26. April 2017

Jung und Alt ziehen sich gegenseitig an

Heidelberger Gerontologen untersuchen Verhältnis der Generationen

Zwischen alten und jungen Menschen besteht hohes Solidaritätspotenzial. Das ist das Ergebnis des zweijährigen Projekts „Echo der Generationen“. Wissenschaftler des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg untersuchten, wie Jung und Alt zueinander stehen.

Symbolfoto: Enkelin gibt ihrer Oma einen Kuss auf die Wange

Im Mittelpunkt standen rund 60 Menschen, die 85 Jahre und älter sind, sowie über 140 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren. In Dialogen und Gesprächen kamen sich die Generationen näher. Sie lernten sich während gemeinsamer Aktivitäten kennen, sprachen über historische und politische Entwicklungen oder spielten gemeinsam.

„Sehr alte Menschen haben das Bedürfnis teilzuhaben, sich nützlich zu fühlen und etwas weitergeben zu können. Junge wiederum bekommen durch den Austausch mit alten Menschen einen besonderen Blick auf das Leben“, erklärt Projektleiterin Dr. Sonja Ehret. Den oft zitierten Generationenkonflikt habe sie beim „Echo der Generationen“ nicht erlebt. Im Gegenteil: Kinder und ältere Menschen faszinieren sich gegenseitig, ziehen sich an und entwickeln sich dadurch weiter.

Die Ergebnisse sollen vor allem Städte und Gemeinden anregen, den Austausch zwischen den Generationen zu fördern. Hier zeigte das Projekt, dass es oft schwierig ist, den Austausch außerhalb der Familien in Gang zu bringen. So ergaben Interviews in Speyer, dass Ältere gern mehr Kontakt zu Jüngeren hätten, aber die Möglichkeiten fehlen. Jugendliche wiederum beklagen oft wenig Zeit, die ihnen neben Schule und Freizeitaktivitäten zur Verfügung steht.

„Bis heute finden sich in Deutschland keinerlei vergleichbare Praxisarbeiten, die darauf zielen, Gelegenheitsstrukturen für einen derartigen Austausch sehr alter Menschen mit Angehörigen nachfolgender Generationen zu schaffen“, sagt Dr. Ehret. Es bedürfe klug ausgerichteter öffentlicher Räume, in denen Begegnung stattfinden kann. Großes Ziel müsse es sein, dass aus Kommunikation gegenseitiges Verstehen wird.

In einer technisierten Welt würden die Gespräche, in denen man Menschen persönlich kennenlernt, Freunde findet und sich mit anderen Meinungen und Lebenswelten auseinandersetzt, oft in den Hintergrund treten. Dr. Ehret: „Dies wollen wir mit unserem Projekt ändern.“


VdK-TV: Wohnen für Hilfe

Was bringt das Ehepaar Kienzerle und die chinesische Studentin Huan Wu zusammen? Das Projekt "Wohnen für Hilfe"!

Ines Klut

Schlagworte Generationen | Jung | Alt | Solidarität | Miteinander

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieser Artikel liegt in unserem Archiv und ist daher möglicherweise veraltet.

Zur Startseite mit aktuellen Inhalten gelangen Sie hier: Startseite: Über uns