30. August 2016

Mit dem passenden Rolli zum Sieg

Auch für Hobbysportler mit Behinderung gibt es Hilfsmittel für jede Disziplin

Basketball, Rugby oder Radrennen – bei den Paralympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro starten Rollstuhlfahrer in unterschiedlichen Sportarten. Spezielle Rollstühle machen dies möglich. Aber auch Breitensportler können mit dem richtigen Hilfsmittel punkten.


VdK-TV: Fest verschweißt – Rollstühle für den Spitzensport

Carbon, Aramidfasern, Speziallegierungen – der Wettbewerb um das beste Material hat längst den Behindertensport erreicht. Rollstühle für Basketball und Rugby sind kaum noch mit einem Alltagsrollstuhl vergleichbar. Auch die Angebote für den Breitensport mit Behinderung werden technisch anspruchsvoller – und teurer.

Blitzschnell dreht sich Laura Fürst in ihrem Rollstuhl, spielt eine Gegnerin aus und wirft in den 3,05 Meter hohen Korb. Die Basketballerin vom RBB München gehört zu Deutschlands besten Spielerinnen und startet bei den Paralympics mit dem deutschen Damenteam. Ihren speziell angefertigten Rollstuhl bekommt sie wie andere Spitzenathleten im Fachgeschäft von VdK-Mitglied Alfred Lindner in Heimstetten bei München. Doch auch viele Hobbysportler kaufen dort ihre Hilfsmittel.

Ohne die speziellen Sportgeräte geht selbst im Breitensport nichts. „Ein Fußballer würde auch nicht mit Halbschuhen gegen den Ball treten“, sagt der 56-jährige Lindner. Seit seinem 18. Lebensjahr ist der Oberbayer querschnittsgelähmt. Als Mitfahrer wurde er bei einem Unfall schlafend aus dem Wagen geschleudert. Als er zu sich kam, spürte er seine Beine nicht mehr. In der Rehabilitation kam er gleich in Kontakt mit Rollstuhlsportarten. Der Sport bedeutete ihm so viel, dass er in jeder freien Minute selbst an den Rollstühlen herumtüftelte.

Die Hilfsmittel haben sich in den vergangenen 30 Jahren enorm weiterentwickelt, wie Lindner erläutert. Früher waren die Rollstühle aus Stahl und entsprechend schwer. Heute werden sie aus deutlich leichteren Materialien wie Aluminium-Legierungen oder Carbon hergestellt. Das hat natürlich seinen Preis: So kosten Spitzengeräte von Herstellern wie Sopur, Meyra und Ottobock mehr als 6000 Euro, einzelne sogar über 10.000 Euro. Letzterer stattet die deutsche Paralympics-Mannschaft aus. Doch es geht auch deutlich günstiger.

Tipps von Mitspielern

Wer sich für einen Rollstuhlsport interessiert, sollte sich am besten zuerst an einen Verein wenden, der diesen anbietet. Viele Mannschaften haben Hilfsmittel, mit denen man den Sport zunächst ausprobieren kann. Wenn man dann Spaß daran hat und sich für einen eigenen Sportrollstuhl interessiert, können einem meist die Mitspieler Tipps geben, wo man in der jeweiligen Gegend fündig wird. Das können Sanitätshäuser sein oder auch spezielle Fachgeschäfte wie die Rolli-World von Alfred Lindner.

Liegerad mit Handantrieb: Geübte Handbiker erreichen mit solchen Spezialrädern Geschwindigkeiten von bis zu 40 Kilometern pro Stunde. | © Sebastian Heise

Ein Sportrollstuhl muss normalerweise selbst bezahlt werden. Eventuell gibt es die Möglichkeit, ein entsprechendes Hilfsmittel im Rahmen einer Reha-Maßnahme verschrieben zu bekommen. Lehnt die Krankenkasse die Übernahme der Kosten ab, kann es sich lohnen, den Sozialverband VdK um Hilfe zu bitten. Es gibt immer wieder Fälle, in denen der VdK erfolgreich einen Widerspruch eingelegt oder Klage erhoben hat. Zuletzt berichtete die VdK-Zeitung über einen Schüler, dem dank des VdK ein Sportrollstuhl bezahlt wurde (zum Artikel: So hilft der VdK: Sozialverband VdK Trier erstreitet Sportrollstuhl für Schulkind). Für eine Kostenübernahme durch die Sozialversicherungsträger spricht vor allem die Tatsache, dass Sport die Menschen fitter macht und sie dadurch seltener krank sind.

Erst wenn die Frage der Kostenübernahme geklärt ist, sollte man das Hilfsmittel besorgen. „Der Rollstuhl wird genau auf den Sportler und seine Behinderung angepasst“, sagt Lindner. „Wir messen unsere Kunden exakt aus.“ Dafür nehmen sich gute Händler Zeit: Beratung und Anpassung können so zwischen zwei und drei Stunden dauern.

Im Unterschied zu Alltagsrollstühlen sind Sportrollstühle sehr eng. Man sitzt fest darin, was die Stabilität und Wendigkeit erhöht. Die Sitzfläche fällt außerdem nach hinten stark ab, sodass die Knie deutlich höher sind als das Gesäß. Die Reifen sind mit extrem starkem Druck aufgepumpt (bis zu 20 bar) und nicht senkrecht, sondern schräg montiert, sodass der obere Teil deutlich näher am Körper liegt als der untere, auf dem Boden aufliegende Teil.

Außerdem ist entscheidend, welche Sportart der Kunde damit betreiben will. Ob Basketball, Rugby oder Tennis – die Rollstühle sind alle unterschiedlich und haben besondere Merkmale.

Für Radfahrer gibt es ebenfalls verschiedene Modelle. Wer gerne schnell fährt, dem sind Liegeräder zu empfehlen. Diese haben zwar einen großen Wendekreis, dafür werden Spitzensportler auf gerader Strecke damit bis zu 40 Stundenkilometer schnell.

Sebastian Heise

Schlagworte Rollstuhlsport | Behinderung | Hilfsmittel | Rollstuhl | Sportrollstuhl | Kosten | Kostenübernahme

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