30. August 2016

Nach den Wechseljahren zum Frauenarzt

Viele Krebsarten im Unterleib entstehen erst im fortgeschrittenen Alter

Der Besuch beim Gynäkologen sollte für Frauen ein Leben lang zu den fest eingeplanten jährlichen Vorsorgeuntersuchungen gehören. Denn auch wer nicht mehr im gebärfähigen Alter ist und die Wechseljahre durchlaufen hat, kann krank werden. Die Zahl der Krebserkrankungen steigt gerade ab dem 50. Lebensjahr an.

© Imago/Jochen Tack

„Frauen hören häufig auf, zum Frauenarzt zu gehen, wenn sie nicht mehr verhüten, keine Kinder mehr bekommen und keine Probleme mit den Wechseljahren haben“, so Dr. Christian Albring, Frauenarzt und Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte. Doch keine Frau dürfe die Notwendigkeit der Vorsorge unterschätzen: Neben Krebs erhöht sich auch das Risiko für weitere Krankheiten. Das hängt damit zusammen, dass nach den Wechseljahren in den Eierstöcken kein Östrogen mehr produziert wird.

Die kostenlose Untersuchung zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs nutzen ältere Frauen deutlich weniger, in der Altersgruppe von 60 bis 65 Jahren nur noch 43,7 Prozent, ab 75 Jahren gerade noch 28,7 Prozent. Bei den jüngeren Frauen ist es mehr als jede Zweite. Dabei sind drei von vier Frauen, die an einem Gebärmutterhalskrebs sterben, über 50 Jahre alt. „Das liegt vor allem daran, dass in diesem Alter Besuche beim Frauenarzt bei den meisten Frauen nicht mehr auf der Tagesordnung stehen“, so Dr. Albring. Vielen Frauen sei gar nicht bewusst, dass sie ein hohes Risiko eingehen, wenn sie den jährlichen Kontrolltermin verstreichen lassen. Andere denken: „Was soll ich denn dort sitzen zwischen den Schwangeren?“ oder „Ich war so oft zur Krebsfrüherkennung, und nie war etwas Auffälliges dabei. Dann wird es auch weiter gut gehen.“

„Das ist ein sehr großer und folgenschwerer Irrtum“, warnt der Frauenarzt. Denn es könne viele Jahre dauern, bis sich aus kleinsten Zellveränderungen typische Vorstadien der Krebserkrankung, danach Frühformen und später der voll ausgeprägte bösartige Prozess entwickeln. Jahrelang keine Beschwerden zu haben, sei eine trügerische Sicherheit. Denn der Krebs des Gebärmutterhalses verursache bis in späte Krebsstadien hinein meist keinerlei Krankheitszeichen. Wenn die Krankheit im Frühstadium entdeckt wird und die Krebszellen noch nicht stark in das Gewebe vorgedrungen sind, könne die Frau geheilt werden.

Wenn Frauen nach den Wechseljahren weiterhin regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen würden, dann könnten jedes Jahr viele schwere Erkrankungen und auch Todesfälle verhindert werden. Denn bei der Behandlung der Frühstadien des Krebses sei nur eine kleine Operation notwendig, keine Chemotherapie und keine Bestrahlung. „Wird der Krebs erst später entdeckt, wenn er tiefer ins Gewebe eingedrungen ist, dann sinken die Überlebenschancen“, so Dr. Albring.

Auch der Gang zum Hausarzt ersetze nicht den Besuch beim Gynäkologen. „Der Hausarzt kann keine Krebsfrüherkennung mit einem Zellabstrich vom Gebärmutterhals sowie keine Ultraschalluntersuchung von Gebärmutterhals, Gebärmutter und Eierstöcken durchführen“, erklärt Dr. Albring. Deswegen sollten Frauen zumindest einmal im Jahr den Frauenarzt zur Vorsorge aufsuchen. Manche gynäkologische Praxen würden ihre Patientinnen auch in einen Verteiler aufnehmen und sie einmal im Jahr an die anstehende Vorsorgeuntersuchung erinnern.

Ines Klut

Schlagworte Wechseljahre | Frauenarzt | Vorsorge | Krebs | Gebärmutterhalskrebs | Gynäkologe | Ultraschall | Ältere | Frauen | Tumor

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