27. März 2017

Frauen werden entlastet: Lücke in Krankenversicherung geschlossen

Für viele Frauen war es wie ein böses Erwachen: Weil sie wegen längerer Kindererziehungszeiten über ihren Ehemann privat krankenversichert waren, wurden sie als Rentnerinnen nicht in die Krankenversicherung für Rentner aufgenommen. Der Sozialverband VdK hatte sich dafür starkgemacht, dies zu ändern. Mit Erfolg, denn jetzt hat der Gesetzgeber endlich reagiert.

© picture alliance/Westend61

Ab August diesen Jahres werden pauschal drei Jahre für jedes Kind den Mitgliedszeiten in der gesetzlichen Krankenversicherung, die zum Zugang in der Krankenversicherung der Rentner notwendig sind, gleichgestellt. Hintergrund: Wer in der zweiten Hälfte seines Berufslebens nicht zu 90 Prozent gesetzlich versichert ist, muss sich als Rentner freiwillig krankenversichern (9/10-Regelung). Das heißt, es muss der volle Beitragssatz auf das Einkommen gezahlt werden und nicht, wie in der Krankenversicherung für Rentner, nur der halbe Beitragssatz ausschließlich auf die Altersrente.

Ein Beispiel: Wer mit 15 Jahren eine Berufsausbildung begonnen hat und mit 63 Jahren in Rente geht, für den ist ein Zeitraum von 48 Jahren zu prüfen. Davon muss er in der zweiten Hälfte (24 Jahre) zu 9/10 (21,6 Jahre) Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung gewesen sein. Die Frist beginnt mit der erstmaligen Aufnahme einer Beschäftigung und endet mit dem Tag der Rentenantragstellung. Manchen Frauen fehlten nur wenige Monate oder gar Wochen an der vorgeschriebenen Zeit.

Wer die 9/10-Regelung nicht erfüllte, hatte schnell einen Krankenkassenbeitrag von 60 Prozent der Rente und mehr zu berappen. „Das hat viele, die ihr Leben lang fleißig gearbeitet haben, stark benachteiligt. Für sie war Altersarmut programmiert“, so VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Deshalb sei es längst überfällig gewesen, dass die Politik für Abhilfe sorgt.

Die Neuregelung ist im Rahmen des Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes erfolgt. Der entsprechende Paragraf im Sozialgesetzbuch V wurde so abgeändert, dass die betroffenen Frauen die 9/10-Regelung erfüllen können.

ikl

Schlagworte Kindererziehungszeiten | 9/10-Regelung | Mütter | Krankenversicherung für Rentner | Frauen | private Krankenversicherung

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