17. Februar 2014

So hilft der VdK: Therapie langfristig verordnet

VdK-Mitglied wehrte sich mithilfe des Sozialverbands VdK gegen Beschränkung

Vor über 50 Jahren war Inklusion ein Fremdwort. Doch Herbert Buchner, Vater einer behinderten Tochter, muss immer wieder feststellen, dass Menschen mit Behinderung auch heute häufig nicht die Hilfe bekommen, die sie benötigen.

© Sabine Kohls

Der Witwer kümmert sich allein um seine Tochter Waltraut. Erst mithilfe des VdK Rheinland-Pfalz konnte er durchsetzen, dass notwendige Therapien bewilligt wurden. Als Herbert Buchner und seine Frau Eltern wurden, freuten sie sich. Ihre 1963 geborene Tochter Waltraut schien allerdings eine Spätentwicklerin zu sein. Das war jedenfalls die Antwort, die Marga Buchner jedes Mal in der Mütterberatung erhielt, wenn sie darauf hinwies, dass sich ihre Tochter offenbar nicht altersangemessen bewegen könne. Als ein Orthopäde das Kind untersuchte, kam es sofort in eine Klinik, wo eine körperliche und geistige Behinderung diagnostiziert wurde.

So normal wie möglich am Leben teilnehmen

"Ostersonntag bekamen wir sie völlig apathisch und mit eingegipsten Beinen zurück", erinnert sich der Vater. Nach einer Weile wurde der Gips entfernt und durch Bandagen ersetzt. Es wurde mit der Zeit immer offensichtlicher, dass das Mädchen in der körperlichen und geistigen Entwicklung zurückblieb. Die Hilfsmöglichkeiten in den 1960er- und 1970er-Jahren beliefen sich auf ein- bis zweimal Spieltherapie in der Woche. Die Einschulung wurde um zwei Jahre verschoben.

"Wir haben unser Kind so normal wie möglich am Leben teilnehmen lassen und gefördert", sagt der Vater. Ab dem achten Lebensjahr besuchte das Mädchen zehn Jahre eine Sonderschule. Nach einer zweijährigen Fortbildung zur Bekleidungsnäherin in einem Berufsbildungswerk arbeitete sie 14 Jahre in einem Altersheim und ist seit 1996 in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung beschäftigt.

Im Jahr 1992 wurde Herbert Buchner zum gesetzlichen Betreuer seiner Tochter bestellt. Immer wieder muss er um notwendige Therapien für seine Tochter kämpfen. "So war es nicht möglich, die vom Facharzt verordnete regelmäßige Wassergymnastik durchzuführen, da kein Anbieter im Umkreis von 100 Kilometern bereit gewesen ist, meine nur 1,42 Meter große Tochter aufzunehmen", erzählt der Vater.

Als Alternative wurde Krankengymnastik, beschränkt auf sechs Behandlungen im Quartal, verordnet. Doch das war viel zu wenig angesichts der starken Rücken- und Kniebeschwerden. Sie schränkten die Arbeitsfähigkeit der berufstätigen Tochter immer mehr ein und gefährdeten ihren Arbeitsplatz in der Werkstatt. Auch der Antrag auf eine stationäre Rehabilitation wurde abgelehnt. Herbert Buchner legte Widerspruch bei der gesetzlichen Krankenversicherung gegen die Beschränkung der Krankengymnastik ein. Doch der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) prüfte den Vorgang anhand der Akten und hielt sechs Behandlungen für völlig ausreichend. Die Bitte des Vaters, seine Tochter Waltraut vom Medizinischen Dienst begutachten zu lassen, wies der MDK zurück.

Heilmittelverordnung bis zum Jahr 2015

Daraufhin hatte Herbert Buchner genug. Er holte sich Unterstützung und professionelle Hilfe in der Rechtsabteilung des Sozialverbands VdK Rheinland-Pfalz in Koblenz. Nach 13 Monaten hatte die VdK-Rechtsexpertin beim Sozialgericht Koblenz für die Tochter die Bewilligung einer langfristigen Heilmittelverordnung zunächst bis zum März 2015 durchgesetzt. Jetzt hat die Tochter einmal pro Woche Krankengymnastik. Herbert Buchner: "Ohne die Hilfe des Sozialverbands VdK Rheinland-Pfalz hätten wir keine Chance gehabt. Ihm gilt mein großer Dank."

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Symbolfoto: Eine Statue der Justitia
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Schlagworte Inklusion | Rheinland-Pfalz | Krankengymnastik | Rechtsberatung | So hilft der VdK | Kind

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