasse, der Zahnarzt rechnet aber die gesamte Behandlung nach der privaten Gebührenordnung (GOZ) ab.

Wie hoch ist der Zuschuss der Krankenversicherung für Zahnersatz genau?

Die Festzuschuss-Richtlinie wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festgelegt. In ihr sind die Festzuschüsse nach Befund aufgelistet.

Wie erhält man den Zuschuss von der Krankenkasse?

Vor Beginn der Behandlung muss der Krankenkasse zunächst ein Heil- und Kostenplan vorgelegt werden. Der Zahnarzt erstellt nach seinem Befund diesen Heil- und Kostenplan und beantragt den Festzuschuss zur Regelversorgung bei der Krankenversicherung des Patienten. Erst wenn die Krankenkasse den Plan geprüft und genehmigt hat, beginnt die Zahnbehandlung.

Als Patient sollten Sie den Heil- und Kostenplan und die vorgesehenen Behandlungsmaßnahmen immer vorab ausführlich mit Ihrem Zahnarzt besprechen – so drohen am Ende keine bösen Überraschungen in Form von Zusatzkosten. Falls es notwendig ist, kann auch ein zweite Meinung und damit ein zweiter Heil- und Kostenplan eingeholt werden. Dies ist für den Patienten kostenlos.

Kann man Zahnersatz von der Steuer absetzen?

Die aus eigener Tasche gezahlten Aufwendungen bei der Versorgung mit Zahnersatz können unter Umständen als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Informieren Sie sich dazu am besten bei einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein.

Lohnt es sich, ein Bonusheft zu führen?

Ja, auf jeden Fall. Führt man das Bonusheft lückenlos für fünf Jahre, erhöht sich der Kassenzuschuss um 10 Prozent auf 60 Prozent. Nach zehn Jahren Bonusheft erhöht sich der Zuschuss nochmal um 5 Prozent – also auf insgesamt 65 Prozent der Kosten für die Regelversorgung.

Den Stempel im Bonusheft gibt es beim Zahnarzt, wenn man als Erwachsener einmal jährlich zur Zahnvorsorgeuntersuchung geht. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre müssen zweimal im Jahr zur Kontrolle. Achtung: Versäumt man eine Vorsorgeuntersuchung, muss man wieder bei null anfangen – das Bonusheft muss lückenlos geführt sein. Hat man lediglich vergessen, sich den Stempel zu holen, kann der Zahnarzt das Bonusheft nachtragen.

Bonusheft verloren – was nun?

Geht das Bonusheft verloren, sollte man sich mit seinem Zahnarzt in Verbindung setzen. Anhand der Daten in der Patientenkartei kann das Heft neu ausgestellt werden.

Was, wenn ich mir keinen Zahnersatz leisten kann?

Wenn jemand ein sehr geringes Einkommen hat, kann eine Härtefallregelung bei Zahnersatz greifen. Dann kann der Versicherte den doppelten Festzuschuss erhalten und damit 100 Prozent der Kosten erstattet bekommen. Anspruch haben neben Menschen mit geringem Einkommen auch Bezieher von BAföG, Sozialhilfe, Hartz IV, Kriegsopferfürsorge und Grundsicherung im Alter. Auch Heimbewohner, deren Unterbringung die Sozialhilfe oder die Kriegsopferfürsorge trägt, sind berechtigt.

Der doppelte Festzuschuss bezieht sich nur auf die Regelversorgung – darüber hinaus gehende Maßnahmen und Wünsche werden nicht bezuschusst.

In 2017 gelten folgende Grenzen beim monatlichen Brutto-Einkommen, um Anspruch auf die Härtefallregelung zu haben:

  • alleinstehend: 1.190,00 Euro
  • mit einem Angehörigen: 1.636,25 Euro
  • mit zwei Angehörigen: 1.933,75 Euro
  • mit drei Angehörigen 2.231,25 Euro


Wer die Einkommensgrenze überschreitet, hat in der Regel keinen Anspruch auf den doppelten Festzuschuss. Allerdings gibt es auch noch die sogenannte „gleitende Härtefallregelung“, die einen erhöhten Festzuschuss möglich macht. Liegt das Einkommen geringfügig oberhalb der Grenze, lohnt es sich, bei der Krankenkasse nachzufragen, welche Möglichkeiten es für eine individuelle Härtefallregelung gibt. In jedem Fall muss die Härtefallregelung beantragt werden und das Einkommen muss nachgewiesen werden.

Studie: Viele scheuen Kosten beim Zahnarzt

Zahnersatz kann ein teurer „Spaß“ sein, den sich immer weniger Menschen leisten können. Das Statistische Bundesamt fragte im Jahr 2015 deutsche Haushalte unter anderem danach, ob und warum sie auf einen Zahnarztbesuch verzichtet hätten, obwohl dieser aus gesundheitlichen Gründen notwendig gewesen wäre.

Das Ergebnis der Studie: 48,3 Prozent der Befragten gaben an, aus finanziellen Gründen auf einen eigentlich notwendigen Zahnarztbesuch verzichtet zu haben. Bei armutsgefährdeten Erwerbstätigen waren es sogar 64,3 Prozent, die nicht zum Zahnarzt gegangen sind, weil sie die Kosten fürchteten. Viele Menschen können demnach die Eigenanteile, die für Zahnersatz fällig werden, nicht bezahlen. Andere Gründe, die in der Befragung angegeben wurden, waren unter anderem zu weite Wege zur Praxis, lange Wartezeiten oder Angst vor der Behandlung.


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Schlagworte Zahnersatz | Kosten | Zahnarzt | Festzuschuss | Härtefallregelung | Krankenkasse | Krankenversicherung

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