3. September 2013

Englisch auf dem Abstellgleis: Bahn will deutsche Sprache wieder pflegen

Kehrtwende bei der Deutschen Bahn: Über Jahre hinweg hatte sie ihre Kunden mit einem Mix aus Deutsch und Englisch angesprochen – und dabei manchmal mehr verwirrt als informiert. Jetzt will der Konzern Begriffe wie "Flyer", "Hotlines" oder "Touch & Travel" teilweise wieder aus seinem Firmenwortschatz verbannen.

Schon seit längerer Zeit gehören die "Service Points" der Deutschen Bahn der Vergangenheit an - jetzt hängt über den Schaltern das schlichte Wort "Information". In Zukunft will der Konzern eine Fülle an weiterern Anglizismen durch deutsche Ausdrücke ersetzen. | © Imago

Die Deutsche Bahn will die deutsche Sprache wieder besser pflegen. Einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung "Die Welt" hat das Unternehmen bestätigt. Demnach sollen Produkte und Dienstleistungen der Bahn zukünftig wieder häufiger deutschsprachige Namen tragen. Auch auf Schildern, etwa an den Fahrkarten-Automaten oder Info-Schaltern, sowie auf Prospekten sollen englischsprachige Begriffe vermieden werden.

Wie ernst es der Bahn mit ihrer Sprachreform ist, macht eine Liste deutlich, die an alle Bahn-Mitarbeiter verteilt wurde. Darauf befinden sich weit über 2000 englischsprachige Begriffe, deren Verwendung ab sofort auch firmenintern tabu ist. Das Glossar liefert für jeden Begriff eine passende deutsche Übersetzung: Aus dem "Flyer" wird wieder der gute alte Handzettel, aus dem "Counter" der Schalter – und die "Hotline" wird in Service-Nummer zurückübersetzt.

Missverständnisse

Der Verein Deutsche Sprache (VDS), der die Bahn in der Vergangenheit immer wieder dafür kritisiert hatte, zu viele englischsprachige Ausdrücke zu verwenden, freut sich über den Sinneswandel. Jedes Jahr vergibt der Verein den Negativpreis "Sprachpanscher des Jahres" an Firmen, öffentliche Einrichtungen, Politiker oder Werbeagenturen, die durch den inflationären Gebrauch englischer Begriffe oder die Einführung halb englischer, halb deutscher Markennamen unangenehm auffallen.

In den vergangenen Jahren wurde die unrühmliche Auszeichnung bereits zweimal an die Führungsspitze der Deutschen Bahn verliehen – zuletzt 2007 an den damaligen Konzernchef Hartmut Mehdorn. "Die Bahn ist ein sehr großes Unternehmen, das täglich auf Bahnhöfen, in Zügen oder in der Werbung mit Millionen Menschen spricht", erklärt Holger Klatte, Sprecher des VDS, die Motive seines Verbands. "Sie übt somit Einfluss auf unsere Sprache aus und hat deswegen eine gewisse Verantwortung dafür."

Doch den Sprachhütern des VDS geht es nicht nur um Ästhetik und die Bewahrung des deutschen Wortschatzes als Kulturgut. Auch die Bahn-Kunden, davon ist Holger Klatte überzeugt, werden davon profitieren, wenn im Zug, am Bahnsteig und rund um die Bahnhöfe der Republik wieder häufiger deutsch gesprochen wird: "Für viele sind Bezeichnungen wie ,Counter‘ statt ,Schalter‘ oder ,Touchpoint‘ statt ,Kontaktpunkt‘ einfach nicht verständlich, weil sie zu wenig Englisch beherrschen", erklärt Klatte. "Solche Missverständnisse können beispielsweise bei ,rail & fresh‘ anstelle von ,Toilette‘ zu ernsten Problemen führen."

Ganz auf Englisch verzichten will die Bahn aber auch in Zukunft nicht. Vor allem Markennamen, wie etwa die "BahnCard" oder der "Intercity", die sich über Jahre hinweg etabliert haben, sollen beibehalten werden. Bei einzelnen Produkten und Dienstleistungen soll es aber auf Schildern und Logos deutsche Ergänzungen geben. Betroffen ist etwa der für viele ziemlich verwirrende Name des Fahrradverleihs "Call a bike". Durch den Zusatz "Das Mietrad-Angebot" sollen Kunden zukünftig sofort Bescheid wissen, um welchen Service es sich hier eigentlich handelt.

Fraglich ist, ob andere Firmen dem Beispiel der Bahn folgen werden. Holger Klatte vom VDS ist da eher skeptisch: "In der freien Wirtschaft ist Englisch weiter auf dem Vormarsch." Auch beim Blick in die Stellenanzeigen werde deutlich, dass englische Berufsbezeichnungen die deutschen immer mehr verdrängen. "Wir bekommen fast täglich Beschwerden von Menschen, die das nervt."

jvr

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